Droht die Hyperinflation? – mit Prof. Heiner Flassbeck

29. Aug 20204 Kommentare

Die Corona-Krise hat die Welt in eine beispiellose Rezession gestürzt. Europas EZB pumpt Milliarden in die angeschlagene Wirtschaft und nicht wenige Ökonomen beschwören den Geist der Hyperinflation. Was sagt Prof. Heiner Flassbeck dazu? Der frühere Chefökonom bei der UNO und ehm. Finanzstaatssekretär im Bundesfinanzministerium erklärt, warum er richtig viel Geld dagegen wetten würde. Und er erläutert, warum Schulden nicht gleich Schulden sind….

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4 Kommentare

  1. Peter Christian Nowak, pcn

    Herr Flassbeck lebt in seiner eigenen ökonomischen Welt. Ein Etatist, der auch gerne in seinen Ausführungen darauf hinweist.

    Und als er zum Ende auch noch was von der Klimarettung fabulierte, habe ich das Licht ausgemacht, und bin zu Bett.

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  2. Willy Schürer

    Sehr geehrter Herr Flassbeck,
    ich hatte ja schon zu einem anderen Interview von Frau Preradovic mit Ihnen Kommentare geschrieben. Deswegen werde ich hier nicht weiter ausführen wie positiv ich das von Ihnen mitgegründete Portal makroskop.eu im Allgemeinen und Ihre makro-ökonomische Expertise im Besonderen schätze.
    Sie stellen in diesem Interview die These auf, die zweifelsohne dringend erforderlichen finanziellen Hilfen für die von den politischen Maßnahmen finanziell schwer geschädigten unschuldigen Menschen hätten keinerlei inflationäre Wirkung. Das halte ich – mit Verlaub – für falsch. Ich stimme mit Ihnen überein, dass im Prinzip die sich im Umlauf befindliche Geldmenge nichts mit der Inflation zu tun hat. Sondern dass diese in erster Linie davon abhängt wie sich die Löhne im Vergleich zur Produktivität entwickeln.
    Diese These ist zweifelsohne empirisch sehr gut abgesichert. Insofern wir uns auf die Verbraucherpreisinflation beziehen. Und der Zusammenhang ist klar: grade die unteren Einkommensklassen verwenden zwangsläufig einen hohen Anteil ihres Einkommens zur Bestreitung der Kosten des täglichen Bedarfs.
    Was wir aber auch sehen ist, dass die Aufblähung der Geldmenge insofern sie das Vermögen der vermögenden Klasse betrifft zu Preissteigerungen auf anderen Gebieten führt: die Preise von Aktien, Finanzprodukten, Immobilien etc. korrelieren stark mit der Höhe dieser Vermögen. Auch dies ist empirisch gut gesichert und die Gründe sind evident.
    Nun könnte man sagen, dass diese Spielwiese der Reichen irrelevant ist für Otto Normalverbraucher. Das mag für Finanzspielzeuge und Aktien gelten. Die muss Otto Normalverbraucher nicht unbedingt haben. Aber die Immobilienblasen erschweren es jedem gewöhnlichen Bürger selbst Wohneigentum zu erwerben und erhöhen auch seine täglichen finanziellen Anforderungen in Form steigender Mieten. Aber dies nur nebenbei.
    Mein Widerspruch zu der von Ihnen in diesem Interview aufgestellten These (die Finanzhilfen wirken nicht inflationär) ist folgender: Finanzhilfen an die unteren Einkommensklassen bei gleichzeitig erzwungener Unproduktivität der Empfänger hat dieselbe Wirkung wie eine Lohnentwicklung, die der Produktivität davoneilt – also eine inflationäre. Das ist für mich offensichtlich. Da Sie das anders sehen wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir aufzeigen könnten wo mein Denkfehler liegt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Willy Schürer

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  3. Luka Komljenovic

    Herr Flassbeck äußert sich ein wenig abfällig über andersdenkende Experten. Nach seiner Logik ist das exzessive Gelddrucken völlig unproblematisch. Schulden müssen nicht unbedingt zurückgezahlt werden; man lässt die roten Zahlen in den Büchern einfach stehen. Warum hat die Bundesregierung vor Corona ständig die schwarze Null gepredigt? Eigentlich hätte die Regierung vor Corona auf Steuern verzichten und stattdessen Gelddrucken sollen. Herr Flassbeck’s Logik finde ich „interessant“. Zumindest hätte er erklären sollen, wo die ganzen Milliarden landen. Wäre schön, wenn man eine andere Expertenmeinung hierzu hören könnte.

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    • Stephan Renault

      Ich maße mir einfach mal an, dieser „Experte“ zu sein, dessen Meinung Luka Komljenovic hören wollte:

      Zunächst mal vorab:
      die Situation in Europa bzw. in der Eurozone ist etwas kompliziert, weil keiner der Staaten mehr eine eigene Währung hat. Bevor es den Euro gab, musste beispielsweise Italien nicht darum „betteln“, dass der italienische Staat neue Schulden machen darf, sondern als „souveräner Emittent“ seiner Währung, der Lira, konnte er tun und lassen, was er in der jeweiligen wirtschaftlichen Situation für richtig hielt. Wobei man sicherlich in Betracht ziehen muss, dass schon mehrere Jahre von Einführung des Euros von den Euro-Beitrittskandidaten die Maastricht-Konvergenzkriterien eingehalten werden mussten.

      Und weil das in Europa inzwischen eben alles anders ist als früher, bietet es sich an, „Geld Drucken“ am Beispiel eines Staates zu betrachten, der noch eine souveräne Währung hat, das wären z.B. Kanada, Japan, UK, und die USA, China, etc.

      Japan hat beispielsweise enorme staatliche Schuldenberge aufgehäuft (zum Vergleich: Japan 240% BIP; Italien 135% BIP, USA 136% BIP). Wäre es zutreffend, dass der Staat auf „die Märkte“ angewiesen ist, um sich Geld zu leihen, wieso zahlt dann Japan „den Märkten“ auf seine Schuldscheine einen negativen Zins von 0,03 % ? Und woher hat die japanische Zentralbank das Geld, mit dem sie die staatlichen Schuldscheine (= japanische Staatsanleihen) zum großen Teil (derzeit 43%) aufkauft und in Ihnen Büchern hält?

      Fragen über Fragen …

      In den USA finden im übrigens prinzipiell die gleichen Debatten statt, in denen die Befürchtung geäußert wird, dass das Land demnächst von seinen Schulden aufgefressen wird und dem Untergang geweiht ist. Allerdings gibt es dort seit einiger Zeit ein paar Ökonomen, die den Versuch unternehmen, Licht ins Dunkel zu bringen, und versuchen zu erklären, wieso wegen staatlicher Schulden nicht morgen das Ende der Welt bevorsteht …

      Der Grund, warum ich hier Quellen aus den USA anführe, ist, dass m.E. die besten Quellen derzeit noch hier zu finden sind.

      Diese Erkenntnisse sind im übrigen nicht neu, bereits im Jahr 1946 wurde von Beardsley Ruml, Direktor der Federal Reserve Bank von New York folgendes Papier veröffentlicht: „Taxes for Revenue are Obsolete“
      Warum das so ist, sieht man sich am besten in den Videos s.u. an, und wenn man es eilig hat, dann am besten Video 2, ab Min. 7:35 bis Min 16

      Beardsley Ruml https://en.wikipedia.org/wiki/Beardsley_Ruml

      http://hiwaay.net/~becraft/RUMLTAXES.html

      dort:
      „The necessity for a government to tax in order to maintain both its independence and its solvency is true for state and local governments, but it is not true for a national government.“

      What Taxes Are Really For:

      Federal taxes can be made to serve four principal purposes of a social and economic character. These purposes are:

      1. As an instrument of fiscal policy to help stabilize the purchasing power of the dollar;
      (2.)
      (3.) (4.)

      Für die Situation in den USA

      Video 1)
      Top 10 Things Stephanie Kelton Wants You to Know About the Economy
      https://www.youtube.com/watch?v=RpyuqKLh6QU

      (Video 1 besteht aus Ausschnitten von Video 3 s.u.)

      Video 2)
      https://www.youtube.com/watch?v=WmCrxlfdxrE

      ab Min. 7:35 Min 16 „ Don’t think of the government’s budget to be like that of a household“

      Video 3)
      Presidential Lecture Series: Stephanie Kelton
      https://www.youtube.com/watch?v=WS9nP-BKa3M

      Video 4)
      L. Randall Wray – Modern Money Theory for Beginners
      https://www.youtube.com/watch?v=E5JTn7GS4oA

      Als letzter Kommentar noch:
      Allan Greenspan https://en.wikipedia.org/wiki/Alan_Greenspan
      der sicherlich nicht „sozialistischer“ oder „kommunistischer“ Ideen verdächtigt werden könnte, sagt im Prinzip dasselbe (dieses kurze Video wird auch in Video 3 eingehender erläutert)

      Greenspan: “There is nothing to prevent the government from creating as much money as it wants.”
      https://www.youtube.com/watch?v=DNCZHAQnfGU

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