„Deutschland ist pleite“ – mit Antje Hermenau

10. Apr. 20267 Kommentare

2025 war schon DAS Katastrophenjahr für die deutsche Wirtschaft, 2026 könnte noch schlimmer werden. Laut einer Mittelstands-Analyse ist das einstige Fundament Deutschlands am Ende. Polit-Analystin und Unternehmensberaterin Antje Hermenau sieht einen Kampf ums Überleben. Hauptgrund: die immensen deutschen Energiekosten. „Dabei könnte sich Deutschland sogar unabhängig und günstig selbst versorgen.“ Stattdessen sei das Land inzwischen pleite.

Ein Gespräch mit der Direktorin des Landeswirtschaftssenat Sachsen auch über eine Minderheit, die es sich in Deutschland auf Kosten der Mehrheit gut gehen lässt, die Flucht der Wirtschaft ins Ausland und über eine zerfallende EU, bei der am Ende immer Deutschland zahle.

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Milena Preradovic

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Interview mit Antje Hermenau (deutsch)

Milena Preradovic: 2025 war das Desasterjahr für die deutsche Wirtschaft mit Rekordinsolvenzen. Und für 2026 sieht es nach einer Mittelstandsanalyse des IT-Dienstleisters DATEV noch schlechter aus. Fazit: Der Mittelstand gibt auf. Es ist keine Schockwelle, es ist ein schleichender Rückzug. Und erstmals will eine Mehrheit der Unternehmer mit der Rente auch den Betrieb aufgeben. Und was tut die Regierung? Sie überlegt, wie sie Unternehmen und Bürger trotz Rekordsteuereinnahmen noch weiter schröpfen kann. Und das angesichts immenser Sprit-, Energie- und Lebenshaltungskosten. Wir brauchen unbedingt gesunden Menschenverstand. Jetzt in Punkt Preradovic. Hallo Antje Hermenau, schön, Sie wiederzusehen.

Antje Hermenau: Guten Tag, ich freue mich auch.

Milena Preradovic: Ich stelle Sie kurz vor. Sie sind Politikerin, Unternehmerin, Diplompädagogin für deutsche und englische Sprache und Literatur sowie Verwaltungswissenschaftlerin, außerdem Autorin und Politikberaterin. Sie sind Mitbegründerin der Grünen Partei Sachsen und waren in der Wendezeit 1990 Mitglied am Runden Tisch der Stadt Leipzig. Von 1990 bis 1994 saßen Sie als Abgeordnete im Sächsischen Landtag, von 1994 bis 2004 im Deutschen Bundestag. Dann wechselten Sie als Fraktionsvorsitzende wieder in den Landtag nach Sachsen. 2014 traten Sie von allen politischen Ämtern zurück und Anfang 2015 nach 25 Jahren aus der Grünen Partei aus. Seitdem sind Sie selbstständig. Sie sind seit 2015 Direktorin des Landeswirtschaftssenats Sachsen und setzen sich dort intensiv für die Interessen und Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen in Sachsen ein und beraten sie auch. Sie sitzen also quasi an der Quelle. Wie ist es um den sächsischen Mittelstand bestellt, der sich ja nicht groß vom gesamtdeutschen unterscheiden dürfte?

Antje Hermenau: Das stimmt, der unterscheidet sich nicht groß, aber doch in wesentlichen kleineren Punkten. Zum einen ist die durchschnittliche Betriebsgröße hier bei uns im Osten ungefähr ein Drittel kleiner als im Westen. Wir haben auch die Situation, dass hier alle gleichzeitig Anfang der 90er Jahre gegründet haben. Und dieser Schwung tätiger Leute geht gerade in Rente und übergibt Firmen. Da haben wir also eine riesige Übergabesituation. Das ist ein Cluster bei uns, weil die alle gleichzeitig gegründet haben. Und wir haben die Situation, dass Forschung und Entwicklung bei uns nicht so oft in den Firmen selbst stattfindet, sondern meist im Verbund mit den Fachhochschulen. Wir haben also eine etwas andere Forschungslandschaft hier in Sachsen.

Milena Preradovic: Okay, aber wie sieht es jetzt konkret mit dem sächsischen Mittelstand aus?

Antje Hermenau: Ihm wurden alle Daumenschrauben angezogen, die man anziehen kann – aus Sicht der Politik. Man hat die Energiepreise verteuert. Das ist eine hausgemachte Angelegenheit, eine falsche Politik meiner Meinung nach. Bei den Grund- und Rohstoffen ist die Situation komplizierter geworden. Man bekommt nicht mehr alles. Es gibt Monopole in einzelnen Ländern, Vorprodukte fallen weg, auch innerhalb Deutschlands. Die Inflation wirkt ebenfalls: In einer Kneipe erwarten die Leute höhere Löhne. Der Staat tut sein Übriges, indem er den Mindestlohn erhöhen will. Dann braucht man wieder Abstand zu den höheren Lohngruppen. Jede Daumenschraube, die man einem Mittelständler anlegen kann, hat man angelegt und fest angezogen. Er kommt kaum noch zurecht.

Milena Preradovic: Sie beraten ja auch Unternehmen. Geht es da inzwischen um Sein oder Nichtsein?

Antje Hermenau: Ja, das ist so, allerdings nicht in jeder Branche. Es kommt wirklich darauf an. Auch innerhalb der Branchen gibt es Betriebe mit vollen und weniger vollen Auftragsbüchern. Das hängt von vielen kleinen Faktoren ab: Arbeitet man mit dem Ausland zusammen? Woher bezieht man seine Grundstoffe? Wo sitzt der Kundenkreis? Entscheidend ist meiner Meinung nach, dass alle energieintensiven Produzenten vor massiven Problemen stehen. Das ist ein Grunderlebnis für viele Branchen. Gleichzeitig haben viele versucht, Eigenkapital aufzubauen, oft sogar mehr als im Westen. Das Problem ist, dass die Energiepreise dieses Eigenkapital jetzt aufzehren. Eine Gießerei im Erzgebirge hat 30 Jahre lang Eigenkapital im Millionenbereich aufgebaut – und verliert das in wenigen Monaten durch die Preissteigerungen.

Milena Preradovic: Laut einer bundesweiten Umfrage will erstmals eine Mehrheit der Unternehmer mit der Rente auch den eigenen Betrieb schließen. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Antje Hermenau: Ja, das ist eine Option. Einige sagen: Ich höre in den schwarzen Zahlen auf, bevor es kippt. Andere versuchen, einen Nachfolger zu finden oder zu verkaufen. Das ist nicht einfach. Manchmal kauft auch ein Mittelständler einen anderen, um zu wachsen. Das kann sinnvoll sein. Aber bei dauerhaft hohen Energiepreisen sind solche Fusionen weniger attraktiv. Es gibt auch wenig Investitionen in neue Maschinen. Viele halten sich zurück und beobachten die Lage. Und beim Energiethema ist keine Entspannung in Sicht: Netze sind nicht ausreichend ausgebaut, Speicher fehlen, Gaskraftwerke ebenfalls. Daher wissen die Unternehmen, dass die Preise hoch bleiben werden. Das wirkt wie eine Hand an der Gurgel.

Milena Preradovic: Die Strompreise in Deutschland sind im Vergleich zu Frankreich etwa viermal so hoch.

Antje Hermenau: So gewinnt man keinen Wettbewerb.

Milena Preradovic: Das heißt, die Firmen sind international nicht mehr wettbewerbsfähig?

Antje Hermenau: Deshalb überlegen viele, zumindest die energieintensiven Teile ins Ausland zu verlagern. Beliebt sind Nachbarländer wie Polen, Frankreich oder Ungarn. Manche verlegen die ganze Firma. Ich habe in der chemischen Industrie zwei Firmen verloren, eine nach Japan und eine nach North Carolina in den USA. Eine weitere ist nach Schweden gegangen. Die Unternehmen folgen den Energiepreisen. Das ist dramatisch.

Milena Preradovic: Müssen sie nicht hohe Wegzugssteuern zahlen?

Antje Hermenau: Sie können in Deutschland schlicht nicht mehr produzieren. Die chemische Industrie kann das nicht mehr.

Milena Preradovic: Welche Branchen sind am stärksten betroffen?

Antje Hermenau: Vor allem energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl, Aluminium oder Emaille. Die Chemie hat zusätzlich eine Absatzkrise. Sie muss schnell in Asien eigene Produktion aufbauen, sonst verliert sie den Markt. Dort wächst die Kaufkraft, hier nicht. Im Gegenteil. Auch die Autoindustrie ist betroffen. Diese Grundindustrien sind zentral, weil sie Vorprodukte herstellen. Ein Beispiel: Erdgas wird chemisch zu Ammoniak verarbeitet. Daraus entsteht Dünger für die Landwirtschaft. Außerdem wird daraus Urea gewonnen, das für AdBlue benötigt wird. AdBlue brauchen LKWs und Busse, sonst dürfen sie nicht fahren. Wenn die Produktion wegfällt, fehlt es nicht nur an bezahlbarem AdBlue, sondern die gesamte Logistik gerät unter Druck. Unser Standort in Mitteldeutschland, etwa Leuna, steht an einem kritischen Punkt. Einige Unternehmen sind schon weg oder haben geschlossen. Irgendwann kippt das System. Der Mittelstand funktioniert wie ein fein abgestimmtes Uhrwerk. Wenn ein Zahnrad blockiert, steht alles.

Milena Preradovic: Na ja, und jetzt haben wir noch einmal richtig hohe Spritpreise. Das dürfte die Situation auch nicht verbessern.

Antje Hermenau: Logistiker sind schwer getroffen. Die haben mit ganz anderen Preisen kalkuliert bei ihren Angeboten. Sie fahren zurzeit dramatische Verluste. Sie müssen ihre Angebote lange im Voraus machen, und wenn sie Verträge ändern wollen, gelten Kündigungsfristen von mehreren Monaten. Das trifft sie wirklich brutal.

Milena Preradovic: Andere Länder haben ganz anders reagiert. Die italienische Regierung hat zum Beispiel per Dekret die Steuern auf Benzin und Diesel deutlich gesenkt. Auch Speditionen werden dort mit Steuergutschriften unterstützt, um Preissteigerungen bei Waren zu verhindern und die Inflation zu bremsen. Und Deutschland tut nichts, außer Preiserhöhungen nur einmal am Tag zuzulassen. Seitdem sind die Preise deutlich gestiegen. Übrigens sind sie am ersten Tag des Waffenstillstands trotzdem noch einmal in die Höhe geschossen.

Antje Hermenau: Das ist keine nachhaltige Lösung. Man weiß, was kommt. Ich rechne eher mit zusätzlichen Belastungen, etwa einer Art Maut auf der Straße. Im Kern ist es so, dass andere europäische Länder von der aktuellen Schwäche Deutschlands profitieren. Dieses Deutschland, wie es von den letzten Regierungen hinterlassen wurde, wirkt wie ein Kadaver in der Steppe. Andere holen sich Marktanteile, wo sie können. Das sieht man in der Luftfahrt, in der Logistik und in vielen anderen Bereichen. Länder, deren Regierungen ihre Unternehmen stärker unterstützen, sichern sich jetzt gezielt Marktanteile in Deutschland. Es wirkt, als wäre man zum Abschuss freigegeben.

Milena Preradovic: Das ist verrückt. Man hat fast den Eindruck, der hohe Spritpreis sei willkommen. Seit Ausbruch des Irakkriegs hat der Staat mehr als 390 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen durch die Mehrwertsteuer generiert. Und es passt ins Bild einer erzieherischen Politik. Einige Ökonominnen vertreten diese Linie offen. Veronika Grimm ist für ein Tempolimit statt Tankrabatte. Ihre Kollegin, die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, sagt, hohe Spritpreise würden die Menschen zum Sparen erziehen. Die Wirtschaft zu unterstützen scheint in Deutschland keine Priorität zu haben.

Antje Hermenau: Ich halte das für problematisch. Ich nenne das das Stockholm-Syndrom: Man identifiziert sich mit dem, der einem schadet. Etwas Ähnliches passiert hier. Mein Sohn ist 19 und macht gerade Abitur. Wenn ich höre, was er in der Schule gelernt hat und wovon er überzeugt ist, dann sehe ich, wie stark diese Denkweisen verankert sind. Die jungen Leute kommen aus der Schule und tragen diese Sichtweisen bereits in sich. Dazu kommt, dass viele Menschen seit Jahrzehnten immer wieder ähnliche Narrative hören, die wirtschaftliche Zusammenhänge stark vereinfachen oder romantisieren. Deutschland hat eine gewisse Neigung zu solchen Vorstellungen. Aber am Ende geht es um harte ökonomische Realitäten. Eine Deindustrialisierung schwächt Einnahmen und Kapitalbasis. Es gibt weniger Geld zum Umverteilen, während die Verschuldung steigt. Gleichzeitig werden externe Ursachen verantwortlich gemacht. Tatsächlich ist ein Großteil der Krise hausgemacht. Sonst würden andere europäische Länder ähnlich betroffen sein, was nicht der Fall ist.

Milena Preradovic: Den anderen EU-Ländern geht es teilweise besser, aber auch die EU selbst verstärkt diesen Kurs. Der EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hat vor einer Energiekrise gewarnt und empfiehlt mehr Homeoffice, weniger Fahren und weniger Fliegen. Selbst wenn der Krieg bald endet, werde es keine schnelle Rückkehr zur Normalität geben. Das erinnert an die Rhetorik aus der Coronazeit. Wie interpretieren Sie das?

Antje Hermenau: Das Problem ist weniger eine tatsächliche Energieknappheit. Energie könnte grundsätzlich ausreichend und zu vernünftigen Preisen produziert werden. Es geht vielmehr um eine zugrunde liegende Schuldenproblematik. Viele Staaten wissen nicht mehr, wie sie ihre Finanzierung sicherstellen sollen. Deutschland ist in einer angespannten finanziellen Lage, und das betrifft auch andere europäische Länder sowie das Vereinigte Königreich. Die zentrale Frage ist: Woher kommt das Geld? Deutschland hatte Schwierigkeiten, Staatsanleihen vollständig am Markt zu platzieren. Das Vertrauen in den Standort lässt nach. Insgesamt befinden wir uns in einer kritischen Phase der Staatsverschuldung in der industrialisierten Welt. Diese strukturellen Probleme werden häufig durch andere Erklärungen überdeckt.

Antje Hermenau: Deutschland hätte grundsätzlich Optionen. Man könnte die Gasspeicher füllen, zusätzliche Energiequellen erschließen und eigene Ressourcen stärker nutzen. Auch der Ausbau eigener Energieproduktion wäre möglich, wenn auch mit Zeitaufwand. Ebenso ließe sich die Stromproduktion durch verschiedene Maßnahmen stabilisieren. Insgesamt hätte Deutschland das Potenzial, sich deutlich unabhängiger zu machen.

Milena Preradovic: Und nichts davon wird umgesetzt. Stattdessen nimmt man wirtschaftliche Risiken oder sogar größere Konflikte in Kauf.

Antje Hermenau: Es entsteht zumindest der Eindruck, dass ein wirtschaftlicher Einbruch bewusst in Kauf genommen wird, um später einen Neustart zu ermöglichen. Gleichzeitig werden auf europäischer Ebene neue Regulierungsstrukturen aufgebaut, etwa im Finanzbereich. Diese bringen weitreichende Eingriffsmöglichkeiten mit sich, etwa bei der Kontrolle von Vermögenswerten und deren Herkunft. Das kann erhebliche Auswirkungen haben.

Milena Preradovic: Haben Sie schon darüber nachgedacht, ins Ausland zu gehen?

Antje Hermenau: Ja, natürlich denke ich darüber nach.

Milena Preradovic: Und wohin?

Antje Hermenau: Die Frage ist auch, was mit den Menschen passiert, die bleiben müssen. Für sie wird die Situation zunehmend schwieriger.

Milena Preradovic: Noch einmal zur EU: Bürokratie und Überregulierung erschweren Unternehmen zunehmend das Leben. Wie sieht dieses Bürokratiemonster im Alltag eines mittelständischen Unternehmens konkret aus? Ich habe gehört, dass es inzwischen Mitarbeiter gibt, die sich ausschließlich damit beschäftigen.

Antje Hermenau: Ja, das ist so. Die Unternehmen müssen ständig neue Verwaltungsvorschriften beachten, die oft sogar über das hinausgehen, was aus Brüssel kommt. Die nationale Gesetzgebung wird dadurch teilweise überlagert. Es entstehen immer neue Verordnungen und Vorschriften. Mit jedem neuen Beamten kommen gefühlt zwei neue Regelungen hinzu. Bürokratie wird nicht abgebaut, sondern ausgeweitet und verstärkt. Dahinter steht ein Kontrollanspruch derjenigen, die wissen, dass sie die wirtschaftlichen Prozesse nicht wirklich steuern können. Also versucht man, Kontrolle über diejenigen zu behalten, die tatsächlich wissen, wie Wirtschaft funktioniert und die letztlich die finanziellen Mittel erwirtschaften. Gleichzeitig wollen viele im politischen, administrativen und medialen Bereich ihr eigenes Einkommensniveau sichern. Es gibt eine Gruppe von etwa sechs bis sieben Millionen Menschen, die sehr gut davon lebt, dass Steuern und Sozialabgaben hoch sind. Diese Gruppe profitiert auf einem hohen Niveau, während der Lebensstandard in der breiten Bevölkerung sinkt. Auch der Lebensstandard vieler Unternehmer, insbesondere im Mittelstand, ist nicht gestiegen. Manche haben sogar ihre Altersvorsorge eingesetzt, um ihre Firmen zu retten.

Milena Preradovic: Ich nehme an, das Vertrauen in die Regierung ist bei Ihren Unternehmern nicht mehr besonders groß. Wie stehen sie zur sogenannten Brandmauer gegenüber der AfD? Solange diese besteht, wird es ja voraussichtlich weiterhin Regierungen mit linken Parteien geben, weil sich sonst keine Mehrheiten bilden lassen. Wie sehen Ihre Unternehmer das?

Antje Hermenau: Unternehmer äußern sich ungern politisch. Sie halten sich sehr zurück. Es gibt eine gewisse Vorsicht, weil öffentliche Äußerungen inzwischen auch beobachtet und bewertet werden. Viele wollen kein Risiko eingehen. Im Kern hört man aber häufiger, dass Programme einzelner Parteien als sachlich nachvollziehbar beschrieben werden. Konkrete politische Forderungen äußern sie jedoch selten. Viele sind zudem wirtschaftlich von staatlichen Aufträgen oder Förderungen abhängig und vermeiden daher bewusst Konflikte. Die Lage ist insgesamt zu fragil.

Milena Preradovic: Ja.

Antje Hermenau: Ich habe hier schon einmal die These vertreten, dass sich politische Konstellationen nach der nächsten Bundestagswahl verändern könnten. Die CDU steht unter Druck. Insbesondere im Osten sieht man Entwicklungen früher, weil die wirtschaftlichen Fallhöhen geringer sind. Nach Wahlen in Bundesländern wie Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern könnten sich neue politische Dynamiken ergeben. Parteien stehen unter erheblichem Anpassungsdruck, um nicht an Bedeutung zu verlieren. Grundsätzlich gilt: Parteien wollen regieren, oft unabhängig von konkreten Koalitionskonstellationen.

Milena Preradovic: Das gilt letztlich für alle Parteien.

Antje Hermenau: In unterschiedlicher Ausprägung, aber ja, der Machterhalt spielt eine zentrale Rolle.

Milena Preradovic: Was auffällt: Viele mittelständische Unternehmer, aber auch große Unternehmen äußern sich nur sehr zurückhaltend politisch. Früher war das anders. Die Wirtschaft ist selbstbewusster aufgetreten und hat politischen Einfluss deutlich artikuliert. Was hat sich verändert?

Antje Hermenau: In den letzten Jahren ist eine politische Generation prägend geworden, die wenig Bezug zur Wirtschaft hat. Für viele spielt die wirtschaftliche Perspektive keine zentrale Rolle. Zudem gibt es in bestimmten politischen Milieus ein grundsätzlich kritisches Verhältnis zur Wirtschaft. Unternehmen werden teilweise pauschal bestimmten politischen Lagern zugeordnet. Das führt dazu, dass ihre Anliegen weniger Gehör finden.

Milena Preradovic: Haben Sie noch Hoffnung, dass sich die Situation für Deutschland verbessern kann?

Antje Hermenau: Hoffnung sollte man immer haben. Ich habe sie auch. Aber aktuell sehe ich nicht klar, woher grundlegende Veränderungen kommen sollen. Die politischen Parteien wirken derzeit nicht in der Lage, strukturelle Probleme konsequent anzugehen. Ein zentrales Thema sind die Staatsausgaben. Es wird nicht ausreichend erwirtschaftet, um das aktuelle Niveau dauerhaft zu halten. Deshalb wären Einsparungen notwendig.

Milena Preradovic: Ein Einnahmeproblem scheint es nicht zu geben, angesichts der hohen Steuereinnahmen.

Antje Hermenau: Nominal steigen die Einnahmen durch die Inflation. Real, also in Kaufkraft gemessen, ist das jedoch keine Verbesserung. Der entscheidende Punkt ist: Der Staat müsste aus meiner Sicht in den nächsten zwei Jahren deutlich sparen, möglicherweise im Bereich von etwa 20 %. Das ist politisch schwierig, weil jede Partei eigene Wählergruppen hat, die von staatlichen Leistungen profitieren. Niemand möchte dort Einschnitte vornehmen.

Milena Preradovic: Man könnte auch darüber nachdenken, ob man sich in internationale Konflikte einmischt und dort erhebliche Mittel einsetzt.

Antje Hermenau: Die Motivation solcher Entscheidungen ist komplex und wird unterschiedlich bewertet. Fest steht: Die finanziellen Belastungen für Staaten und insbesondere für Deutschland als großen Beitragszahler innerhalb Europas sind erheblich. Gleichzeitig gibt es zusätzliche Risiken durch europäische Finanzverflechtungen, etwa über gemeinsame Haftungsmechanismen oder bestehende Salden im Eurosystem. Insgesamt entsteht der Eindruck einer sehr hohen finanziellen Belastung bei gleichzeitig zunehmenden Unsicherheiten.

Milena Preradovic: Sollte diese EU in ihrer jetzigen Form aufgelöst werden?

Antje Hermenau: Sie wird sich vermutlich von selbst auflösen, sobald erste Länder sagen, dass sie die finanziellen Belastungen nicht mehr tragen können. Wenn Staaten wie Italien oder Spanien aus wirtschaftlichen Gründen aussteigen müssten, würde das wahrscheinlich auch den Euro betreffen. Dann geriete das gesamte System ins Wanken. Gleichzeitig gibt es in vielen Regionen Spannungen, etwa auf dem Balkan. Auch innerhalb der EU verfolgen Länder eigene Interessen. Polen etwa möchte stärker mitgestalten, hat aber klare Grenzen, etwa bei der Aufnahme von Migranten. Insgesamt wirkt die Lage sehr uneinheitlich. Deutschland trägt finanziell einen großen Teil, während andere Länder stärker von den Strukturen profitieren. Eine klare strategische Linie ist schwer erkennbar. Das ist allerdings kein neues Phänomen, sondern besteht seit der Finanzkrise 2008/2009. Damals gab es das Ziel, einen bestimmten Anteil industrieller Arbeitsplätze in allen Euro-Ländern zu sichern. Das wurde in vielen Regionen nicht erreicht. Heute geht es oft darum, noch vorhandene wirtschaftliche Substanz zu sichern oder abzuschöpfen. Diskussionen über gemeinsame EU-Steuern werfen zusätzlich die Frage auf, wer diese letztlich tragen wird. Insgesamt könnte sich das System eher schrittweise verändern als abrupt bestehen bleiben.

Milena Preradovic: Ja, okay. Vielen Dank. Vielen Dank, Antje Hermenau, für diese Einordnungen, auch wenn sie eher düster sind.

Antje Hermenau: Man sollte trotzdem zuversichtlich bleiben und den Humor nicht verlieren. Entwicklungen gehen weiter, auch wenn sich Strukturen verändern. Europa bleibt bestehen, unabhängig davon, wie sich institutionelle Formen entwickeln.

Milena Preradovic: Ich persönlich sehe eher eine wirtschaftliche Zusammenarbeit im Vordergrund, eine Art Wirtschaftsunion.

Antje Hermenau: Das wäre zumindest ein möglicher Ansatz für eine Neuordnung.

Milena Preradovic: Genau, und dann müsste man die Strukturen entsprechend neu denken und gestalten.

Antje Hermenau: Das ist ein Diskussionsansatz, der sicherlich weitergeführt werden kann.

Milena Preradovic: Schön, dass Sie da waren. Vielen Dank.

Antje Hermenau: Gern, auf Wiedersehen.

Milena Preradovic: Tschüss. Tja Leute, wer hätte sich einen solchen wirtschaftlichen Abschwung Deutschlands noch vor zehn Jahren vorstellen können? Der Mittelstand, lange Zeit das Fundament der Wirtschaft, steht unter massivem Druck. Die Frage ist, wie sich diese Entwicklung weiter fortsetzt und welche politischen und wirtschaftlichen Antworten darauf gefunden werden. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit. Bis bald.

Interview with Antje Hermenau (english)

Milena Preradovic: 2025 was a disastrous year for the German economy, with record-breaking bankruptcies. And according to an analysis of small and medium-sized businesses by the IT service provider DATEV, 2026 looks even worse. The bottom line: Small and medium-sized businesses are giving up. It’s not a shockwave; it’s a creeping retreat. And for the first time, a majority of business owners plan to shut down their operations when they retire. And what is the government doing? It’s figuring out how to squeeze even more out of businesses and citizens despite record tax revenues. And this in the face of skyrocketing fuel, energy, and living costs. We desperately need common sense. Now on to the Preradovic segment. Hello, Antje Hermenau, nice to see you again.

Antje Hermenau: Good afternoon, I’m glad to see you too.

Milena Preradovic: Let me briefly introduce you. You are a politician, entrepreneur, certified educator in German and English language and literature, and an administrative scientist, as well as an author and political consultant. You are a co-founder of the Green Party of Saxony and were a member of the Round Table of the City of Leipzig during the reunification period in 1990. From 1990 to 1994, you served as a member of the Saxon State Parliament, and from 1994 to 2004 in the German Bundestag. You then returned to the Saxon State Parliament as parliamentary group leader. In 2014, you resigned from all political offices, and in early 2015, after 25 years, you left the Green Party. Since then, you have been self-employed. Since 2015, you have been the director of the Saxony State Economic Senate, where you work intensively to advocate for the interests and needs of small and medium-sized enterprises in Saxony and also advise them. So you are, so to speak, at the source. What is the state of Saxony’s small and medium-sized enterprises, which presumably do not differ greatly from those in Germany as a whole?

Antje Hermenau: That’s true; they aren’t very different, but there are some key minor differences. For one thing, the average company size here in the east is about a third smaller than in the west. We also have the situation where all these companies were founded at the same time in the early 1990s. And this wave of active entrepreneurs is now retiring and handing over their companies. So we’re facing a massive succession crisis. That’s a cluster here because they all started up at the same time. And we have the situation where research and development doesn’t often take place within the companies themselves, but mostly in collaboration with the universities of applied sciences. So we have a somewhat different research landscape here in Saxony.

Milena Preradovic: Okay, but what’s the actual situation with Saxony’s small and medium-sized enterprises right now?

Antje Hermenau: They’ve had every possible screw tightened on them—from a political perspective. Energy prices have been driven up. That’s a home-grown issue, a misguided policy in my opinion. The situation with basic materials and raw materials has become more complicated. You can’t get everything anymore. There are monopolies in certain countries, and intermediate products are disappearing, even within Germany. Inflation is also having an effect: In a bar, people expect higher wages. The government is doing its part by wanting to raise the minimum wage. Then you need to maintain a gap with the higher wage brackets again. Every possible constraint that can be imposed on a small business has been applied and tightened. They can barely cope anymore.

Milena Preradovic: You also advise companies. Is it now a matter of survival?

Antje Hermenau: Yes, that’s true, though not in every industry. It really depends. Even within industries, there are companies with full order books and others with less full ones. That depends on many small factors: Do you work with foreign partners? Where do you source your raw materials? Where is your customer base located? In my opinion, the decisive factor is that all energy-intensive producers are facing massive problems. This is a fundamental reality for many industries. At the same time, many have tried to build up equity, often even more so than in the West. The problem is that energy prices are now eating away at that equity. A foundry in the Ore Mountains built up equity in the millions over 30 years—and is losing it in just a few months due to price hikes.

Milena Preradovic: According to a nationwide survey, for the first time, a majority of business owners plan to close their own businesses when they retire. Is that your experience as well?

Antje Hermenau: Yes, that’s one option. Some say: I’ll stop while I’m still in the black, before things go south. Others try to find a successor or sell the business. That’s not easy. Sometimes a medium-sized company buys another one to grow. That can make sense. But with persistently high energy prices, such mergers are less attractive. There is also little investment in new machinery. Many are holding back and watching the situation. And on the energy front, there is no relief in sight: grids are not sufficiently developed, storage facilities are lacking, and so are gas-fired power plants. Therefore, companies know that prices will remain high. It feels like a hand around the throat.

Milena Preradovic: Electricity prices in Germany are about four times higher than in France.

Antje Hermenau: You can’t win a competition like that.

Milena Preradovic: Does that mean companies are no longer competitive internationally?

Antje Hermenau: That’s why many are considering relocating at least their energy-intensive operations abroad. Neighboring countries like Poland, France, or Hungary are popular choices. Some are relocating the entire company. I’ve lost two companies in the chemical industry—one to Japan and one to North Carolina in the U.S. Another has moved to Sweden. Companies are following energy prices. That’s dramatic.

Milena Preradovic: Don’t they have to pay high exit taxes?

Antje Hermenau: They simply can’t produce in Germany anymore. The chemical industry can’t do it anymore.

Milena Preradovic: Which sectors are most severely affected?

Antje Hermenau: Primarily energy-intensive sectors such as chemicals, steel, aluminum, and enamel. The chemical industry is also facing a sales crisis. It must quickly establish its own production in Asia, or else it will lose the market. Purchasing power is growing there, but not here. On the contrary. The automotive industry is also affected. These basic industries are crucial because they produce intermediate goods. An example: Natural gas is chemically processed into ammonia. This is used to make fertilizer for agriculture. Urea is also extracted from it, which is needed for AdBlue. Trucks and buses need AdBlue; otherwise, they’re not allowed to drive. If production stops, there won’t just be a shortage of affordable AdBlue—the entire logistics system will come under pressure. Our location in central Germany, such as Leuna, is at a critical juncture. Some companies have already left or closed down. At some point, the system will collapse. Small and medium-sized businesses function like a finely tuned clockwork mechanism. If one gear jams, everything grinds to a halt.

Milena Preradovic: Well, and now we’re facing really high fuel prices again. That’s unlikely to improve the situation either.

Antje Hermenau: Logistics companies are being hit hard. They based their quotes on entirely different prices. They’re currently incurring dramatic losses. They have to submit their bids well in advance, and if they want to change contracts, there are notice periods of several months. That’s really hitting them hard.

Milena Preradovic: Other countries have reacted very differently. The Italian government, for example, has significantly lowered taxes on gasoline and diesel by decree. Freight companies there are also being supported with tax credits to prevent price increases on goods and curb inflation. And Germany is doing nothing, except allowing price increases only once a day. Since then, prices have risen significantly. Incidentally, they still skyrocketed again on the first day of the ceasefire.

Antje Hermenau: That’s not a sustainable solution. We know what’s coming. I expect additional burdens instead, such as some kind of road toll. Essentially, other European countries are benefiting from Germany’s current weakness. This Germany, as left behind by recent governments, looks like a carcass in the steppe. Others are grabbing market share wherever they can. You see this in aviation, in logistics, and in many other sectors. Countries whose governments provide stronger support to their companies are now specifically securing market share in Germany. It feels as if we’ve been marked for the slaughter.

Milena Preradovic: That’s crazy. One almost gets the impression that high fuel prices are welcome. Since the outbreak of the Iraq War, the state has generated more than 390 million euros in additional revenue through VAT. And it fits into the picture of a “disciplinary” policy. Some female economists openly advocate this line. Veronika Grimm favors a speed limit over fuel rebates. Her colleague, the chair of the German Council of Economic Experts, Monika Schnitzer, says high gas prices would teach people to save. Supporting the economy does not seem to be a priority in Germany.

Antje Hermenau: I find that problematic. I call it the Stockholm syndrome: You identify with the one who is harming you. Something similar is happening here. My son is 19 and is currently taking his high school graduation exams. When I hear what he’s learned in school and what he’s convinced of, I see how deeply ingrained these ways of thinking are. Young people come out of school already carrying these perspectives within them. On top of that, many people have been hearing similar narratives for decades—narratives that oversimplify or romanticize economic realities. Germany has a certain tendency toward such ideas. But in the end, it comes down to harsh economic realities. Deindustrialization weakens revenue and the capital base. There is less money to redistribute, while debt rises. At the same time, external causes are blamed. In fact, much of the crisis is homegrown. Otherwise, other European countries would be similarly affected, which is not the case.

Milena Preradovic: Some other EU countries are faring better, but the EU itself is also reinforcing this course. EU Energy Commissioner Dan Jørgensen has warned of an energy crisis and recommends more working from home, less driving, and fewer flights. Even if the war ends soon, there will be no quick return to normalcy. This is reminiscent of the rhetoric from the COVID era. How do you interpret this?

Antje Hermenau: The problem is less an actual energy shortage. In principle, energy could be produced in sufficient quantities and at reasonable prices. It is much more about an underlying debt problem. Many countries no longer know how to secure their financing. Germany is in a strained financial situation, and this also affects other European countries as well as the United Kingdom. The central question is: Where does the money come from? Germany has had difficulty placing government bonds entirely on the market. Confidence in the country is waning. Overall, we are in a critical phase of government debt in the industrialized world. These structural problems are often obscured by other explanations.

Antje Hermenau: Germany would, in principle, have options. It could fill gas storage facilities, tap into additional energy sources, and make greater use of its own resources. Expanding domestic energy production would also be possible, albeit time-consuming. Similarly, electricity production could be stabilized through various measures. Overall, Germany has the potential to become significantly more independent.

Milena Preradovic: And none of this is being implemented. Instead, economic risks or even major conflicts are being accepted.

Antje Hermenau: At the very least, the impression arises that an economic slump is being deliberately accepted in order to enable a fresh start later on. At the same time, new regulatory structures are being established at the European level, for example in the financial sector. These entail far-reaching powers of intervention, such as in the monitoring of assets and their origins. That can have significant consequences.

Milena Preradovic: Have you thought about moving abroad?

Antje Hermenau: Yes, of course I’m thinking about it.

Milena Preradovic: And where to?

Antje Hermenau: The question is also what happens to the people who have to stay. For them, the situation is becoming increasingly difficult.

Milena Preradovic: Back to the EU: bureaucracy and overregulation are making life increasingly difficult for companies. What does this bureaucratic monster actually look like in the day-to-day operations of a medium-sized company? I’ve heard that there are now employees who deal exclusively with this.

Antje Hermenau: Yes, that’s true. Companies must constantly comply with new administrative regulations that often even go beyond what comes from Brussels. This partially overrides national legislation. New regulations and rules are constantly emerging. It feels like every new bureaucrat brings two new regulations with them. Bureaucracy isn’t being reduced; rather, it’s being expanded and reinforced. Behind this lies a desire for control among those who know they can’t really steer economic processes. So they try to maintain control over those who actually know how the economy works and who ultimately generate the financial resources. At the same time, many in the political, administrative, and media sectors want to secure their own income levels. There is a group of about six to seven million people who make a very good living from high taxes and social security contributions. This group benefits at a high level, while the standard of living among the general population is declining. The standard of living for many entrepreneurs, especially in the SME sector, has not risen either. Some have even used their retirement savings to save their companies.

Milena Preradovic: I assume that confidence in the government is no longer particularly high among your entrepreneurs. What is their stance on the so-called firewall against the AfD? As long as this exists, there will likely continue to be governments with left-wing parties, because otherwise no majorities can be formed. How do your entrepreneurs view this?

Antje Hermenau: Entrepreneurs are reluctant to express political views. They are very reserved. There is a certain caution because public statements are now also being monitored and evaluated. Many do not want to take any risks. At the core, however, one often hears that the platforms of individual parties are described as factually reasonable. They rarely express concrete political demands, though. Many are also economically dependent on government contracts or subsidies and therefore consciously avoid conflicts. The situation is too fragile overall.

Milena Preradovic: Yes.

Antje Hermenau: I have previously argued here that political constellations could change after the next federal election. The CDU is under pressure. Developments are visible earlier, especially in the east, because the economic fallout is less severe. Elections in states like Saxony or Mecklenburg-Western Pomerania could give rise to new political dynamics. Parties are under considerable pressure to adapt so as not to lose relevance. The basic rule is: parties want to govern, often regardless of specific coalition configurations.

Milena Preradovic: Ultimately, that applies to all parties.

Antje Hermenau: To varying degrees, but yes, retaining power plays a central role.

Milena Preradovic: What stands out is that many small and medium-sized business owners, but also large companies, are very cautious when expressing political views. It used to be different. The business community used to be more assertive and clearly articulated its political influence. What has changed?

Antje Hermenau: In recent years, a political generation has come to the fore that has little connection to the business world. For many, the economic perspective does not play a central role. Furthermore, in certain political circles, there is a fundamentally critical attitude toward business. Companies are sometimes lumped together and assigned to specific political camps. This leads to their concerns being heard less.

Milena Preradovic: Do you still have hope that the situation in Germany can improve?

Antje Hermenau: One should always have hope. I do, too. But right now, I don’t see clearly where fundamental changes are supposed to come from. The political parties currently seem unable to consistently address structural problems. A central issue is government spending. Not enough revenue is being generated to sustain the current level in the long term. That is why cuts would be necessary.

Milena Preradovic: There doesn’t seem to be a revenue problem, given the high tax revenues.

Antje Hermenau: In nominal terms, revenues are rising due to inflation. In real terms, however—that is, measured in purchasing power—this is no improvement. The crucial point is: In my view, the government would have to make significant cuts over the next two years, possibly in the range of about 20%. This is politically difficult because every party has its own voter groups that benefit from government services. No one wants to make cuts there.

Milena Preradovic: One could also consider whether to intervene in international conflicts and commit significant resources there.

Antje Hermenau: The motivation behind such decisions is complex and is assessed differently. One thing is certain: the financial burdens on states, and especially on Germany as a major contributor within Europe, are considerable. At the same time, there are additional risks stemming from European financial interdependencies, such as through joint liability mechanisms or existing balances within the Eurosystem. Overall, the impression is one of a very high financial burden coupled with increasing uncertainties.

Milena Preradovic: Should this EU be dissolved in its current form?

Antje Hermenau: It will likely dissolve on its own as soon as the first countries say they can no longer bear the financial burdens. If countries like Italy or Spain were forced to leave for economic reasons, that would likely also affect the euro. Then the entire system would be thrown into turmoil. At the same time, there are tensions in many regions, such as in the Balkans. Even within the EU, countries pursue their own interests. Poland, for example, would like to have a greater say, but faces clear limits, such as regarding the admission of migrants. Overall, the situation appears very fragmented. Germany bears a large share of the financial burden, while other countries benefit more from the structures. A clear strategic direction is hard to discern. However, this is not a new phenomenon; it has existed since the 2008–2009 financial crisis. At that time, the goal was to secure a certain proportion of industrial jobs in all eurozone countries. That was not achieved in many regions. Today, the focus is often on securing or skimming off whatever economic substance remains. Discussions about common EU taxes also raise the question of who will ultimately bear the burden. Overall, the system is more likely to change gradually than to remain in place abruptly.

Milena Preradovic: Yes, okay. Thank you very much. Thank you very much, Antje Hermenau, for these insights, even if they are rather bleak.

Antje Hermenau: We should nevertheless remain optimistic and not lose our sense of humor. Developments continue, even as structures change. Europe will endure, regardless of how institutional forms evolve.

Milena Preradovic: Personally, I see economic cooperation as the priority, a kind of economic union.

Antje Hermenau: That would at least be one possible approach to a reorganization.

Milena Preradovic: Exactly, and then we would have to rethink and redesign the structures accordingly.

Antje Hermenau: That’s a line of discussion that can certainly be pursued further.

Milena Preradovic: It was nice having you here. Thank you very much.

Antje Hermenau: You’re welcome. Goodbye.

Milena Preradovic: Bye. Well, folks, who could have imagined such an economic downturn in Germany just ten years ago? Small and medium-sized businesses, long the foundation of the economy, are under massive pressure. The question is how this trend will continue and what political and economic responses will be found. I hope you have a good time. See you soon.

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7 Kommentare

  1. Scherzfrage

    So!
    Viktor Orban wurde abgewählt und somit kann auch die ungarische Wirtschaft ruiniert werden – genau wie bei uns.
    Die „Minderheit, die auf Kosten der Mehrheit lebt“ läßt die Korken knallen…

    Antworten
  2. Evi Fiedler

    ist eh in Österreich nicht viel besser, nur heimlicher macht man alles. Seit Kurz ist die Verlogenheit nicht mehr zu übersehen.

    Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber!

    Antworten
  3. Dr. Rolf Lindner

    Die Schuldenmacher

    Wie ein jeder weiß
    ist riesengroß der Kreis
    derer, die am Staatseuter saugen,
    ohne zu irgendwas zu taugen.
    Fangen an wir bei den Spitzen,
    die für viel Geld im Bundestag sitzen,
    die, statt den Wohlstand des Volks zu mehren,
    nicht nur diesen nutzlos verzehren,
    sondern die tagtäglich darum ringen,
    dem Volk möglichst großen Schaden zu bringen.
    Steigt man herab die Stufenleiter,
    der Volksverrat geht immer weiter.
    Seh‘ ich die Massen, die aufhalten die Hand,
    raubt es mir fast den letzten Verstand.
    Nur ein verblödetes Volk kann es dulden,
    dass der Staat anhäuft einen Berg aus Schulden,
    um das Geld Leuten in den Rachen zu schmeißen,
    die auf die, die es erbringen, herunterschauen
    und das Geld in ungeheuren Massen
    für aberwitzige Ideen verprassen,
    die möchte ich hier und jetzt nicht aufzählen,
    für die sich lässt ein dummes Volk quälen,
    glotzt stumm dabei zu, wie ein Moloch vernichtet,
    was Generationen vor ihnen errichtet.
    Merkt euch, es sind nicht nur Volksverräter,
    die aktiven Wohlstandsvernichter die Täter.
    Ein jeder der zuschaut und dazu schweigt,
    wie die Regierung seine Zukunft vergeigt,
    hat indirekt Deutschlands Absturz mitverbrochen,
    wird lebenslang nicht von Schuld freigesprochen.

    Antworten
  4. Beweis

    Meiner Ansicht nach eine der besten Analysen der wirtschafltichen Jetztzeit seit Langem. Sie sollte vielleicht etwas langsamer sprechen, damit auch andere jenseits des Tals der Ahnungsvollen den Akzent verstehen können. Der Sound und die Verbindung von da sind weiterhin auf DDR-Niveau.

    Aber das Extra-Geile: Sie lacht immer noch. Sie hat verstanden, dass die Lache das Letzte sein wird, das uns bleibt.

    Das Starke an Hermenaus Analysen ist der Umstand, dass sie Grüne Politik einst volles Rohr inhaliert hatte – und daher weiß, wie die neue kollektivistische „UnsereDemokratie“ tickt. Wenn ich ein Unternehmen hätte, würde ich sie buchen.

    Danke für diesen Podcast.

    Antworten
  5. Paula Knackstedt

    Ich meine,Helmut Schmidt, darf und muß!man schon sagen …Danach ging es nur noch Bergab.

    Antworten
    • Scherzfrage

      @Paula Knackstedt

      Nein, den meinte ich nicht, denn der war ein Halb… also was ich meine ist, dass sein Vater Mitglied dieser Minderheit gewesen ist, die auf Kosten der Mehrheit lebt, aber seine Mutter nicht.

      Kleiner Tipp: Hören Sie sich mal die Berichterstattung über Victor Orban an, der ebenfalls den Fehler macht, die Interessen seines Volkes vertreten zu wollen. Mit wem wird Victor Orban ständig verglichen?

      Antworten
  6. Scherzfrage

    Wer war der letzte Politiker der ernsthaft versucht hat, die Interessen des deutschen Volkes wahrzunehmen und sich dieser „Minderheit, die es sich auf Kosten der Mehrheit gut gehen lässt“ entgegen zu stellen?

    Ja – genau der, dessen Namen man besser nicht sagt!

    Antworten

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