Gewalt-Opfer ist nur, wer politisch passt – mit Michael Kyrath

24. Apr. 202613 Kommentare

Deutschland hat ein Gewaltproblem. Und die Kriminalstatistik 2025 belegt, dass das auch Ergebnis der ungezügelten Migration seit 2015 ist. Alle 18 Minuten ein Messerangriff, 72 Prozent mehr Vergewaltigungen seit 2018. Allerdings kann nicht sein, was nicht sein darf. Opfer wie die 17-jährige Ann-Marie, Tochter von Michael Kyrath, werden ignoriert, weil sie politisch nicht ins Konzept passen. Kyrath will das nicht hinnehmen und ruft zu einer großen Trauerwache am Samstag in Dresden auf. Ziel: gemeinsames Gedenken an Hunderte Opfer, die keine offizielle Lobby haben. Und ein Fanal für Menschlichkeit und Vernunft.

Trauerwache Deutschland: https://www.trauerwachedeutschland.de/

Spendenkonto für die Arbeit von Michael Kyrath: https://paypal.me/MichaelKyrath

Song-Video „Menschen, über die keiner spricht“: https://www.youtube.com/watch?v=xNSsdXjYl6k

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Ich würde mich freuen, wenn ihr meine unabhängige journalistische Arbeit unterstützen würdet, damit ich auch in Zukunft weitermachen kann. Vielen Dank!

Ich möchte mich auch ganz herzlich bei allen bedanken, die mich bereits unterstützen.

Milena Preradovic

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Interview mit Michael Kyrath (deutsch)

Milena Preradovic: Die Schauspielerin Collien Fernandez klagt über virtuelle Vergewaltigung durch ihren Ehemann im Internet. Demos in ganz Deutschland, Tränen bei Politikern, neue Gesetze. Menschen werden im Zug erstochen oder auf der Straße totgeschlagen. Eisernes Schweigen. Opfer von Gewalt verdienen in Deutschland nur Aufmerksamkeit, wenn es politisch passt. Und Gewalt als Ergebnis ungezügelter Migration passt nicht. Kriminalstatistiken werden ignoriert, Menschen, die aufmerken, diffamiert. Mein Gast will das nicht hinnehmen. Seine Tochter wurde ermordet, einfach so massakriert von jemandem, der gar nicht hätte hier sein dürfen. Und sie ist bei weitem kein Einzelfall. All diesen Menschen soll jetzt auf einer großen Trauerwache in Dresden gedacht werden. Denn keine gesunde Gesellschaft kann sich Opfer zweiter Klasse leisten. Jetzt in Punkt Preradovic. Hallo, Michael Kyrath, schön, dass du da bist.

Michael Kyrath: Hallo Milena, ich grüße dich und ein Hallo an die Zuschauer.

Milena Preradovic: Ich stelle dich kurz vor. Du bist Zahntechniker, betreibst dein eigenes Unternehmen, und dein Leben hat sich am 25. Januar 2023 unwiderruflich verändert. Du selbst sagst: zerstört. An dem Tag wurde dein einziges Kind, deine 17-jährige Tochter AnnMarie, zusammen mit ihrem Freund Danny in einem Regionalzug bei Brokstedt von einem mehrfach vorbestraften, ausreisepflichtigen Palästinenser erstochen, völlig willkürlich. Seitdem sitzt du der Politik im Nacken und kämpfst gegen das Vergessen und Verdrängen. Und du bist einer der Organisatoren der Trauerwache Deutschland, die am kommenden Samstag, dem 25. April, in Dresden stattfindet – zum gemeinsamen Gedenken an Menschen, die seit 2015 durch Gewalttaten ums Leben gekommen sind, insbesondere durch Attentate, Anschläge oder extreme Gewalthandlungen. Dass so eine Veranstaltung nötig ist, heißt ja auch, dass diesen Menschen, also Opfern wie deiner Tochter, ansonsten nicht genug gedacht wird. Wie erklärst du dir das?

Michael Kyrath: Milena, das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, welches Leid eigentlich dahintersteckt. Es wird immer von bedauerlichen Einzelfällen gesprochen, sofern sie es überhaupt einmal in die Presse schaffen, und sie werden genauso schnell wieder vergessen. Dabei sind so viele Menschen betroffen. Nicht nur wir als Eltern, auch Großeltern, Mitschüler, Lehrer – in jedem Fall sind es Hunderte von Menschen, die es betrifft und die trauern. Gerade bei den Mitschülern ist es so: Sie sind vielleicht einmal mit dem Thema Tod konfrontiert worden, wenn Großeltern sterben. Das ist der natürliche Ablauf. Aber wenn plötzlich Gleichaltrige beerdigt werden und sie hinter dem Sarg herlaufen müssen, mit dem sie gestern noch in einer Bank gesessen haben, ist das für Jugendliche schwer traumatisierend. Das sind Dinge, die für mich sehr schwer zu verstehen sind, gerade wenn es um Betreuung geht. Wir wissen, dass eine Therapie eines Mörders oder schweren Straftäters je nach Länge und Intensität zwischen 200.000 und 400.000 Euro kostet. Aber für uns als Hinterbliebene ist kein Geld da, auch nicht für die Betreuung von Jugendlichen oder für psychologische Hilfe. Für mich stimmt da etwas nicht mehr, was Prioritäten angeht – was als wert erachtet wird und was nicht.

Milena Preradovic: Politisch ist Aufmerksamkeit für diese Fälle eindeutig nicht erwünscht.

Michael Kyrath: Wenn ich an die erste Trauerwache Deutschland in Berlin zurückdenke, war das eine sehr spannende Veranstaltung, aber auch extrem schwierig. Es wurden uns so viele Knüppel zwischen die Beine geworfen, dass wir kaum noch handlungsfähig waren.

Milena Preradovic: Was für welche waren das?

Michael Kyrath: Es begann damit, dass uns 14 Stunden vor der Veranstaltung plötzlich abgesagt wurde, weil wir angeblich in einer Sicherheitszone seien. Man wollte die Veranstaltung komplett absagen. Wir mussten dann ausweichen und wurden vier Kilometer vom Marktplatz entfernt platziert, wo wir in der Kürze der Zeit kaum noch Menschen erreichen konnten. Die sozialen Netzwerke nachzujustieren war nicht mehr möglich. Das war schon extrem. Es kamen noch weitere Hindernisse dazu. Es wurde wirklich mit allen Mitteln versucht, diese Veranstaltung zu verhindern.

Milena Preradovic: Und jetzt in Dresden?

Michael Kyrath: Das komplette Gegenteil. Chapeau an die Stadt Dresden und alle Mitarbeiter – vom Ordnungsamt über das Bauamt bis hin zu allen beteiligten Stellen. Alle waren super nett und zuvorkommend, die Polizei ebenso, alle hilfsbereit. Wirklich ein großes Lob an die Stadt Dresden und ihre Mitarbeiter. Fantastisch, wie das dort gehandhabt wird.

Milena Preradovic: Wie viele Menschen erwartet ihr?

Michael Kyrath: Es kursieren verschiedene Schätzungen, daran möchte ich mich nicht beteiligen. Wir sind über jeden dankbar, der kommt und den Weg nach Dresden auf sich nimmt. Je mehr wir werden, desto mehr Gehör finden wir und desto mehr Nachdruck können wir unseren Anliegen verleihen.

Milena Preradovic: Was sind die Forderungen?

Michael Kyrath: Jeder, der selbstständig ist oder einen Job hat, weiß, welche Bürokratie wir in Deutschland bewältigen müssen, wie viel wir dokumentieren müssen und welcher Aufwand dahintersteckt. Wenn man dem nicht nachkommt, drohen Sanktionen bis hin zur Beugehaft. Gleichzeitig lässt die Bundesregierung die Grenzen offen. Man weiß nicht, wer ins Land kommt, wie viele es sind, welche Bildung sie haben oder welche Ziele sie verfolgen. Das ist alles unbekannt. Das Einzige, was funktioniert, ist, dass jeden Monat Geld fließt. Wenn wir unsere Unternehmen so führen würden, säßen wir längst im Gefängnis. Das geht nicht. Der Staat ist verpflichtet, für Recht und Ordnung zu sorgen und vor allem seine Bürger zu schützen. Dafür erhält er ausreichend Steuern. Das ist seine oberste Aufgabe.

Milena Preradovic: Die Kriminalstatistik 2025 ist eindeutig: Alle 18 Minuten ein Messerangriff in Deutschland, durchschnittlich 40 gemeldete Vergewaltigungen pro Tag. Syrer und Afghanen sind fast zehnmal so oft tatverdächtig wie Deutsche. Und bei diesen Verbrechen meldet sich kein Politiker der Altparteien in den sozialen Netzwerken. Man hat den Eindruck, das soll unter den Tisch gekehrt werden. Stattdessen wurde im Zuge dieser Collien-Fernandes-Geschichte der Begriff „virtuelle Vergewaltigung“ geprägt, und viele empören sich und gehen auf die Straße. Wie hast du das empfunden?

Michael Kyrath: Für mich ist das der blanke Horror. Ich sehe darin eine Kapitulation des Rechtsstaates und der Vernunft. Es gibt Gerichte und Richter, die über Recht und Unrecht entscheiden – und das ist gut so. Dass heute ein laut schreiender Mob auf Marktplätzen oder in Fernsehtalkshows vermeintlich Recht spricht, ist für mich unerträglich. Vor allem, wenn nur eine Seite gehört wird. Das ist ein absolutes Unding. Ich frage mich, wie Menschen so etwas unterstützen können. Da müssten bei jedem die Alarmglocken angehen.

Milena Preradovic: Welchen Mob meinst du konkret?

Michael Kyrath: Wenn man auf die Marktplätze schaut, etwa in Hamburg auf dem Rathausmarkt, sieht man viele Menschen, die lautstark protestieren, über Christian Ulmen herziehen und fordern, dass Männer generell Abbitte leisten sollen. Da stehen Männer dazwischen, die weinen und sich dafür entschuldigen, Männer zu sein. Ganz ehrlich: Ich bin nicht traurig, dass ich ein Mann bin. Ich habe in meinem Leben nie eine Frau übergriffig behandelt und werde das auch nie tun. Es gibt Einzelfälle, ja, und dafür reicht das Strafrecht aus, um Täter hart zu bestrafen, wenn sie schuldig sind – ohne Wenn und Aber. Aber das geschieht nicht auf Marktplätzen oder in Fernsehstudios.

Milena Preradovic: Es wirkt teilweise absurd. Im heute journal gab es ein Interview von Dunja Hayali mit einem Vertreter der Polizeigewerkschaft, der über Gewaltverbrechen an Frauen sprach. Auf die Frage, was er Frauen rät, sagte er: Am besten keine Beziehung mit Männern eingehen. Man hat den Eindruck, dass hier auch eine Spaltung betrieben wird.

Michael Kyrath: Also, mein Mann weiß – mir ist das eigentlich viel zu lächerlich, um es in irgendeiner Form zu kommentieren. Wer so etwas fordert, sollte mal darüber nachdenken, was das bedeutet. Wir reden immer von Geburtenschwund. Wenn wir uns so verhalten würden, wären wir in 30 oder 50 Jahren ausgestorben. Also wirklich – das ist mir einfach zu viel.

Milena Preradovic: Du hast vollkommen recht. Das ist ja auch gar nicht unser Thema. Weg von der virtuellen Gewalt.

Michael Kyrath: Da waren wir noch nicht fertig. Ich betreue momentan 36 junge Frauen und Mädchen, die in den letzten Wochen und Monaten Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, teilweise massiver Gewalt, bis hin zu stundenlangen Gruppenvergewaltigungen. Wenn du siehst, welche Schäden und Konsequenzen das für diese Menschen hat, ist das erschreckend. Manche sitzen seit zwei Jahren in dunklen Zimmern und kommen nicht mehr heraus. Wenn jemand hereinkommt, schreien sie und werfen Dinge um sich, weil sie panische Angst haben. Sie können nicht wegrennen, sie können keinen Knopf drücken und sagen: Jetzt ist es vorbei. Sie haben nichts Virtuelles erlebt, sondern reale Gewalt. Das Schlimmste ist, dass sie nachts in Panik aufwachen und noch den Geruch des Täters in der Nase haben, den Geschmack auf der Haut, das Gefühl seiner Berührung. Einige sitzen tagelang unter der Dusche und schrubben sich wund, weil sie sich schmutzig fühlen. Wenn man das miterlebt und dann über „virtuelle Gewalt“ spricht – selbst wenn das, was passiert ist, juristisch bewertet werden muss –, ist das keine Vergewaltigung im körperlichen Sinne. Ich würde mir wünschen, dass diejenigen, die laut protestieren und im Fernsehen betroffen reagieren, einmal solche realen Fälle sehen und hören. Dann würde man über virtuelle Gewalt nicht mehr sprechen.

Milena Preradovic: Wie sieht es mit der psychologischen oder psychiatrischen Betreuung dieser Opfer aus, also der Vergewaltigungsopfer, die du betreust?

Michael Kyrath: Das ist sehr unterschiedlich. In manchen Regionen gibt es gute Unterstützung, in anderen wirkt es, als wäre man im Mittelalter. Wenn ein Mädchen seit zwei Jahren das Zimmer nicht verlässt und die Behörden als Lösung einen männlichen, bärtigen Psychologen schicken, wundert es mich nicht, dass sie nicht kooperiert. Gleichzeitig bekommen die Eltern Probleme mit dem Schulamt, weil das Kind nicht beschult wird. Da fragt man sich wirklich, in welchem System man gelandet ist.

Milena Preradovic: Das klingt dramatisch und wird kaum thematisiert. In einem Berliner Jugendclub wurde ein Mädchen mehrfach vergewaltigt, und die Betreiber haben es nicht gemeldet, damit die Täter nicht als Migranten stigmatisiert werden.

Michael Kyrath: Ich glaube, wir sind uns einig: Wir wollen keine Pauschalisierungen und keine Hetze. Aber wir müssen lernen, Probleme offen anzusprechen und klar zu benennen, wo sie bestehen, um Lösungen zu finden. Wenn dann Argumente kommen wie: „Deutsche Väter vergewaltigen ihre Kinder auch“, dann stimmt das im Einzelfall, aber das ist nicht der Punkt. Wir müssen Probleme nacheinander angehen und Lösungen finden, statt eines gegen das andere auszuspielen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin in einer Kindergarten-Debatte.

Milena Preradovic: Wobei das auch hart sein kann. Es gab ja auch Anschuldigungen gegen dich. Eine Frau hat dir gesagt, Migration sei toll, und das mit deiner Tochter sei ein Kollateralschaden.

Michael Kyrath: Ja, das hat sie. Aber wer in die Öffentlichkeit geht, muss mit Gegenwind rechnen. Wir leben in einer Demokratie, und Meinungen, die mir nicht gefallen, muss ich aushalten. Ich bin bereit, mich mit jedem hinzusetzen und zu diskutieren. Aber oft ist es so, dass nach wenigen Sätzen keine Argumente mehr kommen, sondern nur noch Schlagworte wie „Nazi“, „AfD“, „rechtsradikal“. Dann wird nicht mehr diskutiert. Da merke ich: Das führt zu nichts. Ich habe gelernt, mich aus solchen Gesprächen zurückzuziehen. Ich wünsche diesen Menschen alles Gute und hoffe, dass sie nie erleben müssen, was wir erlebt haben.

Milena Preradovic: Du wurdest sogar schon im ZDF in die rechtsextreme Ecke gestellt. Ist das vielleicht ein Zeichen dafür, dass du etwas bewirkst? Spürst du ein Umdenken in der Bevölkerung?

Michael Kyrath: Ich sehe schon ein Umdenken. Es ist inzwischen möglich, Migration und Kriminalität in einem Satz zu nennen, ohne sofort abgestempelt zu werden. Gleichzeitig ist klar: Nicht alle Migranten sind kriminell. Diese Differenzierung ist wichtig.

Milena Preradovic: Diese Pauschalisierung kommt ja oft gar nicht von denjenigen, die Migrationskriminalität kritisieren, sondern wird ihnen vorgeworfen.

Michael Kyrath: Genau. Wir müssen aufhören mit diesen Lagerbildungen. Ich wünsche niemandem, dass er so etwas erlebt. Aber ich bin bereit, mit jedem sachlich zu sprechen. Am Ende geht es darum, unsere Kinder zu schützen. Es gibt nichts Ehrlicheres als das Lachen eines Kindes. Dieses Lachen kennt keine Hautfarbe, keine Religion, keine Herkunft und keine politische Haltung. Wir sollten alles dafür tun, dass Kinder frei und glücklich aufwachsen können.

Milena Preradovic: Zu eurer Trauerwache in Dresden: Es gibt auch ein Video mit einem sehr berührenden Lied. Wir hören da kurz rein.

Milena Preradovic: Das ganze Video könnt ihr am Ende unseres Gesprächs noch einmal ansehen. Sag mal, Michael, werden in Dresden auch andere Angehörige von Opfern dabei sein?

Michael Kyrath: Ja, es haben sich einige angekündigt. Ich kenne natürlich viele. Einige möchten nicht in die Öffentlichkeit. Sie kommen aus Solidarität und weil sie sich zugehörig fühlen, wollen aber auf keinen Fall öffentlich benannt werden. Andere werden sich hinstellen und sagen: „Ich bin betroffen.“ Und wieder andere sind noch unentschlossen und wollen das spontan am Tag der Veranstaltung entscheiden. Ich werde niemanden öffentlich benennen. Aber ich würde mich freuen, wenn viele Eltern, auch verwaiste Eltern oder andere Angehörige, den Mut fassen und sagen: „Wir gehören dazu, wir möchten reden.“ Gleichzeitig habe ich vollstes Verständnis und Respekt für diejenigen, die das aus Kraftgründen nicht schaffen.

Milena Preradovic: Und was passiert am Samstag in Dresden konkret?

Michael Kyrath: Wir werden in erster Linie an die ermordeten Kinder und Jugendlichen erinnern, aber auch an Menschen, die in den letzten zehn oder elf Jahren durch Gewalttaten ums Leben gekommen sind. Mit Waldemar Hartmann haben wir einen sehr bekannten Sprecher, der eine Rede halten wird. Ich selbst werde sprechen, ebenso meine beiden Mitveranstalter. Anschließend gibt es einen Gedenkmarsch zur Gedenktafel in Dresden, an der Thomas damals erschlagen wurde. Danach wird es einen Abschluss an der Frauenkirche geben. Uns ist wichtig, dass alles würdevoll abläuft – für die Opfer, ihre Familien und alle Betroffenen. Gleichzeitig soll Raum entstehen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, sich zu vernetzen und auch mit Menschen zu sprechen, die nicht direkt betroffen sind.

Milena Preradovic: Von wie vielen Todesopfern dieser Art von Gewalt geht man seit 2015 aus?

Michael Kyrath: Das ist sehr schwer zu beziffern. Ich kann von knapp 400 Familien sprechen, die ihre Kinder verloren haben und die sich direkt an mich gewandt haben. Dazu kommen über 1.000 Familien, die andere Angehörige verloren haben. Von diesen kenne ich Namen und Hintergründe. Wie hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich seriös nicht sagen. Es sind aber sehr viele.

Milena Preradovic: Eigentlich müsste das offiziell erfasst werden – wird es aber nicht. Du bist auch für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Haben sich viele Medien bei euch gemeldet?

Michael Kyrath: Es gibt eine klare Trennung. In den neuen Medien – so wie du es machst – gibt es viel Unterstützung und Zusammenarbeit. Beim öffentlich-rechtlichen Bereich ist das Interesse eher überschaubar.

Milena Preradovic: Haben sich Politiker angemeldet?

Michael Kyrath: Es gibt Hinweise, dass auch hochrangige Politiker kommen wollen. Bestätigen können wir das aktuell nicht. Grundsätzlich ist jeder willkommen.

Milena Preradovic: Reden dürfen sie aber nicht?

Michael Kyrath: Nein. Politiker haben genügend Gelegenheiten, ihre Positionen öffentlich darzustellen. Auf der Trauerwache geht es um die Opfer und ihre Geschichten. Wir wollen denjenigen eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden. Dafür ist die Veranstaltung da.

Milena Preradovic: Du hast gesagt, du bist mit etwa 400 Eltern in Kontakt, die ein Kind verloren haben, und mit über 1.000 Angehörigen insgesamt. Wie könnt ihr euch gegenseitig helfen? Und wie habt ihr als Familie einen Weg gefunden, mit dem Verlust eurer Tochter umzugehen?

Michael Kyrath: Das ist sehr individuell. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit Trauer umzugehen. Es gibt kein richtig oder falsch. Wir versuchen nicht, Ratschläge zu geben, sondern eher zu unterstützen – gerade in den ersten Jahren, bei den ersten Feiertagen, Geburtstagen oder Jahrestagen. Wir hatten selbst Menschen, die uns geholfen haben, und versuchen nun, diese Erfahrungen weiterzugeben. Außerdem unterstützen wir Familien auch finanziell, wenn es möglich ist. Es gibt Fälle, in denen Eltern nicht einmal die Beerdigung ihres Kindes bezahlen können. Dann versuchen wir zu helfen, damit sie ihr Kind würdevoll beerdigen und einen Ort des Gedenkens haben können.

Milena Preradovic: Du hast mir erzählt, dass du selbst viel Geld dafür eingesetzt hast – für psychologische Hilfe oder Beerdigungen. Es gibt auch ein PayPal-Spendenkonto, das wir unter dem Video verlinkt haben. Du wurdest dafür sogar im Bekanntenkreis angegriffen, weil du auf dieses Thema aufmerksam machst. Nach dem Motto: Du bist schuld, wenn Fremdenfeindlichkeit zunimmt. Geht es anderen Angehörigen ähnlich? Und könnte das ein Grund sein, warum viele lieber schweigen?

Michael Kyrath: Ganz eindeutig: Ja. Ich weiß von vielen, die nichts sagen möchten, weil sie angegriffen wurden – bis hin dazu, dass Kollegen am Arbeitsplatz auftauchen und beleidigend werden. Ich habe es selbst erlebt, auch im Freundeskreis. Eltern von Freunden meiner Tochter sagten: Hör doch endlich auf, immer zu betonen, dass es ein staatenloser Palästinenser war. Es reiche doch zu sagen, es sei ein Mann gewesen. Ich halte es aber für wichtig, Dinge differenziert zu benennen. Mir wurde sogar gesagt, man könne Tatsachen etwas dehnen, damit sich niemand belastet fühlt. Das mag bequem sein, führt aber nicht zur Lösung. Wir müssen Probleme sachlich ansprechen, um andere Kinder zu schützen. Ich wünsche wirklich niemandem, das durchmachen zu müssen, was wir erleben.

Milena Preradovic: Diese Verleugnung führt letztlich eher zu mehr Spannungen. Wenn man Probleme sachlich angeht, würden viele mitziehen. Aber diese Verdrängung widerspricht auch den Polizeistatistiken. Es gibt sogar Politiker, die behaupten, es gäbe bestimmte Formen von Gewalt gar nicht. Und auch Urteile wirken teilweise so, als wolle man Tätern die Zukunft nicht verbauen. Was denkst du darüber?

Michael Kyrath: Für mich ist das ein völlig falscher Zustand. An diesem Punkt schwindet das Vertrauen in die Justiz. Gerade bei schweren Taten müsste konsequent bestraft werden. Es geht auch um Verantwortung. Der Täter meiner Tochter konnte sich jahrelang zwischen verschiedenen Bundesländern bewegen, ohne dass jemand wusste, wo er war. Geld bekam er – das funktionierte. Alles andere nicht. Er griff bereits zuvor jemanden mit einem Messer an, saß dafür elf Monate im Gefängnis und wurde danach freigesprochen, weil Fristen versäumt wurden und ein Gutachter keine Gefahr mehr sah. Vier Tage später war meine Tochter tot. Wo ist da die Gerechtigkeit?

Michael Kyrath: Dann wird über mildernde Umstände gesprochen, über die Vergangenheit des Täters. Ich halte das für den falschen Ansatz. Mein Kind ist nicht „ein bisschen tot“, weil jemand traumatisiert war. Es ist ein endgültiger Zustand. Meine Tochter ist tot. Ich kann sie nie wieder in den Arm nehmen, nie sehen, wie sie ihr Leben lebt. Das ist nicht verhandelbar. Deshalb fehlt mir das Verständnis für solche Diskussionen.

Milena Preradovic: Als wir das letzte Mal gesprochen haben, hast du von den „Bonuskindern“ erzählt – den Freunden deiner Tochter, die regelmäßig zu euch kamen. Ist das noch so?

Michael Kyrath: Ja, aber es hat sich verändert. Sie entwickeln sich weiter, machen ihr Abitur, gehen ins Studium oder ins Berufsleben. Die Wege trennen sich ein Stück weit. Sie sind noch da, wenn auch seltener und nicht mehr alle gleichzeitig. Dafür kommen sie manchmal spontan am Wochenende vorbei. Es ist schön, dass sie uns weiterhin einbeziehen und wir an ihrem Leben teilhaben dürfen.

Milena Preradovic: Das ist echte Menschlichkeit. Und vielleicht braucht es jetzt genau das – dass Menschen, die Menschlichkeit über Ideologie stellen, sichtbar werden. Am Samstag in Dresden gibt es dazu die Gelegenheit. Wo und wann genau?

Michael Kyrath: Am Samstag, den 25. April, ab 14 Uhr vor der Frauenkirche in Dresden. Wir gedenken der Opfer. Jeder ist willkommen, der respektvoll und würdevoll teilnehmen möchte. Es ist keine politische Veranstaltung. Fahnen oder Parteisymbole haben dort keinen Platz. Es geht um die Opfer. Gleichzeitig möchten wir auch den Einsatzkräften danken – Polizei, Rettungsdienste und viele Ehrenamtliche, die oft unter schwierigsten Bedingungen arbeiten. Viele leisten Übermenschliches und bekommen dafür zu wenig Anerkennung. Auch das wollen wir deutlich machen.

Milena Preradovic: Vielen Dank, Michael, dass du da warst. Ich hoffe, viele Menschen kommen am Samstag nach Dresden. Alles Gute und bis bald.

Michael Kyrath: Vielen Dank, Milena.

Milena Preradovic: Tja Leute, wenn ihr könnt, fahrt hin. Zeigt, dass Opfer nicht vergessen werden dürfen. Zeigt, dass Menschlichkeit stärker ist als Ideologie. Jetzt seht ihr noch das Video mit dem Lied zur Trauerwache in voller Länge. Ich wünsche euch eine gute Zeit. Bis bald.

Interview with Michael Kyrath (english)

Milena Preradovic: Actress Collien Fernandez is speaking out about being virtually raped by her husband online. Protests across Germany, politicians in tears, new laws. People are being stabbed to death on trains or beaten to death on the street. A deafening silence. In Germany, victims of violence only get attention when it suits the political agenda. And violence resulting from unchecked migration doesn’t fit that agenda. Crime statistics are ignored; people who speak up are defamed. My guest won’t stand for this. His daughter was murdered, simply slaughtered by someone who shouldn’t even have been here. And she is by no means an isolated case. All these people are now to be commemorated at a large memorial vigil in Dresden. Because no healthy society can afford to have second-class victims. Now to Preradovic’s segment. Hello, Michael Kyrath, nice to have you here.

Michael Kyrath: Hello Milena, greetings to you and hello to the viewers.

Milena Preradovic: Let me introduce you briefly. You’re a dental technician, you run your own business, and your life changed irrevocably on January 25, 2023. You yourself say: destroyed. On that day, your only child, your 17-year-old daughter AnnMarie, was stabbed to death along with her boyfriend Danny on a regional train near Brokstedt by a Palestinian with multiple prior convictions who was required to leave the country—completely at random. Since then, you’ve been putting pressure on politicians and fighting against forgetting and repression. And you’re one of the organizers of the Germany Memorial Vigil, which will take place this coming Saturday, April 25, in Dresden—to collectively commemorate people who have lost their lives to acts of violence since 2015, particularly through assassinations, attacks, or extreme acts of violence. The fact that such an event is necessary also means that these people—victims like your daughter—are otherwise not remembered enough. How do you explain that?

Michael Kyrath: Milena, that’s a good question. I believe that many people aren’t even aware of the suffering that actually lies behind it. People always talk about regrettable isolated cases, if they make it into the press at all, and they’re just as quickly forgotten. Yet so many people are affected. Not just us as parents, but also grandparents, classmates, teachers—in every case, there are hundreds of people who are affected and who are grieving. This is especially true for classmates: they may have been confronted with the topic of death once, when grandparents die. That’s the natural course of things. But when peers are suddenly being buried and they have to walk behind the coffin of someone they were sitting next to in class just yesterday, that’s deeply traumatic for young people. These are things that are very hard for me to understand, especially when it comes to treatment. We know that therapy for a murderer or serious criminal costs between 200,000 and 400,000 euros, depending on the length and intensity. But for us as bereaved family members, there is no money available—not even for the care of young people or for psychological help. To me, something is no longer right when it comes to priorities—what is considered valuable and what is not.

Milena Preradovic: Politically, attention to these cases is clearly not desired.

Michael Kyrath: When I think back to the first Germany Memorial Vigil in Berlin, it was a very compelling event, but also extremely difficult. So many obstacles were thrown in our way that we were barely able to function.

Milena Preradovic: What kind of obstacles were those?

Michael Kyrath: It started with the event being suddenly canceled 14 hours before it was scheduled to begin, because we were supposedly in a security zone. They wanted to cancel the event entirely. We then had to relocate and were placed four kilometers away from the market square, where we could barely reach any people in such a short time. It was no longer possible to adjust our social media outreach. That was already extreme. Further obstacles followed. They really tried everything in their power to prevent this event.

Milena Preradovic: And now in Dresden?

Michael Kyrath: The complete opposite. Hats off to the city of Dresden and all its staff—from the Public Order Office to the Building Authority and all the other agencies involved. Everyone was super nice and accommodating, the police as well, everyone helpful. Really, huge praise for the city of Dresden and its staff. It’s fantastic how things are handled there.

Milena Preradovic: How many people are you expecting?

Michael Kyrath: There are various estimates circulating, and I don’t want to get involved in that. We’re grateful for everyone who comes and makes the trip to Dresden. The more of us there are, the more our voices will be heard, and the more forcefully we can convey our concerns.

Milena Preradovic: What are the demands?

Michael Kyrath: Anyone who is self-employed or has a job knows what bureaucracy we have to deal with in Germany, how much documentation is required, and the effort involved. If you don’t comply, you face sanctions ranging up to coercive detention. At the same time, the federal government is keeping the borders open. We don’t know who is entering the country, how many there are, what education they have, or what their goals are. None of that is known. The only thing that works is that money flows in every month. If we ran our businesses that way, we’d have been in prison long ago. That’s not acceptable. The state is obligated to ensure law and order and, above all, to protect its citizens. It receives sufficient tax revenue for that purpose. That is its primary duty.

Milena Preradovic: The 2025 crime statistics are clear: a knife attack every 18 minutes in Germany, an average of 40 reported rapes per day. Syrians and Afghans are suspects nearly ten times as often as Germans. And when it comes to these crimes, not a single politician from the established parties speaks out on social media. One gets the impression that this is supposed to be swept under the rug. Instead, in the wake of this Collien Fernandes story, the term “virtual rape” was coined, and many are outraged and taking to the streets. How did you feel about that?

Michael Kyrath: To me, that is pure horror. I see it as a capitulation of the rule of law and reason. There are courts and judges who decide what is right and wrong—and that’s a good thing. The fact that today a loud, screaming mob in town squares or on TV talk shows supposedly dispenses justice is unbearable to me. Especially when only one side is heard. That is an absolute absurdity. I wonder how people can support something like that. That should set off alarm bells for everyone.

Milena Preradovic: Which mob are you referring to specifically?

Michael Kyrath: If you look at the town squares, for example in Hamburg at the Rathausmarkt, you see many people protesting loudly, lashing out at Christian Ulmen, and demanding that men in general apologize. There are men standing there who are crying and apologizing for being men. Honestly: I’m not sorry that I’m a man. I’ve never treated a woman inappropriately in my life and never will. There are isolated cases, yes, and criminal law is sufficient to punish perpetrators harshly if they’re guilty—no ifs, ands, or buts. But that doesn’t happen in town squares or on TV sets.

Milena Preradovic: It seems absurd at times. On heute journal, there was an interview by Dunja Hayali with a representative of the police union who spoke about violent crimes against women. When asked what advice he would give to women, he said: It’s best not to enter into relationships with men. One gets the impression that a division is being fostered here as well.

Michael Kyrath: Well, my husband knows—to me, this is actually far too ridiculous to comment on in any way. Anyone who calls for something like that should think about what it means. We’re always talking about the declining birth rate. If we behaved like that, we’d be extinct in 30 or 50 years. I mean, really—that’s just too much for me.

Milena Preradovic: You’re absolutely right. That’s not even our topic. Let’s move away from virtual violence.

Michael Kyrath: We weren’t done yet. I’m currently supporting 36 young women and girls who have been victims of sexual violence in recent weeks and months—in some cases, severe violence, including gang rapes lasting hours. When you see the damage and consequences this has for these people, it’s terrifying. Some have been sitting in dark rooms for two years and can’t bring themselves to come out. When someone comes in, they scream and throw things around because they’re in a panic. They can’t run away; they can’t press a button and say, “It’s over now.” They haven’t experienced anything virtual, but real violence. The worst part is that they wake up in a panic at night and still have the perpetrator’s scent in their nose, the taste on their skin, the feeling of his touch. Some sit in the shower for days, scrubbing themselves raw because they feel dirty. When you witness that and then talk about “virtual violence”—even if what happened needs to be evaluated legally—it’s not rape in the physical sense. I wish that those who protest loudly and react with concern on television would see and hear such real cases for themselves. Then we wouldn’t talk about virtual violence anymore.

Milena Preradovic: What about the psychological or psychiatric care for these victims—that is, the rape victims you work with?

Michael Kyrath: It varies greatly. In some regions there is good support, in others it feels like we’re in the Middle Ages. When a girl hasn’t left her room in two years and the authorities send a male, bearded psychologist as a solution, I’m not surprised she doesn’t cooperate. At the same time, the parents get into trouble with the school board because the child isn’t attending school. It really makes you wonder what kind of system we’ve ended up in.

Milena Preradovic: That sounds dramatic and is rarely discussed. At a Berlin youth club, a girl was raped multiple times, and the operators didn’t report it so that the perpetrators wouldn’t be stigmatized as migrants.

Michael Kyrath: I think we agree: We don’t want generalizations or hate speech. But we have to learn to address problems openly and clearly identify where they exist in order to find solutions. When arguments come up like, “German fathers rape their children too,” that may be true in individual cases, but that’s not the point. We have to tackle problems one by one and find solutions, instead of pitting one against the other. Sometimes I feel like I’m in a kindergarten debate.

Milena Preradovic: Although that can be tough, too. There were accusations against you as well. A woman told you that migration is great, and that what happened with your daughter was collateral damage.

Michael Kyrath: Yes, she did. But anyone who goes public has to expect backlash. We live in a democracy, and I have to put up with opinions I don’t like. I’m willing to sit down and discuss things with anyone. But often, after just a few sentences, there are no more arguments—just slogans like “Nazi,” “AfD,” “far-right.” Then there’s no more discussion. That’s when I realize: This leads nowhere. I’ve learned to step back from such conversations. I wish these people all the best and hope they never have to experience what we’ve gone through.

Milena Preradovic: You’ve even been labeled as far-right on ZDF. Is that perhaps a sign that you’re making a difference? Do you sense a shift in public opinion?

Michael Kyrath: I do see a shift in thinking. It’s now possible to mention migration and crime in the same sentence without being immediately labeled. At the same time, it’s clear: not all migrants are criminals. This distinction is important.

Milena Preradovic: This kind of generalization often doesn’t even come from those who criticize migrant crime, but is instead leveled against them.

Michael Kyrath: Exactly. We have to stop forming these camps. I wouldn’t wish this kind of experience on anyone. But I’m willing to speak objectively with anyone. Ultimately, it’s about protecting our children. There’s nothing more honest than a child’s laughter. That laughter knows no skin color, no religion, no origin, and no political stance. We should do everything we can to ensure that children can grow up free and happy.

Milena Preradovic: Regarding your vigil in Dresden: There’s also a video featuring a very moving song. Let’s listen to a short excerpt.

Milena Preradovic: You can watch the full video again at the end of our conversation. Tell me, Michael, will other relatives of victims be there in Dresden as well?

Michael Kyrath: Yes, a few have said they’ll be there. I know many of them, of course. Some don’t want to be in the public eye. They’re coming out of solidarity and because they feel a sense of belonging, but they definitely don’t want to be named publicly. Others will step forward and say, “I’m affected.” And still others are undecided and want to decide spontaneously on the day of the event. I won’t name anyone publicly. But I would be happy if many parents—including bereaved parents—or other relatives found the courage to say, “We belong here; we want to speak.” At the same time, I have complete understanding and respect for those who, for reasons of strength, cannot do so.

Milena Preradovic: And what exactly will happen on Saturday in Dresden?

Michael Kyrath: First and foremost, we will commemorate the murdered children and teenagers, but also those who have lost their lives to acts of violence over the past ten or eleven years. We have a very well-known speaker, Waldemar Hartmann, who will give a speech. I myself will speak, as will my two co-organizers. Afterward, there will be a memorial march to the memorial plaque in Dresden where Thomas was killed back then. After that, there will be a closing ceremony at the Frauenkirche. It is important to us that everything proceeds with dignity—for the victims, their families, and everyone affected. At the same time, we want to create space for people to engage in conversation, network, and also speak with those who are not directly affected.

Milena Preradovic: How many fatalities from this type of violence have been recorded since 2015?

Michael Kyrath: That’s very difficult to quantify. I can speak of just under 400 families who have lost their children and who have contacted me directly. In addition, there are over 1,000 families who have lost other relatives. I know the names and backgrounds of these individuals. It’s impossible to say with any certainty how high the number of unreported cases is. But there are very many.

Milena Preradovic: Actually, this should be officially recorded—but it isn’t. You’re also responsible for public relations. Have many media outlets reached out to you?

Michael Kyrath: There’s a clear divide. In the new media—like what you do—there’s a lot of support and collaboration. In the public broadcasting sector, interest is rather limited.

Milena Preradovic: Have any politicians registered?

Michael Kyrath: There are indications that high-ranking politicians also want to attend. We can’t confirm that at this time. In principle, everyone is welcome.

Milena Preradovic: But they aren’t allowed to speak?

Michael Kyrath: No. Politicians have plenty of opportunities to present their positions publicly. The vigil is about the victims and their stories. We want to give a voice to those who would otherwise not be heard. That is what the event is for.

Milena Preradovic: You said you are in contact with about 400 parents who have lost a child, and with over 1,000 relatives in total. How can you help each other? And how have you, as a family, found a way to cope with the loss of your daughter?

Michael Kyrath: That’s very individual. Everyone has to find their own way of dealing with grief. There’s no right or wrong. We don’t try to give advice, but rather to offer support—especially in the early years, during the first holidays, birthdays, or anniversaries. We ourselves had people who helped us, and now we try to pass on those experiences. We also provide financial support to families whenever possible. There are cases where parents can’t even afford their child’s funeral. Then we try to help so they can give their child a dignified burial and have a place of remembrance.

Milena Preradovic: You told me that you’ve spent a lot of your own money on this—for psychological help or funerals. There’s also a PayPal donation account that we’ve linked below the video. You’ve even been attacked by people you know for bringing attention to this issue. Along the lines of: It’s your fault if xenophobia is on the rise. Do other bereaved family members feel the same way? And could that be a reason why many prefer to remain silent?

Michael Kyrath: Absolutely: Yes. I know of many who don’t want to say anything because they’ve been attacked—to the point where colleagues show up at work and become abusive. I’ve experienced it myself, even among friends. Parents of my daughter’s friends said: “Stop emphasizing all the time that he was a stateless Palestinian.” It’s enough to say it was a man.” But I think it’s important to describe things in a nuanced way. I was even told that you can stretch the facts a bit so that no one feels burdened. That might be convenient, but it doesn’t lead to a solution. We have to address problems objectively to protect other children. I truly wouldn’t wish what we’re going through on anyone.

Milena Preradovic: Ultimately, this denial tends to lead to more tension. If problems were addressed objectively, many would go along with it. But this denial also contradicts police statistics. There are even politicians who claim that certain forms of violence don’t even exist. And some court rulings also seem as though they’re trying not to ruin the perpetrators’ futures. What do you think about that?

Michael Kyrath: To me, this is a completely wrong state of affairs. At this point, trust in the justice system is eroding. Especially in cases of serious crimes, punishment must be consistent. It’s also about responsibility. My daughter’s attacker was able to move between different states for years without anyone knowing where he was. He received money—that worked. Nothing else did. He had previously attacked someone with a knife, served eleven months in prison for it, and was subsequently acquitted because deadlines were missed and an expert no longer saw him as a danger. Four days later, my daughter was dead. Where is the justice in that?

Michael Kyrath: Then people talk about mitigating circumstances, about the perpetrator’s past. I think that’s the wrong approach. My child isn’t “a little bit dead” because someone was traumatized. It’s a final state. My daughter is dead. I can never hold her in my arms again, never see how she lives her life. That’s not negotiable. That’s why I don’t understand such discussions.

Milena Preradovic: When we last spoke, you told me about the “bonus kids”—your daughter’s friends who used to come over regularly. Is that still the case?

Michael Kyrath: Yes, but things have changed. They’re growing up, graduating from high school, going off to college or starting their careers. Our paths are diverging a bit. They’re still around, though less often and not all at the same time. Instead, they sometimes drop by spontaneously on the weekends. It’s nice that they continue to include us and that we’re allowed to share in their lives.

Milena Preradovic: That’s true humanity. And perhaps that’s exactly what’s needed now—for people who prioritize humanity over ideology to make themselves visible. There will be an opportunity for that this Saturday in Dresden. Where and when exactly?

Michael Kyrath: On Saturday, April 25, starting at 2 p.m. in front of the Frauenkirche in Dresden. We will commemorate the victims. Anyone who wishes to participate respectfully and with dignity is welcome. It is not a political event. Flags or party symbols have no place there. It is about the victims. At the same time, we also want to thank the emergency responders—the police, emergency services, and many volunteers who often work under the most difficult conditions. Many of them do superhuman work and receive too little recognition for it. We want to make that clear as well.

Milena Preradovic: Thank you very much, Michael, for joining us. I hope many people come to Dresden on Saturday. All the best, and see you soon.

Michael Kyrath: Thank you very much, Milena.

Milena Preradovic: Well, folks, if you can, go there. Show that the victims must not be forgotten. Show that humanity is stronger than ideology. Now you’ll see the full-length video with the song for the vigil. I hope you have a good time. See you soon.

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13 Kommentare

  1. Hänschen Klein

    Wie das alles anfing:

    Es war im Jahre 1975 als ich in meiner Grundschule saß und unsere Lehrerin einen Satz DIN A4 – Zettel austeilte, die das Ministerium geschickt hatte. Wir sollten die Zettel noch nicht umdrehen, schärfte sie uns ein.
    Auf der Vorderseite war ein blonder Mann zu sehen, glattrasiert und in Anzug und Krawatte, der freundlich lächelte. Neben ihm stand – einen Kopf kleiner – ein dunkelhaariger Mann mit Schnurrbart, im Blaumann und mit Holzfällerhemd, der nicht lächelte. Ich verstand sofort: Es waren der „blonde Hans“ und der „Türke Ali“! Beide hatten eine Hand hinter dem Rücken verborgen.

    Nachdem wir uns das angeschaut hatten, sollten wir den Zettel umdrehen. Auf der Rückseite waren dann die beiden Männer von hinten zu sehen und der „blonde Hans“ hatte hinter seinem Rücken eine große Keule versteckt – mit einem großen Nagel drin – während der „Türke Ali“ einen Strauß Rosen hielt. Ich war entsetzt und fragte meine Lehrerin, wie ich das zu verstehen hätte. Ich fragte ob ihr freundliches Lächeln, das sie immer für uns hatte, vielleicht nur vorgespielt sei und ob sie insgeheim nur auf eine Gelegenheit wartete, um uns totzuschlagen.

    Jetzt war es meine Lehrerin, die entsetzt war. Nein – so sei das ja gar nicht gemeint – wir sollten eigentlich nur Gastarbeiter nicht deshalb ablehnen, weil sie fremd aussähen. Ja, das hatte ich wohl verstanden, aber was ich nicht verstanden hatte war, warum man dazu gegen den „blonden Hans“ hetzen muss! („Türke Ali“= gut – „blonder Hans“= schlecht.)

    Auslöser für diesen unappetitlichen Manipulationsversuch war, dass wir ein türkisches Mädchen – Hatice – in die Klasse bekommen hatte. Hatice saß immer brav da und sagte kein Wort. In der Pause stand sie alleine an einer Wand und spielte nicht mit den anderen Mädchen. Ich fand das traurig und deshalb setzte ich mich am Sonntag auf mein kleines Fahrrad und radelte zu dem Bahnarbeiter-Haus, in dem die Familie wohnte. Ihr Vater war im Garten und ich stellte mich vor und sagte, dass ich Hatice gerne etwas Nachhilfe in Deutsch geben würde, damit sie nicht immer so stumm und so allein sein müsste.

    Jetzt hätte ich eigentlich den Strauß Rosen erwartet, aber stattdessen jagte mich der „Türke Ali“ vom Hof und drohte mir, gefälligst die Finger von seiner Tochter zu lassen. Das war der Moment, an dem ich zum ersten mal in meinem Leben politisch gedacht habe. Ich dachte, dass wir von Arschlöchern regiert werden! Wir hatten z.B. mal ein Mädchen von einem Wanderzirkus zu Gast, die total exotisch war und total beliebt. Niemand hat die abgelehnt, nur weil sie anders war – eher im Gegenteil. Also was ging in den Gehirnen unserer Politiker vor?

    Warum hat man uns nicht die Wahrheit gesagt? Dass der „Türke Ali“ uns aus religiösen Gründen ablehnt. Und dass er uns, weil er aus finanzieller Not gezwungen ist für einen Christen zu arbeiten, noch einmal doppelt so viel hasst, wie er es aus religiösen Gründen sowieso schon tut. Und dass er Hatice überhaupt nicht in die Schule geschickt hätte, wenn wir nicht die Schulpflicht hätten. Weil Hatice bereits einem Cousin zur Ehe versprochen war und bei erreichen des „heiratsfähigen Alters“ in die Türkei zurückgeschickt werden würde. Und dass sie dann keine Schulbildung brauchen würde, sondern nur ihre Muttersprache und Hauswirtschaft?

    Herr Kyrath wartet scheinbar immer noch auf seinen Strauß Rosen…

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    • Best Regards

      Excellenter Beitrag … Danke Hänschen Klein !!!

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  2. Schwurbelei

    Sie ignorieren die Gewalt jetzt so lange bis sie sie irgendwann für SICH und IHRE AGENDA INSTRUMENTALISIEREN können. Wartet ab.

    Dann heißt es: Total-Überwachung für Hans Otto und Annika und Gratis-Dauer-Daten-Lieferungen an Big-Tech.

    Kluge, kluge Äußerung dazu, warum und dass Politiker auf der Wache nicht sprechen dürfen. So gut!!
    Jeden Tag könnten die sich ein Mikro schnappen, wie wahr.

    Krass, das mit dem Palästinenser bei der Essensausgabe. Wieso kann der die gaze Zeit sein Geld abholen, aber schnappen kann man ihn nicht?
    Wieso kommt man für „Messer in den Hals“ nur 11 Monate in den Knast? Ein Michael Ballweg kam für „nichts“ wie lange in Haft?

    So, und nun los, liebe Dresdner!! Ich würde kommen zur Unterstützung und als Anerkennung für diesen unglaublichen menschlichen Einsatz einzelner Personen, aber es ist eine Weltreise von mir aus.

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  3. Zustimmung

    Berührendes Video, gut gemacht. Auch durch das nur kurze Aufflackern der Bilder, versinnbildlicht das, dass sie nicht mehr unter uns sind.

    Nach dem Ansehen des Interviews jetzt verstehe ich Mobby Dicks Beitrag noch weniger.

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    • Moby Dick

      Ich schreibe auch nicht für Leute, die sich von flackernden Bildern manipulieren lassen, sondern nur für die Leute, die noch denken!

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  4. Weißkittel-Verbrecher

    Über sexuelle Übergriffe von psychotherapeutischen Ärzten an jungen Patientinnen und das Mauern der Institutionen, wenn sich mal eine von den Frauen wehren will, spricht auch seit Jahrzehnten keiner!!!

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  5. Gruppen

    Menschen in Gruppen sind ein Horror an Dummheit und Manipulierbarkeit.
    Das lernte man schon vor 40 Jahren auf den Schulhöfen dieser Nation, wenn man wollte.

    Die öffentlich gezeigte Meinung, Emotion und „Haltung“ ist allermeistens nur ein Hordengeschehen, nichts Eigenes. Ich empfinde nur noch Verachtung für diese Dummheit und diesen animalischen OPPORTUNISMUS.

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  6. Grammatik :)

    Man gedenkt dieseR Menschen und nicht dieseN Menschen, oder?

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  7. Evi Fiedler

    Wenn jeder so tut, wie er es für richtig hält und die respektiert, die das Gegenteil für richtig halten, erst dann können wir beginnen, Frieden auf dieser Welt zu schaffen. Jeder soll seine Meinung kundtun und auch erklären dürfen, ohne von Andersdenkenden zur Sau gemacht zu werden. Toleranz und zumindest der Versuch, sich in die Situation des Andersdenkenden hineinzuversetzen wären da extrem hilfreich. Was ziemlich wenig hilft ist das Festhalten an Ideologien, seien sie rechts oder links, denn die dienen einfach nur zur Spaltung unserer Gesellschaft, was ja von bestimmten Kreisen sehr gerne gesehen wird. Also auf in eine neue Welt, in der leben und leben lassen oberste Priorität hat!

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  8. Moby Dick

    Trauermärsche sind keine politischen Äußerungen und Herr Kyrath schafft es auch nicht, das Erlebte in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen. Er glaubt immer noch, wir seien eine Demokratie, obwohl wir doch gerade erst vor Poel erlebt haben, dass eine „vermögende Privatperson“ den Ministerpräsidenten überstimmen und in aller Öffentlichkeit Tierquälerei begehen kann.
    Wann wird Herr Kyrath wohl erkennen, dass in den westlichen Demokratien nicht das Volk der Souverän ist, sondern das Geld?

    Das Schlimmste war aber dieser Song, der einen neuen Maßstab in Sachen Fake-Emotions darstellt!
    Allein dieser Song würde mich von diesem Trauermarsch fernhalten.
    Trauer sollte sowieso im Stillen stattfinden – auf die Straße sollte nur gehen, wen die Verhältnisse wütend machen!

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    • Isolde Lorenz

      Oh Moby Dick, ziemlich viele persönlichen Behauptungen kommen hier, doch wo sind ernsthafte Argumente.
      Hier einige ihrer Aussage, die ich als sehr Pauschal empfinge:
      – Trauer muss (bevormundend) still sei Wie ein Mensch trauert ist sehr individuell.
      – Trauermärsche sind keine politischen Äußerungen (Ihre Meinung, .. Trauermärsche können natürlich auch politisch sein, um z.B. auf Missstände aufmerksam zu machen.
      – Lied pauschal als „Fake-Emotion“ abtun – ohne Begründung. Für mich war es gut, endlich Aussagen in einem Text zu hören.
      Ich nehme Michael Kyrath so wahr, dass er differenzierter argumentiert und trotz eigener Betroffenheit sachlich bleibt.

      Antworten
      • Moby Dick

        @Isolde Lorenz

        -Sie dürfen jederzeit eine andere Meinung haben als ich – selbst wenn Sie mit Ihrer Meinung allein stehen. Wenn Sie zwischen Trauer und Wut nicht unterscheiden können, dann ist das eben so.

        -Trauermärsche können auf Mißstände aufmerksam machen? Wen? Etwa jene, die für diese Mißstände verantwortlich sind? Die wissen das aber längst! Und jene, die unter diesen Mißständen leiden, wissen es sowieso. Also wen?

        -Und über Geschmack soll man sowieso nicht streiten. Ihnen gefällt der Song? Ist mir recht – er passt auch zu Ihnen!

        -Sie sind auch eine Christin, genau wie Herr Kyrath, stimmt´s?
        Sie würden sich niemals wehren wenn man sie ins Gesicht schlägt, stimmt´s?
        Na – dann ist ein Trauermarsch ja genau das Richtige für Sie.
        Freuen Sie sich – Sie werden auch in Zukunft noch viel Gelegenheit zum Trauern bekommen!

        Antworten
      • Zustimmung

        Kann Ihnen nur zustimmen, finde ich auch anmaßend und dumm, auch wenn das Interview noch nicht angesehen habe, ich ziehe erstmal den Hut vor diesem Mann, der ausdrückt und etwas tut, denn die Ohnmacht über den Umgang mit dem Thema muss groß sein, und jeder, der einmal wirklich getrauert hat, weiß, wie existentiell solch eine Krise ist, die meisten verstummen wirklich, aber wollen wir das?

        Antworten

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