Noch reden alle über den Virus und den Lockdown – doch jetzt wird auch die Diskussion um Geld, Wirtschaft und Hilfen losgehen. Muss Deutschland solidarisch mit den anderen EU-Ländern wie Italien sein? Auf jeden Fall, sagt Top-Ökonom Heiner Flassbeck. Deutschland profitiert wie kein anderes Land von der Gemeinschaft. Die Schuldendebatte findet der ehemalige Chefökonom bei der UNO völlig überflüssig und sagt: jetzt muss richtig investiert werden. Geld ist genug da.

5 Kommentare

  1. W. Schürer

    PS: Eine hervorragende Quelle um sich zu diesem Thema zu informieren ist makroskop.eu
    Die meisten Artikel dieser Plattform sind normaler Weise hinter einer Bezahlschranke versteckt. Aber die Redaktion hat momentan und bis auf weiteres diese Bezahlschranke entfernt. Alle Artikel können gratis eingesehen werden. Dies ist eine Initiative der Redaktion um makroökonomisches Wissen gerade im Angesicht der aktuellen Verhältnisse unter der Bevölkerung zu fördern. Ich kann diese Plattform, deren Abonnent ich seit Jahren bin, nur wärmstens empfehlen.

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  2. Andreas Krüger

    Herr Flassbeck vertritt ja genau die Linie von EU und Co: Einfach Anschreiben und fertig! Das kann doch so nicht sein! Es ist unglaublich: Er verkündet es noch ganz offen: Schulden sind einfach dazu da, Geld zu generieren und sowieso nie zurückgezahlt zu werden. So kann kein Finanzsystem und auch kein Wirtschaftssystem der Welt funktionieren.
    Und Herr Flassbeck: Es ist völlig falsch, daß Deutschland der Nutznießer dieses derzeitigen Euro- Handelssystems ist und die ärmeren Länder unter der deutschen Wirtschaftskraft leiden. Schon mal was von Target 2 gehört? Deutschland finanziert seine eigenen Exporte und es passiert ja ohnehin schon genau das, was sie ja noch mehr fordern: Deutschland exportiert in andere EU-Länder. Diese können nicht zahlen und lassen einfach “anschreiben”, wobei von vornherein feststeht, daß diese Länder die Target 2-Forderungen niemals zurückzahlen können. Ausstehende Target 2- Forderungen Deutschlands an die anderen EU- Länder belaufen sich derzeit auf fast eine Billion Euro!!!

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    • W. Schürer

      Lieber Herr Krüger,
      ich finde es sehr mutig, dass Sie einen Kommentar schreiben zu einem Thema, von dem Sie offenbar keine Ahnung haben.
      „Schulden sind einfach dazu da, Geld zu generieren und sowieso nie zurückgezahlt zu werden.“ Genau so funktioniert unser aktuelles Geldwesen. Geld entsteht aus dem Nichts. Und Geld verschwindet wieder im Orkus, wenn es per Steuerbescheid wieder eingezogen wird. Ihrem Verständnis unseres aktuellen Geldsystems wäre es dienlich, sich Geld einfach als Gutscheine vorzustellen. Gutscheine zur Begleichung von Steuern, welche die Regierung ausgibt. Wenn Sie es genauer wissen und auch wirklich verstehen wollen, sollten Sie nach MMT (Modern Money Theorie) im Internet suchen. Das ist keine Theorie wie ein Geldsystem funktionieren könnte, sondern die exakte Beschreibung, wie unser aktuelles Geldsystem tatsächlich funktioniert. Wenn Sie sich beim Studium dieser Theorie vorkommen wie ein Zeitgenosse von Nikolaus Kopernikus, dann liegen Sie richtig. Denn so wie den Zeitgenossen vor den Erkenntnissen dieses Mannes von den etablierten Gelehrten seiner Zeit weiß gemacht wurde, dass sich die Sonne um die Erde dreht, so wird uns heute von den etablierten Gelehrten der Mainstream-Volkswirtschaft weiß gemacht, dass Leute Geld sparen müssen um es anderen für Investitionszwecke zu leihen. Die MMT klärt über die tatsächliche Sachlage auf. So wie seinerzeit Kopernikus.
      Was Target2 anbetrifft: wenn ein reicher Italiener beschließt sein Guthaben bei seiner Heimatbank in Italien auf sein Konto bei einer deutschen Bank zu überweisen, weil er z.B. von der irrationalen Angst geplagt ist, dass sein Land pleitegehen könnte, dann erhöht das die Target2-Bilanz zwischen Italien und Deutschland. Dies ist reine Statistik und hat mit irgendwelchen Forderungen oder Schulden nichts zu tun. Oder denken Sie Italien schuldet jetzt Deutschland Geld, weil einer seiner Staatsbürger sein Vermögen von Italien nach Deutschland transferiert hat?
      Mit freundlichen Grüßen
      Willy Schürer

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      • Andreas Krüger

        Sehr geehrter Herr Schürer,
        bevor sie andere beschimpfen und der Ahnungslosigkeit bezichtigen, sollten sie sich zuerst einmal mit den wahren Gegebenheiten eines Wirtschafts- und Finanzsystems beschäftigen.
        Sie und Herr Flassbeck vertreten ja genau die Linie, die von der EU (und auch teilweise woanders) gefahren wird: Einfach Schulden machen ohne Folgen und ohne Reue, ohne diese jemals zurückzahlen zu müssen. Das ist genau der Grund, weshalb es in unserem Finanzsystem schiefläuft in der EU und weshalb dieses krachend gegen die Wand fahren wird und muß!
        Was macht es für einen Sinn, wenn ich mir unendlich Dinge kaufe und lasse es auf ihrem Konto anschreiben? Ich weiß nicht, ob ihnen das gefallen würde, wenn ich dadurch immer reicher würde und ihr Schuldenberg immer größer würde. Das ist aber genau das, was passiert, wenn man Schulden einfach nur als Zahlen auf einem wertlosen Papier betrachtet wie sie das tun. Irgendjemand muß schließlich für die Schulden haften und dieses Schuldgeld erwirtschaften.
        Wenn jeder einfach so Schulden machen kann wie ihm gerade beliebt, ist das Geld doch nichts mehr wert (das nennt man dann Inflation).

        Und bzgl. Target 2: belesen sie sich da mal noch etwas: Bei Target 2 geht es nicht um die Transferierung irgendwelcher Privatguthaben irgendwohin!!!

        Gruß
        Andreas Krüger

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        • Schürer

          Sehr geehrter Herr Krüger,
          ich entschuldige mich hiermit für den einleitenden Satz meines Kommentares. Ich hätte höflicher formulieren sollen.
          Mit den „wahren Gegebenheiten“ UNSERES „Finanzsystems beschäftige“ ich mich seit vielen Jahren.
          Sie offenbar nicht. Denn sonst müssten Ihnen ja die grundlegenden Verträge der Eurozone bekannt sein (Maastrichtverträge) und Sie könnten nicht Sätze wie diesen schreiben: „die Linie, die von der EU […] gefahren wird: Einfach Schulden machen ohne Folgen und ohne Reue, ohne diese jemals zurückzahlen zu müssen“. In diesen Verträgen sind viele sehr strenge Begrenzungen für die Verschuldung der Euro-Teilnehmerstaaten definiert. Diese Begrenzungen beschränken die Haushaltshoheit der nationalen Parlamente und sind somit ein nicht hinzunehmender Eingriff in die Entscheidungsfreiheit demokratisch gewählter Politiker. Außerdem sind sie verantwortlich für die seit Jahren in der Eurozone vorherrschende deflationäre Tendenz. Damit die Wirtschaft nicht vollends zum Erliegen kommt ist die Europäische Zentralbank seit Jahren dazu gezwungen eine expansive Geldpolitik zu betreiben, die gegen die Eurorichtlinien verstößt. Das ist zwar (gemessen an den kontraproduktiven Richtlinien der Eurozone) illegal. Aber unvermeidlich, wenn sich die Euroländer an die anderen absurden Richtlinien der Maastrichtverträge halten, und nicht das gesamte Wirtschaftsleben in der Eurozone langsam aber sicher den Bach hinuntergehen soll.
          Die seit vielen Jahren zunehmende Spreizung der Wohlstandsschere hat sicherlich mit dieser massiven Gelddruckerei zu tun. Diese Spreizung beklagen Sie ja auch implizit: „Ich weiß nicht, ob ihnen das gefallen würde, wenn ich dadurch immer reicher würde und ihr Schuldenberg immer größer würde.“ Natürlich gefällt mir das nicht. Aber es ist eine Folge der kontraproduktiven absurden selbstauferlegten Beschränkungen in den Maastrichtverträgen. Das hindert die nationalen Regierungen daran öffentliche Investitionsprogramme aufzulegen und zwingt sie soziale Programme für die Ärmsten zu beschneiden. Beides führt dazu, dass genau diejenigen in die Röhre schauen, die auf dem unteren Blatt der gespreizten Wohlstandsschere sitzen.
          „ Irgendjemand muß schließlich für die Schulden haften und dieses Schuldgeld erwirtschaften.“ Ihr moralischer Apell in Ehren. Er berücksichtigt nur nicht die Realität unseres aktuellen Geldsystems. Geld, das eine souveräne Regierung (vermittels der Zentralbank) jederzeit aus dem Nichts schaffen kann ist keine Schuld der Regierung. Im gleichen Moment, in dem das Geld aus dem Nichts geschaffen wird erscheint es auf dem Konto desjenigen, bei dem die Regierung damit einkauft. Die Schuld ist bereits beglichen und der Zahlungsempfänger kann nun seinerseits mit diesem Geld einkaufen gehen. Das ist die Realität unseres aktuellen Geldsystems. Der Euroraum ist diesbezüglich eine Ausnahme, da künstlich Beschränkungen in dieses System eingebaut wurden, die einerseits die Entscheidungshoheit demokratisch gewählter Abgeordneter beschränkt und andererseits eine gemeinwohlfördernde Politik der beteiligten nationalen Regierungen verhindert.
          „Wenn jeder einfach so Schulden machen kann wie ihm gerade beliebt, ist das Geld doch nichts mehr wert.“
          Niemand fordert das dies jedermann machen können soll. Das wäre natürlich unsinnig. Man kann sicher auch darüber streiten, ob es gut ist, dass Staaten Geld aus dem Nichts schöpfen können. Aber man kann nicht darüber streiten, ob es in unserem gegenwärtigen Geldsystem so ist oder nicht. Über den IST-Zustand kann man sich nur informieren. Diesbezüglich verweise ich Sie nochmal auf die MMT. Die beschreibt die Funktionsweise unseres aktuellen Geldsystems.
          Target2-Salden entstehen sehr wohl, wenn Privatguthaben von einem Euroland in ein anderes transferiert werden. Wenn Ihnen das nicht bekannt ist, dann sind Sie es, der sich diesbezüglich belesen muss. Natürlich gibt es auch noch andere Vorgänge, bei denen Target2-Salden entstehen. Ich habe das Beispiel nur gewählt, weil es besonders plakativ zeigt, wie unsinnig es ist Target2-Salden als Schulden eines Staates gegenüber einem anderen zu betrachten. Da es sich in Wirklichkeit nur um die Protokollierung von Zahlungsvorgängen handelt, bei denen Überweisungen von einem Eurostaat zu einem anderen stattfinden. Diese Protokollierung ist aus buchungstechnischen Gründen erforderlich. Damit entstehen aber keinerlei Forderungen oder Verbindlichkeiten. Ganz im Gegenteil, die wurden mit dem Zahlungsvorgang, der die Protokollierung als Target2-Saldo auslöste, ja gerade getilgt. Denn solche Target2-Salden entstehen natürlich in erster Linie bei grenzüberschreitendem Handel. Zum Beispiel wenn ein deutscher Autohersteller ein Auto an einen italienischen Autohändler verkauft. In dem Moment, in dem der italienische Autohändler das Auto bei dem deutschen Autohersteller bezahlt hinterlässt das die buchhalterische Protokollierung dieses Vorgangs in Form eines Target2-Saldos. Aber die Schuld des italienischen Autohändlers und die Forderung des deutschen Autoherstellers sind im selben Moment getilgt und damit aus der Welt. Um es ganz deutlich zu sagen: der deutsche Autohersteller wird in diesem Moment bezahlt. Ab diesem Moment gibt es keine Forderung mehr von einem deutschen Hersteller an einen italienischen Verbraucher. Und auch nicht vom deutschen Staat an den italienischen. Es gibt nur aus buchhaltungstechnischen Gründen eine Protokollierung dieses grenzüberschreitenden Handels, genannt Target2.
          Auf dem Kassenzettel Ihres Supermarkts werden Sie auch eine Zahl mit einem Eurozeichen dahinter finden. Dieser Kassenzettel ist aber nicht etwa ein Schuldschein, der eine offene Schuld ihrerseits gegenüber dem Supermarkt verbrieft, die Sie in der Zukunft noch bezahlen müssen. Er ist nur ein Beleg, der protokolliert, dass Sie das erledigt haben.
          Mit Target2-Salden verhält es sich ähnlich. Die entstehen halt immer, wenn Zahlungen über Euroländergrenzen hinweg erfolgen.
          Mit freundlichen Grüßen
          Willy Schürer

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