Wenn Florian Warweg zur Bundespressekonferenz kommt, schauen die Journalisten-Kollegen zu Boden. Wohl auch, weil der Parlaments-Korrespondent der Nachdenkseiten als einziger kritisch die Arbeit der Bundesregierung hinterfragt.
Ein Gespräch über Ausgrenzung, Journalismus-Simulation der Hauptstadtpresse, Einschüchterung durch die Bundesregierung, undemokratische Maßnahmen gegen unliebsame Fragesteller, neue Zeitung für Ostdeutsche und warum es in den Augen der gehorsamen Berliner Journaille ein „Verbrechen“ ist, sich über Annalena Baerbock lustig zu machen.
Florian Warweg auf „Nachdenkseiten“: https://www.nachdenkseiten.de/?author=15
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Interview mit Florian Warweg (deutsch)
Milena Preradovic: Deutsche Regierungsvertreter verdrehen gern die Augen, wenn sie meinen Gast sehen, denn er geht ihnen so auf die Nerven, wie es jeder Journalist mit der Macht tun sollte. Nur tut es außer ihm kaum jemand auf der Bundespressekonferenz. Und so entlarvt er die Simulation der gehorsamen Hauptstadtpresse – was die natürlich doof findet. Florian Warweg wird meist geschnitten und ausgegrenzt und von Politikern und Regierungssprechern auch mal verächtlich abgetan. Auch weil er mit seinen Fragen die Politik in Erklärungsnot bringt und interessante, nicht immer lupenrein demokratische Denkweisen aufdeckt. Er stellt unsere Fragen jetzt auf Punkt Preradovic. Hallo, Florian Warweg. Schön, dass du da bist.
Florian Warweg: Danke für die Einladung.
Milena Preradovic: Sehr gerne. Ich stelle dich kurz vor: Du bist Journalist und als Parlamentskorrespondent noch für die NachDenkSeiten tätig. Du bist einer der wenigen, vielleicht der einzige, der Politikern und Regierungssprechern in der Bundespressekonferenz wirklich kritische Fragen stellt. Außerdem hast du bei den NachDenkSeiten das Projekt „Faktencheck der Faktenchecker“ betreut. Studiert hast du Politikwissenschaft, hast als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag gearbeitet, warst auch mal Mitglied der Linkspartei. Von 2014 bis 2022 warst du Chef vom Dienst bei RT DE, bis die Ausstrahlung von RT nach Beginn des Ukrainekriegs in der EU verboten wurde. Jetzt steht etwas Neues an: Du wechselst von den NachDenkSeiten zur neugegründeten Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, OAZ. Die OAZ wurde vom Verlag der Berliner Zeitung gegründet, einem ostdeutschen Verlag, und soll das westdeutsche Medienmonopol in Ostdeutschland aufmischen. Der Bundespressekonferenz bleibst du auch dort erhalten, und darüber reden wir gleich. Aber jetzt kurz zu dem neuen Job und zu Ostdeutschland: Was will denn die OAZ anders machen als die anderen westlich geprägten Zeitungen?
Florian Warweg: Gute Frage. Lassen wir uns überraschen. Noch bin ich ja nicht bei der OAZ, aber das Projekt, so wie es mir vermittelt wurde, fand ich als in Magdeburg Aufgewachsener auf jeden Fall spannend. Es ist ja tatsächlich so, dass nach der Wende und Wiedervereinigung die ganzen regionalen Blätter im Osten entweder eingegangen sind oder von großen westdeutschen Medienkonzernen, etwa Bertelsmann, aufgekauft wurden. Das heißt, es gibt eigentlich keine ostdeutsche Regionalzeitung, deren Hauptsitz nicht im Westen der Republik verortet ist. Und wenn man sich anschaut, wer Führungspositionen in diesen Medien hat, egal ob in Leipzig oder bei der Magdeburger Volksstimme: Das sind fast alles Leute, die im Westen sozialisiert sind. Im Einzelfall finde ich das kein Problem. Aber in der Gesamtheit und beinahe Absolutheit macht das natürlich etwas. Und das beschränkt sich ja nicht nur auf Medien. Das hat man auch in der Universität, in der Justiz – wo ich das besonders dramatisch finde –, wo überwiegend westdeutsch sozialisierte Personen einschneidende Entscheidungen treffen, medial wie juristisch, aus einer Perspektive, die sich von der vieler Menschen unterscheidet, die dort leben und aufgewachsen sind. Und das finde ich an dem Projekt reizvoll: das aufzubrechen und tatsächlich eine genuine Oststimme zu entwickeln.
Milena Preradovic: Ja, stimmt, es ist immer noch ein bisschen wie eine Kolonie. Soll die OAZ also eine Zeitung ohne Brandmauer werden?
Florian Warweg: Mein Anspruch wäre das schon: aus einem journalistischen Selbstverständnis heraus alle Parteien gleich kritisch und neutral zu begleiten, ohne Ausnahmen zu machen. Das wäre mein journalistischer Ansatz – und eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Wie gesagt, ich habe dort noch nicht angefangen. Aber ich glaube, das Grundverständnis ist tatsächlich, journalistische Standards für alle Parteien gleichermaßen gelten zu lassen.
Milena Preradovic: Du hast gerade erzählt, du stammst aus Magdeburg. Ich habe gehört, es heißt Magdeburg und nicht Magdeburg, wie wir Wessis immer sagen. Du hast die ersten zehn Jahre in der DDR verbracht, in der natürlich auch deine Eltern sozialisiert wurden. Wie anders ticken Ossis eigentlich?
Florian Warweg: Ich war pedantisch, aber es waren elf Jahre – Jahrgang 79. Wie anders sie ticken, ist natürlich schwer zu verallgemeinern. Aber ich glaube, die Erfahrung, dass ein zumindest Anfang bis Mitte der 80er noch halbwegs stabil wirkendes System innerhalb weniger Jahre komplett zusammenbrechen kann und man sich danach neu erfinden muss, unterscheidet viele Ostdeutsche, gerade bis hin zu meiner Generation, also grob Ende der 70er, Anfang der 80er Geborene. Das betrifft auch den Medienkonsum. Selbst als Zehn- oder Elfjähriger hatte man ein Gespür dafür, zwischen den Zeilen zu lesen, weil man wusste, was die Aktuelle Kamera sagte – natürlich abhängig vom Elternhaus –, und viele haben um 19:30 Uhr die Aktuelle Kamera geschaut und um 20:00 Uhr die Tagesschau. Selbst als Kind hat man gemerkt: Was sagt die Aktuelle Kamera? Was sagt die Tagesschau? Wo liegen die Unterschiede? Aus kindlicher Perspektive, aber man hat sie gespürt. Und das macht, glaube ich, tatsächlich einen Unterschied. Aus dieser DDR- und Umbruchserfahrung resultiert ein kritischer Blick auf Medien, nicht dieses – ich übertreibe etwas – westdeutsche Bildungsbürgertum, das sagt: Ich lese die Zeit und bin bestens informiert. Diese Selbstgefälligkeit haben Ossis in der Tendenz nicht.
Milena Preradovic: Stell dir vor, du liest die Zeitung, guckst die Tagesschau und bist auch nicht schlauer als vorher. Bei uns im Westen herrscht ja immer noch das Bild vor, der Osten sei eine Art abgehängte Region. Stimmt das noch mit der Realität überein?
Florian Warweg: Es kommt darauf an, wie man „abgehängt“ definiert. Es gibt durchaus Regionen in den neuen Bundesländern mit extremer Strukturschwäche. Rein makroökonomisch kann man sagen, dass dort Regionen abgehängt sind, auch was den Zugang zu Standardleistungen betrifft. Es gibt Gegenden, in denen Kinder ein oder zwei Stunden zur Schule fahren müssen, weil es in der Nähe keine gibt, und der öffentliche Nahverkehr ist extrem ausgedünnt. Auf dieser Ebene kann man von „abgehängt“ sprechen. Aber das heißt nicht, abgehängt im geistig-politischen Bewusstsein zu sein.
Milena Preradovic: Kommen wir zur Bundespressekonferenz. Der bleibst du erhalten. Ein wichtiges Thema der letzten Zeit sind die EU-Sanktionen gegen Einzelpersonen. So etwas gab es vorher nicht. Deutsche Journalisten wie Thomas Röper, Alina Lipp und Hüseyin Doğru sind davon betroffen, ebenso der ehemalige Schweizer Geheimdienstoffizier und Analyst Jacques Baud, der auch schon hier gesprochen hat. Allen Sanktionierten wurden die Konten eingefroren, also faktisch sämtliches Geld entzogen. Man darf ihnen nicht helfen, sonst macht man sich möglicherweise strafbar. Und das alles ohne Prozess, ohne Urteil, ohne prüfbare Belege. Aus Sicht eines Rechtsstaats ist das ein Unding. Du hast das Thema bei der Bundespressekonferenz häufig angesprochen. Was ist der Standpunkt der Bundesregierung?
Florian Warweg: Die Bundesregierung sagt, das sei alles rechtens und einstimmig vom Rat der Europäischen Union beschlossen worden. Darauf beruft sie sich. Das ist formal nicht falsch. Allerdings handelt es sich um eine Institution, die weder vom EU-Parlament noch von der Kommission in dieser Entscheidung kontrolliert wird; es gibt also keine klassische legislative Kontrolle. Zudem argumentiert die Bundesregierung, die Sanktionierten könnten, wenn sie nicht einverstanden seien, den Rechtsweg beschreiten.
Milena Preradovic: Ohne Geld? Schwierig.
Florian Warweg: Das ist zum einen mit fest eingefrorenen Konten an sich schon schwierig. Und dann sprechen wir vom Europäischen Gerichtshof. Um dort überhaupt hinzukommen, dauert es im Zweifel mehrere Jahre und kostet einen sechsstelligen Betrag. Das heißt, selbst wenn die Konten nicht eingefroren wären, wäre dieser Rechtsweg auf diesem Level extrem schwer zugänglich, und man wäre über Jahre hinweg weiterhin sanktioniert. Ich glaube, das sagt die Bundesregierung im vollen Bewusstsein, wie langwierig dieser Rechtsweg ist. Hinzu kommt die absurde Situation, dass hier – im Gegensatz zum eigentlichen rechtsstaatlichen Standard, wonach dem Beschuldigten die Schuld bewiesen werden muss – de facto eine Umkehr stattfindet. Der Betroffene wird zwar nicht formal verurteilt, aber faktisch bestraft und muss dann selbst seine Unschuld beweisen. Das ist eine komplette Umkehr des Rechtsstaatsprinzips. Die Bundesregierung lächelt dazu nur und sagt in der BPK mit Blick auf mich: Zum einen, Herr Warweg, die Leute, die sich als Kollegen bezeichnen, seien Desinformationsakteure, und alle, die in einem ähnlichen Feld agieren, müssten damit rechnen, als Nächste dran zu sein. Das zeigt auch rhetorisch, was damit bezweckt wird: Einschüchterung. Und ich glaube, diese Einschüchterung trägt durchaus Früchte. Selbst wenn sich Journalisten persönlich nicht einschüchtern lassen, kommen dann Familienangehörige, Kinder, Ehe- oder Lebenspartner und sagen: Überleg dir das gut, ich will nicht, dass unsere Konten eingefroren werden. Insofern befinden wir uns da auf einem eher dunklen Weg.
Milena Preradovic: Ja. Ich habe das gesehen, das war Giese, der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Mir ist es kalt den Rücken heruntergelaufen. Ich habe das als Drohung aufgefasst.
Florian Warweg: Ich glaube auch, dass es genau so gemeint war.
Milena Preradovic: Es handelt sich ja um deutsche Staatsbürger. Da erwartet man von einem Staat, dass er sich damit ernsthaft befasst und prüft, was solche Sanktionen für die Betroffenen bedeuten. Hast du den Eindruck, die Regierung hat das getan, oder hat sie sich einfach auf das EU-Sanktionsregime berufen und damit war die Sache erledigt?
Florian Warweg: Die Antworten beziehungsweise Nicht-Antworten in der BPK sprechen dagegen. Gerade im Fall von Hüseyin Doğru, der in Berlin lebt, deutscher Staatsbürger ist und zwei neugeborene Zwillinge hat, besteht inzwischen faktisch keinerlei Zugang mehr zu Geldern. Bis vor Kurzem konnte er monatlich rund 500 Euro für absolute Notwendigkeiten wie Lebensmittel bei der Bundesbank beantragen. Selbst das wurde ihm nun blockiert, in seinem Fall von der Comdirect. Als ich anfangs nachfragte, ob er etwa Anspruch auf Sozialleistungen habe, wusste niemand etwas Konkretes dazu. Im Fall von Jacques Baud ist es in Bezug auf Presse- und Redefreiheit fast noch dramatischer, weil es sich um ein rechtlich weitgehend unerprobtes Feld handelt. Seine Verlage und viele Medien – auch im alternativen Spektrum – haben aus Angst einen Großteil seiner Videos offline genommen. Sein Verlag hat auf Anraten der Anwälte sämtliche Bücher, darunter Bestseller, mitten im Weihnachtsgeschäft aus dem Sortiment genommen. Hintergrund ist das sogenannte Bereitstellungsverbot: Jede Art wirtschaftlicher Unterstützung für Sanktionierte ist strafbar. Wenn also jemand ein Buch kauft, erhält der Autor Tantiemen – das kann bereits problematisch sein. Man darf Sanktionierte nicht anstellen. Es handelt sich faktisch nicht nur um ein Berufsverbot, sondern um eine komplette Kaltstellung. Selbst ein Inhaftierter hätte Zugang zu gewissen Geldmitteln und könnte als Autor weiter Einnahmen erzielen. Hier ist all das ohne Gerichtsverhandlung und ohne Anhörung unmöglich gemacht worden. In dieser Form ist das historisch ziemlich einmalig.
Milena Preradovic: Das ist absolut einmalig. Haben die anderen Kollegen diese Sanktionen gegen Journalisten oder gegen Jacques Baud denn hinterfragt?
Florian Warweg: Bisher kein einziges Mal. Im Gegenteil: Es gab Situationen, in denen eher nachgelegt wurde. Bei Doğru wurde etwa fälschlicherweise behauptet, er sei türkischer Staatsbürger, obwohl er nachweislich nur die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Ein Kollege fragte sogar, ob man die türkischen Behörden informiert habe, um von dort zusätzlichen Druck aufzubauen. Generell greift die EU-Rhetorik mit dem „Russen“-Vorwurf. Sowohl bei Jacques Baud als auch bei Doğru wird eine russische Verbindung behauptet. Ich hatte Einblick in das sogenannte Evidence Pack der EU – dort sind als „Beweise“ im Wesentlichen Tweets aufgelistet, ohne belastbare Nachweise einer russischen Anbindung. Doch sobald man deutschen Mainstream-Kollegen sagt, es stecke Russland dahinter, herrscht im besten Fall Schweigen, im Zweifel wird es sogar beklatscht. Es wird nicht hinterfragt, wenn das Auswärtige Amt solche Behauptungen aufstellt. Es gibt keine systematische Überprüfung, keine Faktenchecks zu den Vorwürfen. Das ist – ohne mich zu überhöhen – ein journalistischer Skandal. Diese Indifferenz in der BPK ist auffällig. Außerhalb der BPK gab es durchaus kritische Stimmen, aber dort selbst kaum. Strukturell kommen in die BPK eher die angepasstesten Journalisten. Beim letzten Nachfragen zu Jacques Baud stellte immerhin der Reuters-Chefreporter die Frage, ob die Bundesregierung im konkreten Fall überzogen habe. Das war die einzige kritische Nachfrage aus diesem Spektrum.
Milena Preradovic: Und was war die Antwort?
Florian Warweg: Ausweichend. Sinngemäß: Dazu sei alles gesagt.
Milena Preradovic: Also: Bitte nicht weiter nachfragen.
Florian Warweg: So in etwa. Der Sprecher wirkte zudem irritiert, dass Reuters es überhaupt wagte, eine solche Frage zu stellen.
Milena Preradovic: Unglaublich. Immerhin war der Widerstand im Fall von Jacques Baud groß. Es gab Petitionen, viele haben sich über die Sanktionen empört. Nach etwa einem Monat sah sich sogar die Schweizer Regierung veranlasst, bei der EU vorstellig zu werden.
Florian Warweg: Ja, nach etwa einem Monat. Aber sie haben es getan – im Gegensatz zur deutschen Regierung.
Milena Preradovic: Man kann sagen, sie haben interveniert?
Florian Warweg: In der Berichterstattung hieß es so. Faktisch haben sie auf die Bedeutung der Redefreiheit hingewiesen und angemahnt, rechtsstaatliche Prinzipien im Umgang mit ihrem Staatsbürger zu beachten. Keine scharfe Rüge, aber ein klares Signal.
Milena Preradovic: Das zeigt immerhin, dass Widerstand nicht zwecklos ist. Noch einmal zu den angepassten Hauptstadtjournalisten: Hinterfragen sie generell das Regierungshandeln oder fordern sie eher Informationen ein?
Florian Warweg: Vieles ist reines Informationsabholen. Ein dpa- oder Reuters-Vertreter braucht eine zitierfähige Aussage für den Ticker: Regierungssprecher XY sagte XY. Strukturell sitzen in der BPK Journalisten mit besonders großer Nähe zur Macht. Das sind auch jene, die in Regierungsfliegern mitreisen. Ihre zentrale Währung ist der informelle Zugang. Manche stellen in der BPK kaum Fragen; ihr eigentlicher Moment kommt nach Ende der offiziellen Sitzung, wenn die Kameras aus sind und kein Protokoll mehr geführt wird. Dann kann man im Vier-Augen-Gespräch Hintergrundinformationen einholen und später als exklusiv verkaufen. Dieses System erzeugt eine innere Zensurschere: Wer weiß, dass er übermorgen mit dem Regierungssprecher im Flieger nach Sri Lanka sitzt, stellt möglicherweise keine allzu kritische Frage. Hinzu kommt der Wunsch, sich den informellen Zugang nicht zu verbauen. Selbst bei Themen wie Cum-Ex, bei denen etwa Spiegel oder t-online kritisch berichtet haben, haben deren Vertreter in der BPK dazu kaum nachgefragt – weil es ein sensibles Thema für Hebestreit und Scholz war. In der BPK wurde es weitgehend totgeschwiegen.
Milena Preradovic: Die haben wahrscheinlich auch Angst, dass sie dann im Regierungsflieger nicht mehr mitfliegen dürfen. Das hat ja Angela Merkel und ihr Büroleiter Baumann eingeführt. Damals, glaube ich, als Erste: Wer zu kritisch war, bei dem gab es einen Anruf beim Verlag oder bei der Redaktion nach dem Motto: Der fliegt jetzt nicht mehr mit.
Florian Warweg: Ich hatte dazu ein Beispiel. Das ist schon ein paar Jahre her. Ein junger Kollege saß in der BPK immer da und stellte keine Fragen. Ich habe ihn gefragt: Warum sitzt du hier und fragst nichts? Er arbeitete für eine japanische Nachrichtenagentur, war aber Deutscher. Er erzählte mir, dass er ganz am Anfang eine Frage zu Assange gestellt hatte – damals saß Assange noch in Belmarsh in Haft. Daraufhin habe sich das Auswärtige Amt über die japanische Botschaft bei seiner Agentur gemeldet. Sein Chefredakteur habe ihm erklärt, das sei ein übliches Prinzip bei sensiblen Themen: Über diplomatische Kanäle werde signalisiert, bestimmte Fragen bitte nicht in dieser Form zu stellen. Sein Vertrag wurde später nicht verlängert. Er sagte zu mir: Wenn ich nicht mehr dort bin, kannst du das als Anekdote erzählen – vorher bitte nicht. Das zeigt, dass in der BPK durchaus verschiedene Kontrollmechanismen greifen.
Milena Preradovic: Im Grunde ist das eine komplette Umdeutung von Journalismus, oder?
Florian Warweg: In gewisser Weise wird die Bühne genutzt, um die Regierung gut darzustellen. Alles, was dem widerspricht, wird mit meist subtilen, manchmal auch weniger subtilen Mitteln auf Linie gebracht.
Milena Preradovic: Vor dir war Boris Reitschuster als Vertreter freier Medien in der BPK. Er wurde geschnitten, ignoriert, ausgegrenzt. Er wurde sogar gemeldet, weil er im Innenhof ohne Maske einen Aufsager gemacht hat. Er ist überzeugt, dass es Tilo Jung von „Jung & Naiv“ war, der ihn gemeldet hat. Jung war früher eher der junge Wilde und ist heute stärker im Mainstream verortet. Wie geht es dir mit den Kollegen? Wie ist euer Verhältnis?
Florian Warweg: Von einem Verhältnis würde ich kaum sprechen – und das liegt nicht an mir. Es ist oft ein bisschen Kindergarten. Der erwähnte Reuters-Kollege hat in den letzten Monaten zumindest angefangen, mich schüchtern zu grüßen. Beim Großteil geht der Blick eher nach unten. Gegrüßt wird in der Regel nicht. Allerdings muss man unterscheiden: Das betrifft vor allem deutsche Journalisten. In der BPK sitzen auch ausländische Kollegen – etwa von Al Jazeera oder der New York Times – und die sind im Umgang völlig entspannt. Sie sprechen mit einem, genauso wie viele lateinamerikanische Journalisten. Dieses distanzierte Verhalten ist eher ein deutsches Spezifikum. Es wird signalisiert: Das ist ein elitärer Kreis, und du gehörst eigentlich nicht dazu. Interessanterweise ist das Verhältnis zu Regierungs- und Ministeriumssprechern teilweise entspannter. Vor der Kamera wahren sie Distanz, aber danach wird einem auch mal die Tür aufgehalten oder man wird angelächelt.
Milena Preradovic: Lächelt dich Herr Giese auch an?
Florian Warweg: Herr Giese eher nicht. Aber es gibt andere Sprecher, die deutlich entspannter sind und nach der BPK noch Informationen weitergeben. Die offen gezeigte Antipathie kommt stärker aus dem Plenum als vom Podium.
Milena Preradovic: Hat denn schon einmal ein Regierungssprecher gesagt: Gut gemacht, super Frage?
Florian Warweg: So weit geht es dann doch nicht.
Milena Preradovic: Ich stelle mir vor, dass du mit deinen deutschen Kollegen keinen Kaffee trinkst oder gemeinsam in die Cafeteria gehst.
Florian Warweg: Tatsächlich nicht. Es gibt einige pensionierte Kollegen, die ab und zu noch kommen; die haben kein Problem mit mir. Aber wer aktiv für RTL, ZDF oder große Häuser arbeitet, sucht in der Regel keinen Kontakt. Interessant ist jedoch: Das technische Personal, etwa Kameraleute, geht völlig unbefangen mit mir um. Sie klopfen mir auch mal auf die Schulter und sagen, sie fänden meine Arbeit gut – selbst wenn der verantwortliche Redakteur danebensteht. Offensichtlich fühlen sie sich arbeitsrechtlich sicher genug, um das offen zu zeigen.
Milena Preradovic: Vielleicht spielt auch Kontaktschuld eine Rolle. In Deutschland ist das ja schnell ein Thema. Vielleicht trauen sich manche einfach nicht, mit dir zu reden.
Florian Warweg: Möglich. Man müsste sie fragen. Ich könnte natürlich auch proaktiv auf sie zugehen.
Milena Preradovic: Mach das mal. Es war für dich ja generell nicht leicht, überhaupt in die Bundespressekonferenz zu kommen. Du musstest dich einklagen. Kannst du kurz schildern, wie das ablief?
Florian Warweg: Nach meinem Wechsel zu den NachDenkSeiten war geplant, dass ich als Parlamentskorrespondent auch die BPK abdecke. Ich habe mich beworben, und zunächst hieß es, man könne mich nicht aufnehmen. Ich habe widersprochen. Dann wurde mir eine Art Bewährungsfrist in Aussicht gestellt: zwei Wochen, in denen Mitglieder Widerspruch einlegen konnten. Die Bundespressekonferenz ist trotz ihres offiziellen Namens ein privater Verein. Es wurde erklärt, bei Widersprüchen aus der Mitgliedschaft könne die Aufnahme wieder rückgängig gemacht werden. Von über 900 akkreditierten Journalisten gingen sechs Widersprüche ein. Zwei sind namentlich bekannt: Tilo Jung und Matthias Meisner vom Tagesspiegel. Daraufhin hieß es: Leider sechs Widersprüche – also keine Aufnahme. Wir sind vor Gericht gezogen. Das Gericht gab uns zu zwei Dritteln Recht. Es entschied, dass ich aufgrund der Grundrechtsbindung ein Fragerecht in der BPK habe, aber kein offizielles Mitglied werden müsse. Für die BPK war es offenbar wichtig, dass ich nicht an Mitgliederversammlungen oder am Bundespresseball teilnehmen kann. Gegen dieses Urteil ist die BPK in Berufung gegangen – im September 2023. Wir haben inzwischen Januar 2026. Der Termin wurde mehrfach verschoben: erst 2024, dann Juni 2025, dann November 2025. Nun ist er auf den 15. April 2026 angesetzt. Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten.
Milena Preradovic: Also entweder mag dich dort jemand, oder sie trauen sich doch nicht ganz, die Meinungsfreiheit beziehungsweise diese Grundrechtsartikel komplett einzuschränken.
Florian Warweg: Vielleicht noch eine kleine Anekdote, weil die bezeichnend ist. Die Richterin wollte wissen, welche konkreten Gründe vorgelegt wurden, um meine Aufnahme zu verhindern. Man kann ja nicht einfach sagen: „Ich finde den Warweg doof.“ Es muss etwas Substanzielles sein. Zunächst wurde herumgedruckst. Dann hieß es, man wolle keine Namen nennen, aber man legte auszugsweise Begründungen vor. Eine von dreien – alle auf ähnlichem Niveau – lautete ernsthaft: Ein Journalistenkollege habe argumentiert, ich dürfe nicht aufgenommen werden, weil ich mich in einem Tweet über Außenministerin Annalena Baerbock lustig gemacht hätte. Das wurde tatsächlich vor Gericht als Argument vorgebracht. Nicht nur das: Es wurde behauptet, ich hätte mich lustig gemacht, aber ein konkreter Beleg wurde nicht einmal vorgelegt. Das zeigt viel über das argumentative Niveau und das Selbstverständnis, mit dem dort agiert wird.
Milena Preradovic: Ohne Worte. Ich schaue mir deine Ausschnitte aus der Bundespressekonferenz gern an, aber mir läuft es dabei kalt den Rücken herunter. Drei Mal die Woche in eine feindselige Umgebung zu gehen und zu wissen, dass es nicht freundlich wird – macht dir das menschlich nichts aus?
Florian Warweg: Wenn es nur das wäre, vielleicht schon. Aber da spielt auch ein „Jetzt erst recht“ hinein. Wenn man weiß, dass manche einen dort am liebsten nicht hätten, stärkt das eher den Widerstandsgeist. Und man muss das Heldenepos etwas relativieren: Die BPK findet zwar drei Mal die Woche statt, aber ich gehe in der Regel nur mittwochs hin. Einmal pro Woche reicht mir. Außerdem gibt es außerhalb der BPK viel positives Feedback, und daraus zieht man Kraft. Wenn mein gesamtes berufliches Umfeld nur aus BPK bestünde, würde es wahrscheinlich anders wirken. Aber durch die positiven Rückmeldungen gleicht sich das aus. Und wenn es mir gar keinen Spaß machen würde, würde ich nicht hingehen. Ein gewisser Reiz ist nach wie vor da.
Milena Preradovic: Ich habe schon den Eindruck, dass es dir auch Spaß macht, wenn du oben auf dem Podium diese entsetzten oder verärgerten Gesichter siehst. Da huscht manchmal ein Lächeln über dein Gesicht.
Florian Warweg: Ein Lächeln braucht man wahrscheinlich, um dabeizubleiben. Ohne eine gewisse Freude an der Sache würde ich auch die vielen Interviews nicht führen. Spaß ist ein Grundelement erfüllter Arbeit.
Milena Preradovic: Ich lade nur Leute ein, die ich einladen möchte. Ich muss mich nicht mit Menschen auseinandersetzen, die mich ablehnen. Das ist ein Unterschied. Kommen wir zu den Themen, zu denen du nachgefragt hast. Ein großes Thema ist die desaströse Wirtschaftslage und die hohe Zahl an Insolvenzen – so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Wie erklärt die Regierung dieses Problem?
Florian Warweg: Eine wirkliche Erklärung gab es nicht. Stattdessen wurde betont, was die Regierung angeblich alles richtig mache. Auf meine Nachfrage zum deutlichen Anstieg der Firmenpleiten von 2024 auf 2025 wurde tatsächlich Corona als Hauptursache angeführt. Das war das zentrale Argument. Und bemerkenswert war, dass kein anderer Kollege kritisch nachfragte. In der BPK hat man eine Frage und eine Nachfrage. Wenn jedoch ein weiterer Kollege ebenfalls kritisch nachhakt, eröffnen sich neue Nachfragemöglichkeiten. Mit zwei oder drei konsequenten Nachfragen ließe sich erheblich mehr Druck aufbauen. Doch das passiert nur in Ausnahmefällen. Gerade das Thema Insolvenzen wäre ein klassisches Mainstream-Thema gewesen, das jedes größere Medium hätte aufgreifen können. Es geschah nicht.
Milena Preradovic: Freie Drinks im Regierungsflieger verpflichten offenbar. Ein anderes Thema, das weniger Mainstream war, betraf die Drohnen-Vorfälle, die medial stark aufgebauscht wurden. Du hast eine Studie eingebracht, die besagt, dass es keinerlei Belege für eine russische Verantwortung gibt. Wie war die Reaktion?
Florian Warweg: Die Studie wurde im Wesentlichen als bloße Behauptung meinerseits dargestellt, obwohl sie belegbar ist. Im März wurde von offizieller Seite im Indikativ formuliert, Russland stecke dahinter. Als Beispiel wurde unter anderem ein Vorfall in Frankfurt genannt, bei dem sich schnell herausstellte, dass es sich um einen Hobbypiloten handelte, der seine neu gekaufte Drohne testete. Die Studie analysierte europaweit entsprechende Vorfälle und kam zu dem Ergebnis, dass es keine belastbaren Belege für eine russische Steuerung gibt. In vielen Fällen waren es Hobbypiloten, in anderen Fehlsichtungen. Wenn ein medialer Hype entsteht, sehen Bürger Lichter am Himmel – etwa von Flugzeugen oder Hubschraubern – und interpretieren sie vor dem Hintergrund der Berichterstattung als „Russendrohnen“. Das erzeugt eine Art selbsterfüllende Prophezeiung. Die Bundesregierung wich meiner Nachfrage aus und stellte die Relevanz beziehungsweise Validität der Studie infrage, teilweise sogar deren Existenz. Eine inhaltliche Auseinandersetzung fand nicht statt.
Milena Preradovic: Ja. Und sie haben dann, ich habe es mir gerade noch einmal angeschaut, auf die hybride Gefahr generell verwiesen – und die komme von Russland, so ungefähr. Das war auch so eine Antwort, bei der ich dachte: Aber weißt du, was das Gute an deinen Mitschnitten ist? Jeder kann sich selbst ein Bild machen. Man hört deine Frage und man hört die Antwort. Und ich muss sagen: Überzeugend wirken diese Antworten auf mich nicht. Wie oft hast du denn wirklich konkrete Antworten auf deine Fragen bekommen?
Florian Warweg: Tatsächlich sehr selten. Ein Beispiel fällt mir spontan ein: Es gab einen Empfang im kanadischen Parlament. Dort wurde ein ukrainischer Emigrant in Kanada als Freiheitsheld gefeiert, weil er angeblich gegen die Russen gekämpft habe. Später stellte sich heraus, dass er Mitglied eines SS-Hilfskorps gewesen war. Ich habe nachgefragt, ob sich die deutsche Botschafterin an den Standing Ovations beteiligt habe. Und da hieß es tatsächlich: Ja, Herr Warweg, wir können bestätigen, dass sie applaudiert hat. In dieser Eindeutigkeit war das eine Ausnahme. Bei vielen anderen Themen wäre eine klare Antwort ebenso möglich gewesen, aber sie blieb aus.
Milena Preradovic: Du bist ja schon lange in der Bundespressekonferenz, auch unter den letzten Regierungen. Steffen Seibert hast du noch als Regierungssprecher erlebt.
Florian Warweg: Genau. Seibert, dann Hebestreit und jetzt Cornelius. Und man darf nicht vergessen: Alle drei kommen ursprünglich aus dem Journalismus.
Milena Preradovic: Bei Seibert und auch bei Hebestreit hatte ich den Eindruck, dass sie dich nicht besonders mochten.
Florian Warweg: Ich will da nicht psychologisieren. Aber rein vom Auftreten her würde ich sagen: Was offen gezeigte Antipathie betrifft, war Hebestreit am deutlichsten, dann Seibert, und am zurückhaltendsten ist Cornelius. Der wirkt im Umgang mit mir entspannter – ob aus persönlicher Disposition oder taktischen Gründen, sei dahingestellt.
Milena Preradovic: Ein anderes Thema ist dein Wikipedia-Eintrag. Dort steht unter anderem, du dienest einer prorussischen Agenda. Selbst wenn du Fragen stellst, die schlicht journalistisch sind, wird das entsprechend gerahmt. Und die NachDenkSeiten werden als „verschwörungstheoretischer Blog“ bezeichnet. Das ist schon eine Unverschämtheit.
Florian Warweg: Zumal es dafür keinen Beleg gibt. Wikipedia beruft sich auf eine Belegpflicht. Wenn dort „verschwörungstheoretischer Blog“ steht, müsste das sauber belegt sein. Ist es aber nicht. Wenn man die eigenen Standards ernst nimmt, müsste man solche Wertungen entweder mit belastbaren Quellen hinterlegen oder als Meinung Dritter kennzeichnen. Stattdessen wird ein negatives Framing gesetzt, oft ohne nachvollziehbare Quellen. Das ist ein eigenes Thema: Einfluss einzelner Editoren und die Dynamik innerhalb von Wikipedia.
Milena Preradovic: Ich habe meinen Wikipedia-Eintrag vor 25 Jahren selbst angelegt. Damals konnte man das noch. Und immer, wenn sich beruflich etwas änderte, habe ich es angepasst. Heute ist das unmöglich. Bei mir steht, ich sei ein „prominenter Knotenpunkt des Intellekts des deutschsprachigen Intellectual Dark Web“. Das klingt fast schmeichelhaft. Aber es wird auf irgendein obskures Schweizer Onlineportal verwiesen. Bei dir steht relativ weit oben: „Sein Großvater mütterlicherseits war SED-Mitglied.“ Völlig aus dem Zusammenhang.
Florian Warweg: Für mich ist das nicht dramatisch, weil ich selbst schon öfter erzählt habe, dass es in meiner Familie dieses Spannungsverhältnis gab: Mein Vater war eher dissidentisch, saß zwei Jahre im DDR-Gefängnis. Mein Großvater mütterlicherseits war SED-Mitglied und Russischlehrer in einem Dorf bei Magdeburg, überzeugter DDR-Bürger. Dieses Spannungsfeld hat mich geprägt, auch im Sinne des „Zwischen-den-Zeilen-Lesens“. Aber so etwas ohne Kontext herauszugreifen, erzeugt natürlich eine bestimmte Assoziation.
Milena Preradovic: Für mich wirkt das wie eine schlecht gemachte Diffamierung.
Florian Warweg: Der gesamte Artikel ist stark negativ gerahmt. Man kann selbstverständlich auch kritische Berichterstattung über mich aufführen. Aber hier handelt es sich nahezu ausschließlich um negatives Framing, häufig ohne saubere Belege.
Milena Preradovic: Dann sage ich: ein Autor und Propagandist ohne Talent. Vielleicht hört er es ja. Florian, vielen Dank für deine bemerkenswerte Arbeit in der Bundespressekonferenz. Ich beneide dich nicht um die Situation, aber ich bewundere dich für deine Hartnäckigkeit. Viel Erfolg für dein neues Projekt bei der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Danke, dass du da warst.
Florian Warweg: Ich danke euch.
Milena Preradovic: Tja Leute, der Journalismus ist tot – es lebe der Journalismus. Ohne freie Medien, ohne kritisches Nachhaken und ohne Raum für kritische Stimmen wäre Deutschland journalistisch verarmt. Dass wir diesen Job machen können, liegt an eurer Unterstützung. Ein kleiner Hinweis noch: Seit der EU-Echtzeitüberprüfung bei Banken kommt es gelegentlich zu Meldungen wie „Konto kann nicht verifiziert werden“. Keine Sorge – eure Unterstützung kommt bei mir an. Ich wünsche euch eine gute Zeit. Bis bald.
Interview with Florian Warweg (english)
Milena Preradovic: German government representatives tend to roll their eyes when they see my guest, because he gets on their nerves in the way that every journalist should when dealing with those in power. But apart from him, hardly anyone else at the Federal Press Conference does this. And so he exposes the pretense of the obedient capital city press—which, of course, they don’t like. Florian Warweg is usually cut off and marginalized, and sometimes even dismissed contemptuously by politicians and government spokespeople. This is partly because his questions put politicians on the spot and reveal interesting, not always flawlessly democratic ways of thinking. He is now asking our questions, Preradovic. Hello, Florian Warweg. It’s great to have you here.
Florian Warweg: Thank you for the invitation.
Milena Preradovic: You’re very welcome. Let me briefly introduce you: You are a journalist and also work as a parliamentary correspondent for NachDenkSeiten. You are one of the few, perhaps the only one, who asks politicians and government spokespeople truly critical questions at the Federal Press Conference. You also supervised the “Fact Checking the Fact Checkers” project at NachDenkSeiten. You studied political science, worked as a research assistant in the Bundestag, and were also a member of the Left Party. From 2014 to 2022, you were editor-in-chief at RT DE until RT was banned from broadcasting in the EU after the start of the war in Ukraine. Now something new is on the horizon: you are moving from NachDenkSeiten to the newly founded Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, OAZ. The OAZ was founded by the publisher of the Berliner Zeitung, an East German publishing house, and is intended to shake up the West German media monopoly in East Germany. You will remain with the Federal Press Conference, and we’ll talk about that in a moment. But first, let’s talk briefly about your new job and East Germany: What does the OAZ want to do differently from other Western-influenced newspapers?
Florian Warweg: Good question. Let’s wait and see. I’m not at the OAZ yet, but as someone who grew up in Magdeburg, I found the project, as it was presented to me, very exciting. It’s true that after the fall of the Berlin Wall and reunification, all the regional newspapers in the east either went out of business or were bought up by large West German media corporations such as Bertelsmann. This means that there are actually no East German regional newspapers whose headquarters are not located in the west of the republic. And if you look at who holds leadership positions in these media outlets, whether in Leipzig or at the Magdeburger Volksstimme, almost all of them are people who were socialized in the west. In individual cases, I don’t see that as a problem. But taken as a whole and almost without exception, it does of course make a difference. And this is not limited to the media. It also applies to universities and the judiciary – where I find it particularly dramatic – where people who were predominantly socialized in West Germany make crucial decisions, both in the media and in the legal system, from a perspective that differs from that of many people who live and grew up there. And that’s what I find appealing about the project: breaking that down and actually developing a genuine East German voice.
Milena Preradovic: Yes, that’s right, it’s still a bit like a colony. So should the OAZ become a newspaper without a firewall?
Florian Warweg: That would be my goal: to cover all parties equally critically and neutrally, without exception, based on a journalistic self-image. That would be my journalistic approach—and actually, that should be a given. As I said, I haven’t started there yet. But I believe the basic understanding is indeed to apply journalistic standards equally to all parties.
Milena Preradovic: You just said you’re from Magdeburg. I’ve heard it’s pronounced Magdeburg and not Magdeburg, as we West Germans always say. You spent the first ten years of your life in the GDR, where your parents were also socialized, of course. How different are East Germans actually?
Florian Warweg: I was pedantic, but it was eleven years – born in 1979. It’s difficult to generalize how different they are, of course. But I think the experience of seeing a system that seemed reasonably stable at least until the early to mid-1980s collapse completely within a few years, forcing people to reinvent themselves, distinguishes many East Germans, especially those of my generation, i.e., those born in the late 1970s and early 1980s. This also applies to media consumption. Even as a ten or eleven-year-old, you had a sense of reading between the lines because you knew what Aktuelle Kamera was saying – depending on your parents‘ home, of course – and many people watched Aktuelle Kamera at 7:30 p.m. and Tagesschau at 8:00 p.m. Even as a child, you noticed: What is Aktuelle Kamera saying? What is Tagesschau saying? What are the differences? From a child’s perspective, but you could sense them. And I think that actually makes a difference. This experience of the GDR and the upheaval that followed has resulted in a critical view of the media, not this – I’m exaggerating a little – West German educated middle class that says: I read Die Zeit and am well informed. East Germans tend not to have this complacency.
Milena Preradovic: Imagine you read the newspaper, watch the news, and you’re no smarter than before. Here in the West, the prevailing image is still that the East is a kind of neglected region. Does that still correspond to reality?
Florian Warweg: It depends on how you define “neglected.” There are definitely regions in the new federal states with extreme structural weaknesses. From a purely macroeconomic perspective, you could say that these regions are left behind, also in terms of access to standard services. There are areas where children have to travel an hour or two to get to school because there are none nearby, and public transportation is extremely sparse. At this level, one can speak of being “left behind.” But that does not mean being left behind in intellectual and political consciousness.
Milena Preradovic: Let’s move on to the Federal Press Conference. You remain there. An important topic recently has been EU sanctions against individuals. This was not the case before. German journalists such as Thomas Röper, Alina Lipp, and Hüseyin Doğru are affected, as is former Swiss intelligence officer and analyst Jacques Baud, who has also spoken here. All those sanctioned have had their accounts frozen, effectively depriving them of all their money. It is illegal to help them, otherwise you could be prosecuted. And all this without trial, without judgment, without verifiable evidence. From the perspective of the rule of law, this is absurd. You have frequently raised this issue at the Federal Press Conference. What is the German government’s position?
Florian Warweg: The German government says that everything is legal and was decided unanimously by the Council of the European Union. That is what it refers to. Formally, that is not wrong. However, this is an institution that is not controlled by either the EU Parliament or the Commission in this decision; there is therefore no classic legislative control. In addition, the federal government argues that those sanctioned could take legal action if they disagree.
Milena Preradovic: Without money? Difficult.
Florian Warweg: On the one hand, this is difficult in itself with accounts that are frozen. And then we’re talking about the European Court of Justice. Just getting there can take several years and cost a six-figure sum. This means that even if the accounts were not frozen, legal recourse at this level would be extremely difficult to access, and the sanctions would remain in place for years. I believe the German government is saying this in full awareness of how lengthy this legal process is. Added to this is the absurd situation that here – in contrast to the actual rule of law standard, according to which the accused must be proven guilty – a de facto reversal takes place. The person concerned is not formally convicted, but is effectively punished and must then prove their own innocence. This is a complete reversal of the principle of the rule of law. The federal government just smiles and says in the BPK, looking at me: First, Mr. Warweg, the people who call themselves colleagues are disinformation actors, and anyone working in a similar field should expect to be next. This also shows rhetorically what the aim is: intimidation. And I believe this intimidation is certainly bearing fruit. Even if journalists themselves are not intimidated, their family members, children, spouses, or partners come and say: Think carefully about this, I don’t want our accounts to be frozen. In this respect, we are on a rather dark path.
Milena Preradovic: Yes. I saw that, it was Giese, the spokesman for the Foreign Office. It sent a chill down my spine. I took it as a threat.
Florian Warweg: I also believe that was exactly how it was meant.
Milena Preradovic: These are German citizens, after all. You would expect the state to take this seriously and examine what such sanctions mean for those affected. Do you have the impression that the government has done that, or has it simply invoked the EU sanctions regime and considered the matter closed?
Florian Warweg: The answers, or rather non-answers, in the BPK suggest not. In the case of Hüseyin Doğru, who lives in Berlin, is a German citizen and has two newborn twins, there is now effectively no access to funds whatsoever. Until recently, he was able to apply to the Bundesbank for around 500 euros per month for absolute necessities such as food. Even that has now been blocked, in his case by Comdirect. When I initially asked whether he was entitled to social benefits, no one knew anything specific about it. In the case of Jacques Baud, the situation is even more dramatic in terms of freedom of the press and freedom of speech, because it is a largely untested legal area. His publishers and many media outlets—including those in the alternative spectrum—have taken most of his videos offline out of fear. On the advice of lawyers, his publisher has removed all of his books, including bestsellers, from its catalog in the middle of the Christmas shopping season. The background to this is the so-called provision ban: any kind of economic support for sanctioned persons is punishable by law. So if someone buys a book, the author receives royalties – and that can already be problematic. Sanctioned persons may not be employed. In fact, this is not just a professional ban, but a complete ostracism. Even a prisoner would have access to certain funds and could continue to earn income as an author. Here, all of this has been made impossible without a trial or a hearing. In this form, it is quite unique in history.
Milena Preradovic: That is absolutely unique. Have other colleagues questioned these sanctions against journalists or against Jacques Baud?
Florian Warweg: Not once so far. On the contrary, there have been situations where the sanctions have been tightened. In Doğru’s case, for example, it was falsely claimed that he was a Turkish citizen, even though he demonstrably only has German citizenship. One colleague even asked whether the Turkish authorities had been informed in order to exert additional pressure from there. In general, the EU rhetoric uses the “Russian” accusation. Both Jacques Baud and Doğru are alleged to have Russian connections. I had access to the EU’s so-called Evidence Pack, which essentially lists tweets as “evidence” without any reliable proof of a Russian connection. But as soon as you tell your German mainstream colleagues that Russia is behind it, the best-case scenario is silence; in some cases, it is even applauded. No questions are asked when the Foreign Office makes such claims. There is no systematic review, no fact-checking of the allegations. Without exaggerating, this is a journalistic scandal. This indifference in the BPK is striking. Outside the BPK, there were certainly critical voices, but hardly any within it. Structurally, it is the most conformist journalists who tend to join the BPK. During the last questioning of Jacques Baud, the Reuters chief reporter asked whether the federal government had overreacted in this specific case. That was the only critical question from this spectrum.
Milena Preradovic: And what was the answer?
Florian Warweg: Evasive. Essentially: Everything has been said on the matter.
Milena Preradovic: In other words: Please don’t ask any more questions.
Florian Warweg: Something like that. The spokesperson also seemed irritated that Reuters dared to ask such a question at all.
Milena Preradovic: Unbelievable. After all, there was considerable resistance in the case of Jacques Baud. There were petitions, and many people were outraged by the sanctions. After about a month, even the Swiss government felt compelled to intervene with the EU.
Florian Warweg: Yes, after about a month. But they did it – unlike the German government.
Milena Preradovic: Would you say they intervened?
Florian Warweg: That’s what the reports said. In fact, they pointed out the importance of freedom of speech and urged the EU to observe the principles of the rule of law in its dealings with its citizens. Not a sharp rebuke, but a clear signal.
Milena Preradovic: At least that shows that resistance is not futile. Back to the conformist capital city journalists: do they generally question the government’s actions or do they tend to demand information?
Florian Warweg: Much of it is purely gathering information. A dpa or Reuters representative needs a quotable statement for the ticker: Government spokesperson XY said XY. Structurally, the BPK is made up of journalists who are particularly close to power. These are also the ones who travel on government planes. Their main currency is informal access. Some hardly ask any questions in the BPK; their real moment comes after the official meeting is over, when the cameras are off and no minutes are being taken. Then they can obtain background information in a one-on-one conversation and later sell it as an exclusive. This system creates an internal censorship filter: anyone who knows that they will be sitting on a plane to Sri Lanka with the government spokesperson the day after tomorrow is unlikely to ask overly critical questions. Added to this is the desire not to jeopardize informal access. Even on topics such as Cum-Ex, which Spiegel and t-online, for example, have reported on critically, their representatives in the BPK hardly asked any questions—because it was a sensitive issue for Hebestreit and Scholz. It was largely hushed up in the BPK.
Milena Preradovic: They are probably also afraid that they will no longer be allowed to fly on the government plane. Angela Merkel and her office manager Baumann introduced this, I believe, as the first ones to do so: anyone who was too critical received a call from the publisher or the editorial office saying, “He’s not flying with us anymore.”
Florian Warweg: I had an example of this. It was a few years ago. A young colleague always sat there in the BPK and never asked any questions. I asked him, “Why are you sitting here and not asking anything?” He worked for a Japanese news agency, but he was German. He told me that at the very beginning he had asked a question about Assange—at that time, Assange was still in custody in Belmarsh. As a result, the Foreign Office contacted his agency via the Japanese embassy. His editor-in-chief explained to him that this was standard practice for sensitive topics: diplomatic channels were used to signal that certain questions should not be asked in this form. His contract was not renewed later. He said to me: “When I’m no longer there, you can tell this as an anecdote – but please don’t do so before then.” This shows that various control mechanisms are definitely at work in the BPK.
Milena Preradovic: Basically, this is a complete reinterpretation of journalism, isn’t it?
Florian Warweg: In a way, the stage is used to portray the government in a good light. Anything that contradicts this is brought into line, usually by subtle means, sometimes by less subtle means.
Milena Preradovic: Before you, Boris Reitschuster was the representative of the free media in the BPK. He was cut off, ignored, and marginalized. He was even reported for giving a speech in the courtyard without a mask. He is convinced that it was Tilo Jung from “Jung & Naiv” who reported him. Jung used to be more of a young rebel and is now more mainstream. How do you get on with your colleagues? What is your relationship like?
Florian Warweg: I wouldn’t really call it a relationship – and that’s not down to me. It’s often a bit like kindergarten. The Reuters colleague I mentioned has at least started to greet me shyly in recent months. Most of them tend to look down. They don’t usually say hello. However, you have to differentiate: this mainly affects German journalists. There are also foreign colleagues in the BPK – from Al Jazeera or the New York Times, for example – and they are completely relaxed in their dealings. They talk to you, just like many Latin American journalists. This aloof behavior is more of a German peculiarity. It signals: this is an elite circle, and you don’t really belong. Interestingly, the relationship with government and ministry spokespersons is sometimes more relaxed. They keep their distance in front of the camera, but afterwards they might hold the door open for you or smile at you.
Milena Preradovic: Does Mr. Giese smile at you too?
Florian Warweg: Mr. Giese doesn’t really. But there are other spokespeople who are much more relaxed and pass on information after the BPK. The openly displayed antipathy comes more from the plenary than from the podium.
Milena Preradovic: Has a government spokesperson ever said, “Well done, great question”?
Florian Warweg: It doesn’t go that far.
Milena Preradovic: I imagine you don’t drink coffee with your German colleagues or go to the cafeteria together.
Florian Warweg: Actually, no. There are a few retired colleagues who still come by from time to time; they have no problem with me. But those who actively work for RTL, ZDF, or large companies usually don’t seek contact. What’s interesting, though, is that the technical staff, such as camera operators, are completely uninhibited around me. They sometimes pat me on the shoulder and say they like my work—even when the editor in charge is standing right there. Obviously, they feel secure enough in terms of labor law to show that openly.
Milena Preradovic: Maybe guilt by association also plays a role. In Germany, that quickly becomes an issue. Maybe some people just don’t dare to talk to you.
Florian Warweg: Possibly. You’d have to ask them. Of course, I could also approach them proactively.
Milena Preradovic: Go ahead and do that. It wasn’t easy for you to get into the Federal Press Conference in the first place. You had to sue. Can you briefly describe how that went?
Florian Warweg: After I moved to NachDenkSeiten, the plan was for me to cover the BPK as a parliamentary correspondent. I applied, and at first they said they couldn’t accept me. I objected. Then they offered me a kind of probationary period: two weeks during which members could lodge objections. Despite its official name, the Federal Press Conference is a private association. It was explained that if there were objections from the membership, my admission could be revoked. Of the more than 900 accredited journalists, six objections were received. Two are known by name: Tilo Jung and Matthias Meisner from the Tagesspiegel. The result was: unfortunately, six objections – so no admission. We went to court. The court ruled in our favor by a two-thirds majority. It decided that, based on the principle of fundamental rights, I have the right to ask questions in the BPK, but do not have to become an official member. It was apparently important to the BPK that I not be able to attend member meetings or the Federal Press Ball. The BPK appealed this ruling in September 2023. It is now January 2026. The date has been postponed several times: first to 2024, then June 2025, then November 2025. Now it is set for April 15, 2026. It remains to be seen how things will proceed.
Milena Preradovic: So either someone there likes you, or they don’t quite dare to completely restrict freedom of expression or these fundamental rights articles.
Florian Warweg: Perhaps a little anecdote, because it’s telling. The judge wanted to know what specific reasons had been given to prevent my admission. You can’t just say, “I think Warweg is stupid.” It has to be something substantial. At first, they beat around the bush. Then they said they didn’t want to name names, but they presented excerpts from the reasons given. One of three—all at a similar level—was serious: a fellow journalist had argued that I should not be admitted because I had made fun of Foreign Minister Annalena Baerbock in a tweet. That was actually presented as an argument in court. Not only that, but it was claimed that I had made fun of her, yet no concrete evidence was even presented. That says a lot about the level of argumentation and the self-image with which they operate there.
Milena Preradovic: I’m speechless. I enjoy watching your excerpts from the federal press conference, but it sends a chill down my spine. Going into a hostile environment three times a week and knowing that it’s not going to be friendly – doesn’t that bother you on a personal level?
Florian Warweg: If that were all, maybe it would. But there’s also a “now more than ever” factor at play. Knowing that some people would rather not have you there tends to strengthen your spirit of resistance. And you have to put the heroic epic into perspective: The BPK takes place three times a week, but I usually only go on Wednesdays. Once a week is enough for me. Besides, there’s a lot of positive feedback outside the BPK, and that gives you strength. If my entire professional environment consisted solely of the BPK, it would probably have a different effect. But the positive feedback balances that out. And if I didn’t enjoy it at all, I wouldn’t go. There’s still a certain appeal.
Milena Preradovic: I do get the impression that you also enjoy seeing those horrified or angry faces up on the podium. Sometimes a smile flits across your face.
Florian Warweg: You probably need a smile to stick with it. Without a certain amount of enjoyment, I wouldn’t do the many interviews either. Fun is a basic element of fulfilling work.
Milena Preradovic: I only invite people I want to invite. I don’t have to deal with people who reject me. That’s a difference. Let’s move on to the topics you asked about. One big issue is the disastrous economic situation and the high number of bankruptcies—the highest in 20 years. How does the government explain this problem?
Florian Warweg: There was no real explanation. Instead, the emphasis was placed on everything the government was supposedly doing right. When I asked about the significant increase in company bankruptcies from 2024 to 2025, COVID-19 was actually cited as the main cause. That was the central argument. And it was remarkable that no other colleague asked critical questions. In the BPK, you have one question and one follow-up question. However, if another colleague also asks critical follow-up questions, new opportunities for questioning open up. With two or three consistent follow-up questions, considerably more pressure could be built up. But that only happens in exceptional cases. The topic of insolvencies in particular would have been a classic mainstream topic that any major media outlet could have picked up on. That didn’t happen.
Milena Preradovic: Free drinks on the government plane apparently come with obligations. Another topic that was less mainstream concerned the drone incidents, which were heavily hyped in the media. You presented a study that said there was no evidence of Russian responsibility. What was the reaction?
Florian Warweg: The study was essentially presented as a mere assertion on my part, even though it is verifiable. In March, officials stated in the indicative that Russia was behind it. One example cited was an incident in Frankfurt, which quickly turned out to be a hobby pilot testing his newly purchased drone. The study analyzed similar incidents across Europe and concluded that there is no reliable evidence of Russian control. In many cases, it was hobby pilots, in others misidentifications. When there is media hype, citizens see lights in the sky—from airplanes or helicopters, for example—and interpret them as “Russian drones” against the backdrop of the media coverage. This creates a kind of self-fulfilling prophecy. The federal government evaded my question and questioned the relevance or validity of the study, in some cases even its existence. There was no substantive discussion.
Milena Preradovic: Yes. And then, I just looked at it again, they referred to the hybrid threat in general – and that it comes from Russia, more or less. That was another answer that made me think: But you know what’s good about your recordings? Everyone can form their own opinion. You hear your question and you hear the answer. And I have to say: I don’t find these answers convincing. How often did you actually get concrete answers to your questions?
Florian Warweg: Very rarely, in fact. One example comes to mind: there was a reception in the Canadian Parliament. A Ukrainian emigrant to Canada was celebrated there as a hero of freedom because he had allegedly fought against the Russians. Later it turned out that he had been a member of an SS auxiliary corps. I asked whether the German ambassador had taken part in the standing ovation. And the answer was indeed: Yes, Mr. Warweg, we can confirm that she applauded. In terms of clarity, that was an exception. On many other issues, a clear answer would have been possible, but it was not forthcoming.
Milena Preradovic: You have been at the Federal Press Conference for a long time, including under previous governments. You still remember Steffen Seibert as government spokesman.
Florian Warweg: Exactly. Seibert, then Hebestreit, and now Cornelius. And don’t forget: all three originally come from journalism.
Milena Preradovic: With Seibert and also with Hebestreit, I had the impression that they didn’t particularly like you.
Florian Warweg: I don’t want to psychoanalyze them. But purely in terms of their demeanor, I would say that Hebestreit was the most openly hostile, followed by Seibert, with Cornelius being the most reserved. He seems more relaxed in his dealings with me—whether that’s due to his personal disposition or tactical reasons remains to be seen.
Milena Preradovic: Another issue is your Wikipedia entry. Among other things, it says that you serve a pro-Russian agenda. Even when you ask questions that are purely journalistic, they are framed accordingly. And NachDenkSeiten is described as a “conspiracy theory blog.” That’s outrageous.
Florian Warweg: Especially since there is no evidence for this. Wikipedia refers to a duty to provide evidence. If it says “conspiracy theory blog,” that would have to be clearly substantiated. But it isn’t. If you take your own standards seriously, you would either have to back up such assessments with reliable sources or label them as third-party opinions. Instead, negative framing is used, often without verifiable sources. That’s a separate issue: the influence of individual editors and the dynamics within Wikipedia.
Milena Preradovic: I created my own Wikipedia entry 25 years ago. Back then, you could still do that. And whenever something changed in my career, I updated it. Today, that’s impossible. It says that I am a “prominent hub of the German-speaking Intellectual Dark Web.” . That sounds almost flattering. But it refers to some obscure Swiss online portal. Your entry says, relatively high up: “His maternal grandfather was a member of the SED.” Completely out of context.
Florian Warweg: For me, that’s not a big deal, because I’ve often talked about the tension that existed in my family: My father was more of a dissident and spent two years in prison in the GDR. My maternal grandfather was a member of the SED and a Russian teacher in a village near Magdeburg, a staunch citizen of the GDR. This tension shaped me, also in the sense of “reading between the lines.” But taking something like this out of context naturally creates a certain association.
Milena Preradovic: To me, it seems like a poorly executed smear campaign.
Florian Warweg: The entire article is framed in a very negative light. Of course, it’s possible to report critically on me. But here, it’s almost exclusively negative framing, often without clear evidence.
Milena Preradovic: Then I say: an author and propagandist without talent. Maybe he’ll hear it. Florian, thank you very much for your remarkable work at the Federal Press Conference. I don’t envy you for the situation, but I admire you for your tenacity. Good luck with your new project at the Ostdeutsche Allgemeine Zeitung. Thank you for being here.
Florian Warweg: Thank you.
Milena Preradovic: Well folks, journalism is dead – long live journalism. Without free media, without critical questioning, and without space for critical voices, Germany would be journalistically impoverished. It is thanks to your support that we are able to do this job. One more small note: since the EU real-time verification for banks, there have been occasional messages saying “account cannot be verified.” Don’t worry—your support is reaching me. I wish you all the best. See you soon.
DANKE ihnen beiden – ihnen, herr warweg, wünsche ich von herzen gutes gelingen: möge die oaz das einhalten, was der bz-verlag bislang dazu angibt …
mich empört es immer wieder, daß ein privatverein wie die bpk sich ungestraft (und aus steuermitteln finanziert) so dicke tun kann –
nach über 10 jahren mitarbeit im öffentlich-rechtlichen sage ich aus eigener erfahrung, daß westdeutsche journalisten seit anfang der 00er jahre allesamt zum club der wirbellosen gehören – der aufrechte gang scheint (thinktank-versifft) den mainstreamern abhanden gekommen zu sein – eigenständiges denken: fehlanzeige; diener zweier herren geht eben nicht, das macht krumm –
die unverfrorenheit mit der die bpk-ler ihre verlautbarungsarbeit praktizieren verschlägt mir bei jedem video schier die sprache und dies seit beginn der konzertierten corona-aktion wortwörtlich –
der rosa elephant der bundespräsidial unterstützten maskendiktatur und das transgenerationale erbe der nazi-zeit bestimmen unseren alltag nach wie vor: systemrelevante berufsgruppen verletzen ihre eide (z.b. den hippokratischen und die remonstrationspflicht) und können uns wie einst adolf und seine mannen bislang unbehelligt in einen erneuten krieg gegen russland hetzen –
ein wort noch zu wikipedia: wir sollten uns daran erinnern, daß dieser verein einen der ersten corona-aufklärer, clemens arvay, geradezu in den tod gehetzt hat –
ihnen beiden nochmal ein herzliches dankeschön für ihre standhaftigkeit –
möge ihre übung weiterhin gelingen