Gefahr Stromnetz: Heuer fast 20 000 Notfälle – mit Stefan Spiegelsperger

5. Dez. 20252 Kommentare

Kurz vor der Katastrophe? Während sich Deutschland in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Ende des Zweiten Weltkriegs befindet, verbietet die EU günstiges russisches Gas ab 2027. Damit fallen knapp 20 Prozent Gas weg. Deutschlands Gasspeicher sind jetzt vor dem Winter auf einem historischen Tiefpunkt. „Und der Ausbau von Wind und Sonne verteuert Energie immens und bringt die Stromnetze immer näher an einen Blackout“, sagt Energie-Fachjournalist Stefan Spiegelsperger. „Dieses Jahr hatten wir bereits 17 600 Notfalleingriffe“, so der Betreiber des YouTube-Kanals „Energie Chiemgau“. Ein Gespräch auch über Stromspeicher als Problem, nicht als Lösung, die Warnung der Energieversorger vor Erneuerbaren und den Ärger der Nachbarn über Germanys Energiepolitik.

You-Tube-Kanal von Stefan Spiegelsperger: https://www.youtube.com/@OutdoorChiemgau/featured

Website mit Blackout-Vorsorge: https://www.outdoor-chiemgau.info/kontakt

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Milena Preradovic

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Interview mit Stefan Spieglsperger (deutsch)

Milena Preradovic: Während die deutsche Industrie wegen hoher Energiepreise und CO₂-Steuern in die Welt flieht, beschließt die EU jetzt das Komplettverbot von russischem Gas bis Ende 2027. Knapp 20 Prozent Gas fallen damit weg. Russisches Öl soll ebenfalls verboten werden. Das ist das Ende von 57 Jahren Energiepartnerschaft mit Moskau – 57 Jahre, in denen gerade Deutschland mit günstiger russischer Energie einen beispiellosen Aufstieg hingelegt hat. Jetzt, mitten im Abstieg, also das Verbot und die Erzählung: Nichts wird teurer. Auch dass Deutschlands Gasspeicher derzeit ziemlich leer sind, sei kein Problem. Mein Gast ist da eher skeptisch und sagt: Wir rasen gerade mit Vollgas in den Abgrund. Jetzt bei Punkt Preradovic. Hallo Stefan Spieglsperger, schön, dass du da bist.

Stefan Spieglsperger: Hallo, freut mich, dass ich da sein darf.

Milena Preradovic: Schön, dass wir uns endlich mal kennenlernen. Ich stelle dich kurz vor: Du bist Energieanlagenelektroniker und Fachjournalist. Mit den Themen Energie, Vorsorge, Stromversorgung und Energiewende beschäftigst du dich schon lange und hast dazu einen sehr erfolgreichen YouTube-Kanal namens „Energy Chiemgau“, auf dem du auch über mögliche Blackouts informierst und zeigst, wie sich Menschen vorbereiten können. Außerdem bist du ehrenamtlicher Helfer beim Technischen Hilfswerk, dem THW. Die EU hat nun beschlossen, russisches Gas ab Ende 2027 komplett zu verbieten. Gleichzeitig steigt im nächsten Jahr die CO₂-Steuer, und dennoch heißt es, Energie werde nicht teurer. Ergibt das für dich irgendeinen Sinn?

Stefan Spieglsperger: Natürlich nicht. Es ist immer so: Wenn du das Angebot verknappst und die Nachfrage gleich bleibt – das lernt man am ersten Tag in der Wirtschaftsschule –, dann steigt logischerweise der Preis. Wir haben keine alternativen Quellen, die uns Gas in ähnlicher Menge und zu ähnlich niedrigen Preisen liefern könnten. Allein durch die CO₂-Steuer wird der Gaspreis in den nächsten Jahren massiv steigen, genauso wie Benzin, Strom und alles andere, was mit Energie zu tun hat. Das kommt noch obendrauf.

Milena Preradovic: Energie zu verbieten hat ja generell mit Marktwirtschaft relativ wenig zu tun. Nun ist der Winter in diesem Jahr etwas früher gekommen als in den letzten Jahren, und die Gasspeicher in Deutschland sind alles andere als gut gefüllt: knapp über 60 Prozent statt rund 90 Prozent. Was bedeutet das bei einem kalten Winter?

Stefan Spieglsperger: Aktuell liegen wir bei 67,4 Prozent. Letztes Jahr um diese Zeit hatten wir einen Stand von über 90 Prozent. Wir sind also rund 23 Prozent niedriger als im Vorjahr. Wenn man sich die Kurve des letzten Jahres anschaut, sieht man das sehr deutlich. Damals sind wir beim niedrigsten Stand bei etwa 28 Prozent gelandet. Rechnet man die jetzigen 23 Prozent Unterschied herunter, kämen wir bei ähnlichem Verlauf auf etwa fünf Prozent. Ab etwa 20 Prozent spricht man bereits von einer Gasmangellage in Deutschland. Bei einem wirklich kalten Winter könnten die Gasspeicher Ende Januar oder Ende Februar sogar komplett leer sein. Das ist ein realistisches Szenario.

Milena Preradovic: Ist das schon einmal passiert?

Stefan Spieglsperger: Nein, das ist noch nie passiert, und ich hoffe auch, dass es nicht passiert. Aber die Gefahr ist da. Meines Erachtens würde das massive Auswirkungen haben. Wenn die Energiepreise steigen, wird alles teurer. Das haben wir vor zwei, drei Jahren schon erlebt, als plötzlich selbst Grundnahrungsmittel wie Butter deutlich teurer wurden. So etwas könnte wiederkommen, möglicherweise sogar schlimmer. Das weiß niemand genau. Der Verband der Gasspeicherbetreiber, Ines, hat berechnet, dass bei einem kalten Winter Ende Januar die Speicher praktisch leer wären. Ohne Speicher könnten wir unsere Energieversorgung nicht aufrechterhalten. Wir verstromen sehr viel Gas. Das alles wäre dann nicht mehr möglich. Es würde zu Einsparungen kommen, beginnend bei der Industrie, über Schwimmbäder, Skilifte und andere Bereiche, bis hin zu extrem steigenden Gas- und Strompreisen. Damit wären wir faktisch gezwungen, Gas zu sparen.

Milena Preradovic: Aber warum ist das überhaupt so? Warum sind die Gasspeicher nicht wie sonst zu 90 Prozent gefüllt? Wo liegt das Problem?

Stefan Spieglsperger: Das ist relativ einfach zu erklären und liegt an den Marktmechanismen. Normalerweise haben wir im Sommer niedrige Gaspreise und im Winter höhere. Unternehmen kaufen im Sommer günstig ein, speichern das Gas und verkaufen es im Winter teurer. So funktionierte das Geschäft bisher. Dieses Jahr war es umgekehrt: Im Sommer war Gas teurer als jetzt. Das bedeutet, dass Gas, das aktuell ausgespeichert wird, mit Verlust verkauft wird. Darauf haben Unternehmen verständlicherweise keine Lust. Deshalb wird so wenig eingespeichert.

Milena Preradovic: Ich habe dazu einen Bericht gelesen, in dem stand, Gasspeicherung sei im Grunde überholt, weil Katar und die USA ihre Kapazitäten ausbauen. Würde Gas durch ein höheres Angebot dann billiger? Ist da etwas dran, nach dem Motto: Dann kauft man eben kurzfristig Gas aus den USA oder Katar?

Stefan Spieglsperger: Das Problem ist: Wir haben kein WLAN-Gas. Gas muss physisch zu uns kommen. Die Anzahl der LNG-Schiffe ist massiv begrenzt. Das haben wir 2023 bereits gesehen. Europa hat damals mehr bezahlt als andere Länder, weshalb es zum Beispiel in Pakistan zu Blackouts kam, weil dortige Gaskraftwerke kein Gas mehr bekommen haben. Momentan können wir uns das noch leisten. Wie lange, weiß niemand. Die Kapazitäten sind begrenzt, und komplett ohne Speicher wird es definitiv nicht gehen. Sonst kommt es zu Abschaltungen.

Milena Preradovic: Zum Einkauf habe ich wiederum andere Berichte gelesen. Die sagen, Deutschland bringe sich in eine schlechte Verhandlungsposition, wenn es selbst nur noch Gas für kurze Zeit hat. Dann wird man erpressbar. Hinzu kommt die Problematik, dass Katar und die USA der EU mit der Nichtlieferung von LNG-Gas drohen – wegen des Lieferkettengesetzes. Unternehmen müssten bis ins Kleinste nachweisen, wie nachhaltig und menschenfreundlich ihre Produkte hergestellt werden. Wenn sich die EU darauf versteift: Ist die Energiesicherheit dann wirklich gefährdet, für Deutschland oder für die EU insgesamt?

Stefan Spieglsperger: Man muss sich das konkret vorstellen. Angenommen, Katar macht 50 Milliarden Euro Umsatz mit Gasexporten. Davon gehen fünf Milliarden in die EU, also zehn Prozent. Wenn Katar das Lieferkettengesetz nicht einhält – was praktisch kaum möglich ist –, müsste das Unternehmen auf seinen weltweiten Jahresumsatz bis zu fünf Prozent Strafe zahlen, nicht nur auf den europäischen Anteil. Dann reden wir über zweieinhalb Milliarden Euro. Da sagt man natürlich: Warum soll ich diese Strafe zahlen? Das lohnt sich nicht, dann liefere ich eben nicht. Genau deshalb haben sich der Energieminister der USA und der Energieminister von Katar zusammengeschlossen und einen sehr deutlichen Brief an die EU-Kommission geschickt. Das betrifft nicht nur Gas, sondern künftig alle Branchen: Autos, Batterien, Solarindustrie. Alles unterliegt diesem Regelwerk. Außereuropäische Unternehmen können das kaum erfüllen und sagen dann schlicht: Unser Gas geht woanders hin, aber nicht nach Europa.

Milena Preradovic: Verrückt. Diese Hybris, dieses Gefühl selbst überschätzter Wichtigkeit, habe ich oft den Eindruck. Deutschland verfolgt ja weiter die sogenannte Energiewende. Laut Daten der Internationalen Energieagentur sind die Strompreise in Ländern mit viel Solar- und Windstrom am höchsten. Je mehr erneuerbare Energien hinzukommen, desto höher werden die Strompreise. In Ländern mit weniger erneuerbaren Energien sind sie deutlich niedriger, auch in Industrieländern. Woran liegt das?

Stefan Spieglsperger: Das hat mehrere Gründe. Erstens wird uns immer erklärt, Solar sei so billig. Natürlich kann ich der Billigste sein, wenn ich weiß, dass ich mein Geld unabhängig vom Marktpreis bekomme. Nehmen wir ein Beispiel: Ich bin Tomatenhändler. Normal kostet ein Kilo Tomaten zehn Euro. Ich verkaufe sie für drei Euro und rühme mich, der Billigste zu sein, weil ich weiß, dass mir der Staat trotzdem zwölf Euro pro Kilo zahlt – egal, zu welchem Preis ich verkaufe. Laut Philipp Zimmermann, Staatssekretär bei Robert Habeck, zahlt das nicht der Bürger, sondern entlastet ihn. Tatsächlich zahlt es der Steuerzahler. Ich habe gelernt: Ich bin kein Bürger, ich bin Steuerzahler. Das hat uns letztes Jahr 18,3 Milliarden Euro gekostet, im Schnitt rund 460 Euro pro Steuerzahler zusätzlich zur Stromrechnung, damit Wind- und Solarstrom angeblich billig sind. Zweitens müssen Wind und Solar ins Netz integriert werden. Im Stromnetz gilt Regel Nummer eins: Der Strom, den wir jetzt verbrauchen – für Licht, Bildschirm oder anderes –, muss exakt in diesem Moment produziert werden. Nicht in fünf oder zehn Sekunden und schon gar nicht im Jahresdurchschnitt. Umgekehrt muss der Strom, der produziert wird, auch exakt jetzt abgenommen werden. Wenn Wind und Solar viel liefern, haben wir oft eine Überproduktion, die wir gar nicht brauchen. Diese muss abgeregelt werden. Das sind die sogenannten Redispatch-Maßnahmen, die immer mehr werden und uns allein im letzten Jahr zusätzliche 2,8 Milliarden Euro gekostet haben.

Milena Preradovic: Das heißt, da werden dann zum Beispiel Windräder stillgelegt.

Stefan Spieglsperger: Genau. Das hat man vielleicht schon gesehen: ein Windpark mit 15 Windrädern, es weht kräftig Wind, aber nur drei drehen sich. Das ist ein sogenannter negativer Redispatch. Wir haben zum Beispiel im Norden zu viel Wind und damit zu viel Strom. Der Strom kann aber nicht abtransportiert werden oder wird nicht gebraucht. Deshalb müssen die Anlagen abgeregelt werden.

Milena Preradovic: Die Betreiber bekommen aber trotzdem ihr Geld – von uns Bürgern, also vom Steuerzahler.

Stefan Spieglsperger: Ganz genau. Nicht vom Bürger, sondern vom Steuerzahler wird ganz normal weitergezahlt. Eine Ausnahme bilden neuere Anlagen: Die bekommen dann nichts mehr, wenn der Strompreis unter null fällt. Das wird sich noch massiv auswirken, das ist vielen noch gar nicht bewusst. Ansonsten bezahlt der Steuerzahler das weiterhin. Das ist eben dieser negative Redispatch. Und wo war ich jetzt?

Milena Preradovic: Du hattest gesagt, es gibt drei Gründe.

Stefan Spieglsperger: Genau. Der erste Punkt ist dieser Redispatch, weil wir immer mehr Strom produzieren, als wir verbrauchen können. Den überschüssigen Strom können wir ins Ausland abgeben. Das ist der nächste Punkt. Durch das Überangebot fällt der Strompreis bei uns teilweise auf null oder sogar unter null. Das heißt, wir bekommen für den exportierten Strom kein Geld, wir verschenken ihn nicht einmal, sondern wir zahlen sogar dafür. Wir reden hier von mehreren Milliarden Euro pro Jahr. Länder wie Österreich freuen sich darüber, weil dortige Händler offen sagen, Deutschland subventioniert Österreich mit etwa ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde. Dadurch ist der Strom dort günstiger, weil wir das mit unseren Exporten bezahlen. Auch das kommt noch obendrauf. Teuer sind also die Integrationskosten und teuer ist die staatliche Förderung. Deshalb wird in den meisten Ländern, die immer mehr Wind- und Solarstrom haben, der Strompreis steigen, weil die Integrationskosten überproportional wachsen. Das wird bei uns in den nächsten Jahren genauso passieren.

Milena Preradovic: Wahnsinn. Und dann wird auch noch jedes Jahr die CO₂-Steuer erhöht. Großartig. Ich habe bei dir außerdem gesehen, du hast es vorhin schon kurz erwähnt, dass es in Deutschland einen neuen Rekord bei der Gasverstromung gibt. Heißt das, der Stromverbrauch steigt?

Stefan Spieglsperger: Nein, der Stromverbrauch steigt nicht. Aber wir haben zum Beispiel keine Atomkraftwerke mehr. Die haben früher rund um die Uhr Strom geliefert. Das müssen wir jetzt ersetzen. Wenn Windstille herrscht und keine Sonne scheint, müssen wir das durch Gaskraftwerke ausgleichen. Deshalb verstromen wir immer mehr Gas. Ich habe mir das einmal konkret angeschaut und berechnet. Ich habe mir zum Beispiel den 25. Mai herausgenommen. Das war nicht einmal der höchste Wert, aber ein typischer Tag mit Dunkelflaute. Dunkelflaute bedeutet: wenig Wind und kaum Sonne. Unsere Hauptenergieerzeuger liefern dann fast keinen Strom. An diesem Tag haben Wind onshore, offshore und Solar zusammen nur 12,4 Prozent des Stroms erzeugt. Aus Gas kamen fast 30 Prozent. Das entspricht rund 393 Gigawattstunden Strom aus Gas. Bei der Umwandlung von Gas in Strom hat man aber Verluste von 40 bis 60 Prozent. Das heißt, wir haben an diesem Tag rund 787 Gigawattstunden Gas verstromt. Es heißt ja immer, die LNG-Terminals retten uns. An diesem Tag haben sie aber nur etwa ein Drittel davon geliefert, rund 250 Gigawattstunden. Wir haben also an diesem Tag dreimal so viel Gas verstromt, wie über die LNG-Terminals hereingekommen ist.

Milena Preradovic: Wahnsinn. Dabei gilt Gas ja auch als böse und soll verschwinden. Viele Städte wollen ihre Gasleitungen ganz offensiv zurückbauen. Es wird immer verrückter. Gleichzeitig soll alles auf Strom umgestellt werden: Auto, Heizung. Das Heizgesetz von Habeck ist ja auch nicht abgeschafft worden, wie versprochen. Man fragt sich natürlich, woher dieser ganze Strom kommen soll. Von noch mehr Windrädern? Mir hat einmal ein Physiker erklärt, dass die sich irgendwann gegenseitig den Wind wegnehmen.

Stefan Spieglsperger: Das passiert bereits – und zwar massiv. Die Belgier beschweren sich bei den Niederländern, dass diese ihnen den Wind klauen. Solche Effekte gibt es inzwischen bei Offshore-Windparks mit Ertragsverlusten von acht bis zwölf Prozent pro Jahr. Mit noch mehr Windrädern wird das Problem größer. Physikalisch ist das also gar nicht beliebig skalierbar. Wenn du mich fragst, woher der Strom kommen soll: Diese Antwort konnte mir noch niemand geben. Ich habe viele Professoren gefragt, auch solche, die sehr pro Energiewende sind. Niemand konnte mir sagen, wie das 2030, also in vier bis fünf Jahren, bei einer Dunkelflaute funktionieren soll. Wenn wirklich alles auf Strom umgestellt würde – was ich ohnehin bezweifle –, dann wird es zu Brownouts kommen. Das heißt, Menschen müssten zeitweise vom Stromnetz getrennt werden, weil nicht genug Strom da ist. Kohle- und Gaskraftwerke neu zu bauen dauert Jahre, Genehmigungen fehlen, und geplant sind bislang nur zwölf Gigawatt.

Milena Preradovic: Genau.

Stefan Spieglsperger: Das entspricht etwa der Leistung von neun Atomkraftwerken. Tatsächlich bräuchte man aber rund 22 Gigawatt, also fast das Doppelte. Selbst das würde nicht reichen. Das wissen wir heute schon, aber es scheint niemanden zu interessieren.

Milena Preradovic: Brownouts sind also kontrollierte Blackouts, kann man das so sagen?

Stefan Spieglsperger: Ja. Brownouts bedeuten, dass gezielt einzelne Gebiete vom Netz getrennt werden. Ein Blackout ist großflächig, betrifft Millionen Menschen und dauert oft mehrere Tage, wie kürzlich in Spanien, als ganz Spanien und Portugal ein bis zwei Tage ohne Strom waren. Das war ein Blackout. Ein Brownout wäre zum Beispiel, wenn man gezielt eine Stadt wie Hamburg vom Stromnetz trennt.

Milena Preradovic: Ich habe den Eindruck, mit dem neuen Klimagesetz wird genau darauf zugesteuert.

Stefan Spieglsperger: Wenn es darum geht, Strom zu sparen, würde ich als Erstes an Hamburg und Berlin denken. Die Hamburger scheinen das ja zu wollen. Die Berliner haben sich dagegen entschieden, aber Hamburg offenbar nicht.

Milena Preradovic: Verrückt. Kohle soll weg, Kernkraft ist weg, Gas soll zwar als Backup für Wind und Solar dienen, ist aber auch nicht wirklich verfügbar.

Stefan Spieglsperger: Und man muss sich überlegen: Ich brauche ein Gaskraftwerk vielleicht bis 2037, soll es aber laut aktueller Planung bis 2045 schon wieder abbauen. Das heißt, es lohnt sich wirtschaftlich überhaupt nicht. Ohne milliardenschwere staatliche Zuschüsse baut das niemand.

Milena Preradovic: Also wird auch hier wieder kräftig subventioniert, wie bei Wind und Sonne.

Stefan Spieglsperger: SPD-Politiker haben erklärt, dass diese Zuschüsse rund 60 Milliarden Euro kosten werden. Genau weiß das natürlich noch niemand.

Milena Preradovic: Meine Güte. Was bedeutet das alles für die Stabilität der Stromnetze?

Stefan Spieglsperger: Man muss hier grundsätzlich unterscheiden. Die Einteilung in erneuerbar und nicht erneuerbar ist elektrotechnisch unsinnig. Entscheidend ist, ob Kraftwerke mit Generatoren arbeiten oder nicht. Kohle-, Atom-, Gas-, Wasser- und Biomassekraftwerke nutzen rotierende Generatoren und erzeugen Strom rein physikalisch. Wind- und Solaranlagen arbeiten hingegen mit sogenannten Wechselrichtern. Das sind elektronische Systeme, die den erzeugten Strom an Frequenz und Spannung des Netzes anpassen. Diese elektronischen Kraftwerke haben in ihrer heutigen Auslegung erhebliche Nachteile, wenn ihr Anteil im Netz zu groß wird. Was dann passiert, haben wir am 28. April in Spanien gesehen. An diesem Tag gab es dort einen Blackout, weil so viel Wind- und Solarstrom im Netz war wie nie zuvor. Gleichzeitig waren von fünf Atomkraftwerken zwei in Revision. Schon ab dem 15. April hatte es mehrere Vorfälle gegeben, bei denen es fast zum Blackout gekommen wäre. Am 28. April ist es dann passiert, weil diese elektronischen Kraftwerke die sogenannte Blindleistung nicht ausreichend steuern können. Blindleistung ist vereinfacht gesagt die Spannung im Netz. Ich erkläre das gerne mit einem Weißbierglas: Das Bier selbst ist die Wirkleistung, also das, was Geräte tatsächlich antreibt. Der Schaum oben drauf ist die Blindleistung. Den braucht man trotzdem, auch wenn er nicht „nass macht“. Ist die Schaumkrone zu groß, hat man zu hohe Spannung, ist sie zu klein, zu niedrige Spannung. Mechanische Kraftwerke können diese Balance sehr gut regeln. Elektronische Kraftwerke haben feste Parameter. Wenn etwas aus dem Ruder läuft, können sie das nicht mehr ausgleichen. In Spanien führte das dazu, dass auf einer 400.000-Volt-Leitung plötzlich 470.000 Volt anlagen. Um Schäden zu verhindern, musste man das Netz großflächig abschalten. Andernfalls wären Generatoren durch Überspannung zerstört worden. Genau das ist das große Problem: Diese elektronischen Kraftwerke können die Blindleistung nicht zuverlässig steuern.

Milena Preradovic: Okay. Jetzt warnt ja auch der E.ON-Chef in Deutschland, dass die Stromnetze an ihre Grenzen geraten, und der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse dringend gebremst werden. Was passiert, wenn sie nicht gebremst werden? Nachdem es dieses Jahr so aussieht: Haben wir dann auch bald einen Blackout?

Stefan Spieglsperger: Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch. Wir hatten schon einmal etwas Ähnliches, nämlich am 19.08.2024 gegen 8:00 Uhr morgens. Da war zu wenig Windstrom im Netz, dadurch gab es Schwingungen – ähnliche Schwingungen wie in Spanien kurz vor dem Blackout, die man übrigens auch bei uns gemessen hat. Die Gefahr, dass so ein Ereignis nach Deutschland „überschwappt“, war relativ hoch. Es ist vor allem deshalb nicht passiert, weil Frankreich mit seinen vielen Atomkraftwerken dazwischenliegt. Diese Generator-Kraftwerke können Blindleistung sehr gut steuern. Deshalb ist das nicht zu uns durchgeschlagen. Wäre Deutschland direkter Nachbar von Spanien, wäre es sehr wahrscheinlich ein europaweiter Blackout geworden, weil viele Länder nicht mehr in dem Maße solche Kraftwerke im Netz haben, wie Frankreich sie noch hat.

Milena Preradovic: Bitte.

Stefan Spieglsperger: Und je mehr wir diese elektronischen Kraftwerke im Netz haben, desto größer wird das Problem. Zum einen haben wir Phasen, in denen wir viel zu viel Strom haben – die sogenannte Hellbrise, wenn Sonne scheint und gleichzeitig Wind geht. Dann haben wir Überschüsse, die man nicht wegtransportieren kann und teilweise nicht schnell genug abregeln kann. Zum anderen haben wir die Dunkelflaute, also zu wenig Erzeugung. Das frühere Gleichgewicht, das wir hatten, ist nicht mehr da. Deswegen müssen die Netzbetreiber inzwischen massiv eingreifen. Früher waren das vielleicht 3.000 bis 6.000 Eingriffe pro Jahr. Dieses Jahr liegen wir bereits bei über 17.600 Notfalleingriffen – Redispatch-Maßnahmen –, damit das Netz überhaupt stabil bleibt.

Milena Preradovic: Das ist natürlich richtig viel. Da werden ja auch Kohlekraftwerke kurzfristig angeschmissen, oder?

Stefan Spieglsperger: Ja. Das eine Thema sind die Kosten. Viel schlimmer ist aber, was das mit der Netzstabilität macht. Irgendwann ist es einfach zu viel. Und jedes neue Windrad und jede neue Solaranlage, die ans Netz geht, verschärft die Situation derzeit massiv.

Milena Preradovic: Deutschland ist ja nicht allein im europäischen Stromnetz. Da hängt vieles zusammen. Jetzt beklagen sich die Skandinavier, dass Deutschlands Energiepolitik auch bei ihnen die Preise steigen lässt. Warum?

Stefan Spieglsperger: Das stimmt. Wenn wir Dunkelflaute haben und bei uns zu wenig Strom verfügbar ist, ziehen wir Strom aus den Nachbarländern, weil sich das System irgendwo ausgleichen muss. Unsere wichtigen Lieferanten sind dabei skandinavische Länder – Norwegen und Schweden. Ich habe mir das bei einer Dunkelflaute im November letztes Jahr genauer angeschaut. Schweden hat verschiedene Strompreiszonen: In Mittelschweden lag der Preis bei sieben Euro pro Megawattstunde, in Südschweden bei 700 Euro – also das Hundertfache. Stell dir vor, du zahlst 0,30 Euro pro Kilowattstunde und dein Nachbar plötzlich 30 Euro pro Kilowattstunde. Die schwedische Energieministerin sagte damals sogar, eine Dusche – weil dort vieles elektrisch läuft – habe nur an Strom rund fünf Euro gekostet. Das ist natürlich heftig.

Milena Preradovic: Wahnsinn.

Stefan Spieglsperger: Und deshalb haben Schweden und Norwegen neue Leitungen, die von Deutschland nach Norwegen geplant waren, inzwischen gecancelt. Ursprünglich ging es darum, unseren überschüssigen Windstrom dorthin zu schicken – den sie gar nicht wollen –, und im Gegenzug bei Dunkelflaute Strom aus deren Wasserkraft zu beziehen. Beide Länder haben gesagt: Das machen wir so nicht mehr. Norwegen geht sogar noch weiter: Es gibt eine Leitung, die über Norwegen nach Dänemark führt und auch uns indirekt mitversorgt. Zwei Leitungen, die nächstes Jahr nach rund 50 Jahren erneuert werden müssten, werden sehr wahrscheinlich nicht erneuert, sondern abgeschaltet. Das heißt, die wollen stromtechnisch immer weniger mit uns zu tun haben. Der norwegische Energieminister hat in einem Interview in der Financial Times wortwörtlich von einer „scheiß Situation“ gesprochen. Wenn du so etwas von einem Minister liest, dann weißt du, wie ernst das ist. Und ja: Bei denen steigen die Strompreise – wegen unserer Energiewende, um es klar zu sagen.

Milena Preradovic: Wenn die Skandinavier sich abkoppeln, bedeutet das für Deutschland, dass wir bei einer Dunkelflaute weniger „raussaugen“ können?

Stefan Spieglsperger: Wir haben natürlich noch Leitungen, ganz so ist es nicht. Aber wir wollten viel mehr dieser Transportkapazitäten aufbauen, damit wir weniger Windstrom abregeln müssen und stattdessen nach Norwegen schicken können. Norwegen will das nicht, weil sie sagen: Wir haben eigene Kraftwerke, die müssen auch wirtschaftlich laufen. Negative Strompreise kennen die in diesem Ausmaß gar nicht. Wenn bei uns dann aber kein Wind weht, müssen sie wieder liefern – und dann schlagen sie diese Kosten auf ihren Strompreis drauf. Am Ende zahlen die Bürger dort, und die Politik zieht Konsequenzen.

Milena Preradovic: Es heißt ja immer von den Fans der Energiewende: Wenn wir erst funktionierende Stromspeicher haben, dann wird alles gut. Wie siehst du das?

Stefan Spieglsperger: Da hilft ein Taschenrechner. Wir haben derzeit Batteriespeicher von etwa 19 Gigawattstunden. Wir verbrauchen aber pro Stunde irgendwo 50 bis 60 Gigawattstunden. Da sieht man schon: Das reicht nicht lange. Der nächste Punkt: Ein Großteil der Speicher ist privat, also für Eigenverbrauch im Haus. Die helfen dem Netz kaum. Netzdienlich verhalten sich vielleicht drei bis vier Gigawattstunden.

Milena Preradovic: Also praktisch nichts.

Stefan Spieglsperger: Und ich war vor kurzem beim Strommarktforum der Übertragungsnetzbetreiber. Dort haben alle vier Netzbetreiber unisono gesagt, dass Speicher inzwischen ein riesiges Problem geworden sind – aus einem simplen Grund: Ein Batteriespeicher kann seine Leistung binnen Millisekunden von null auf hundert ins Netz geben. Andere Erzeuger können das nicht. Windräder und viele Anlagen brauchen 15 bis 30 Minuten, um in ihrer Leistung zu reagieren, klassische Kraftwerke oft Stunden. Der Speicher macht das sofort. Und weil unsere aktuellen Netzberechnungs- und Steuerungsprozesse dafür nicht ausgelegt sind, verschärfen Speicher die Netzprobleme derzeit teilweise, statt sie zu lösen.

Milena Preradovic: Betrifft das die privaten Speicher, die einfach ins Netz drücken?

Stefan Spieglsperger: Das betrifft auch Großspeicher. Die privaten Speicher sind häufig eher für das eigene Haus, aber die Großspeicher, die uns „retten“ sollen, sind das eigentliche Thema. Die reagieren zu schnell. Man müsste sie anders programmieren und anders in die Netzführung integrieren, technisch geht das – aber es ist nicht umgesetzt. Ein Speicherbetreiber hat es so beschrieben: Er bekommt eine Abrufanfrage, irgendwo in Deutschland wird Strom gebraucht, dann liefert er. Das Problem ist nur: Wir brauchen den Strom vielleicht im Süden, der Speicher steht aber im Norden, und die Leitungen sind überlastet. Dann speist er ein, aber der Strom kommt nicht dahin, wo er gebraucht wird. Der Engpass wird schlimmer, und Redispatch-Korrekturen dauern bis zu zwei Stunden. Der Speicher reagiert in Millisekunden, das Netz braucht für die Korrektur Stunden – das wird in Zukunft sehr schwierig.

Milena Preradovic: Oh Gott.

Stefan Spieglsperger: Genau das ist die Realität, und das wird noch „lustig“, wenn das weiter so läuft.

Milena Preradovic: Wie viel stabiler wären die Netze denn, wenn die letzten drei Kernkraftwerke, die abgeschaltet wurden, noch am Netz wären? Wäre das ein großer Unterschied?

Stefan Spieglsperger: Ja, natürlich. Nehmen wir wieder Spanien als Beispiel: Von fünf Kraftwerken waren nur noch drei am Netz, und dadurch fehlte Momentanreserve und auch Blindleistungsregelung. Das war nicht der einzige Grund, aber es war ein wichtiger Teil. Drei Kernkraftwerke, die bei Dunkelflaute liefern und diese große Momentanreserve – also Schwungmasse – haben, stabilisieren das Netz erheblich. Bei Isar 2 zum Beispiel reden wir über eine Schwungmasse von rund 660 Tonnen. Wenn eine Frequenzspitze kommt, musst du diese Masse abbremsen oder beschleunigen, das kostet Kraft – und genau dadurch werden Schwingungen gedämpft. Solche Generatoranlagen reduzieren Netzschwingungen, sie stabilisieren die Frequenz und sie steuern die Blindleistung deutlich besser als elektronische Einspeiser. Das müssen wir jetzt ersetzen, zum Beispiel durch sogenannte STATCOM-Anlagen. Die werden aber erst gebaut, sind teilweise noch in der Testphase und noch nicht in der Verfügbarkeit, die wir bräuchten.

Milena Preradovic: Was für Anlagen meinst du?

Stefan Spieglsperger: Das sind spezielle Anlagen, die Blindleistung regeln und Momentanreservefunktionen bereitstellen können. Technisch ist vieles machbar, aber es ist eben noch nicht flächendeckend verfügbar. Und das ist unser großes Problem: Wir hätten diese Technik gebraucht, bevor wir Atomkraftwerke abschalten und bevor wir Kohlekraftwerke abschalten. Wir haben aber Schritt zwei vor Schritt eins gemacht. Deshalb haben wir jetzt diese großen Probleme im Netz.

Milena Preradovic: Und Kernenergie ist in Deutschland jetzt richtig „pfui“ geworden. Die Nachbarn machen dagegen mobil: In Dänemark hat sich eine Nuklearallianz aus Unternehmen, Gewerkschaften, Stiftungen und Forschern gebildet, die einen technologieneutralen Ansatz für Kernenergie in Dänemark und Europa unterstützt. Frankreich hat, glaube ich, 56 Kernkraftwerke und baut neue. Polen will einsteigen. Weltweit sind neue Kernkraftwerke, neue Generationen, im Aufwind – es wird gebaut und geforscht. Was bedeutet das am Ende für den Verweigerer Deutschland, wenn alle Kernkraft haben, nur Deutschland nicht?

Stefan Spieglsperger: Man muss sich diese – ich nenne es mal – Idiotie anschauen: Wir haben unsere eigenen Atomkraftwerke abgeschaltet. Wenn man die einzelnen Posten zusammenrechnet – das kann jeder bei der Bundesnetzagentur nachsehen, die haben dafür sogar eine eigene Folie –, dann ist das, was wir derzeit am meisten an Strom importieren, Atomstrom. Ohne den geht es quasi nicht. Außerdem „leihen“ wir uns, wenn wir zu viel Wind- und Solarstrom im Netz haben, die Momentanreserve und die Blindleistungssteuerung zum Beispiel von Atomkraftwerken in Frankreich und von Kohlekraftwerken in Polen, weil wir das selbst nicht mehr ausreichend haben. Andernfalls käme es bei uns zu einem Blackout wie in Spanien. Die Spanier haben das Problem, dass sie nur wenige Nachbarn haben. Wir haben das Glück, viele Nachbarn zu haben, die uns ihre Momentanreserve zur Verfügung stellen – um es mal freundlich zu formulieren.

Milena Preradovic: Wir haben gerade über die Skandinavier gesprochen, die schon ziemlich stinkig auf Deutschland sind. Wie sieht das mit den anderen Nachbarn aus, mit Polen, mit Frankreich? Finden die das gut? Verdienen die gut daran – oder mögen die Deutschlands Energiepolitik auch nicht?

Stefan Spieglsperger: Die Österreicher verdienen gut daran. Das Problem ist aber: Sie fahren ihre Kraftwerke sehr hart, um möglichst viel Geld mitzunehmen und gleichzeitig das Netz zu stabilisieren. Beim Kraftwerk Kaprun ist ein neuer großer Speicher erst vor Kurzem ans Netz gegangen – und beide Generatoren waren innerhalb von zwei Monaten defekt: einer im Oktober, der andere im November. Das ist natürlich ein massives Problem. Diese Anlagen stehen jetzt voraussichtlich die nächsten zwei Jahre nicht zur Verfügung. Ohne sie wird es für uns noch schwieriger, weil Österreich bislang einen Teil unserer Überschüsse aufgenommen hat – die Kostenfrage einmal außen vor. Wir hatten dort einen Abnehmer für den zu viel produzierten Strom, und der fällt jetzt teilweise weg.

Milena Preradovic: Verstehe.

Stefan Spieglsperger: Und wir können diese vielen kleinen Anlagen in Deutschland – über fünf Millionen Anlagen mit zusammen über 50 Gigawatt Solar – praktisch gar nicht steuern. Wir können sie nicht einfach abschalten. Die liefern, wenn die Sonne scheint. Das ist inzwischen ein riesiges Problem. Im Moment ist „zu viel Strom“ oft das größere Problem als „zu wenig Strom“. Genau das hat auch Birnbaum, also der E.ON-Chef, in seinem Interview im Kern erklärt.

Milena Preradovic: Ja, und ich glaube, der Mann ist vom Fach. Im Gegensatz zu manch anderem.

Stefan Spieglsperger: Er traut sich jetzt offenbar, das auch deutlicher zu sagen. Er war schon vor zwei Jahren einer der wenigen, die die Energiewende kritisiert haben. Aber jetzt, nach der Zusammenarbeit mit Ministerin Reiche, scheint er endgültig aus der Deckung zu kommen.

Milena Preradovic: Was wäre für dich eigentlich die perfekte Energieversorgung?

Stefan Spieglsperger: Die perfekte Energieversorgung wäre auf jeden Fall: wieder mehr Kraftwerke mit Generatoren im Netz. Ich würde sagen, mindestens in dem Rahmen, wie Spanien das jetzt umsetzt. Nach dem Blackout dürfen dort maximal noch 60 Prozent Wind und Solar gleichzeitig am Netz sein. Die haben daraus gelernt. Ich halte diese Grenze für sinnvoll. Laut Aussagen der Netzbetreiber sollte es eher 70 Prozent sein. Wir haben teilweise 85 Prozent Wind und Solar im Netz. Das geht nur deshalb „gut“, weil wir uns von den Nachbarn Blindleistungssteuerung und Momentanreserve ausleihen. Aber das wollen die natürlich nicht dauerhaft mitmachen. Es gibt Länder wie Polen und Tschechien, die bereits Netzschalter eingebaut haben, um sich im Notfall von uns trennen zu können. Wenn man darüber nachdenkt, müsste man eigentlich den ganzen Tag schreiend durch die Gegend laufen, bei dem, was in unserem Stromnetz gerade passiert.

Milena Preradovic: Wenn man das alles hört, denkt man: Ein Blackout könnte jederzeit um die Ecke kommen. Wie bist du eigentlich vorbereitet? Das ist ja eines deiner großen Themen.

Stefan Spieglsperger: Wenn es diese Gefahr gibt, sollte man sich vorbereiten. Genau dabei helfe ich meinen Zuschauern. Die meisten sind inzwischen ganz gut vorbereitet. Und ganz ehrlich: Wenn der Blackout jetzt käme, wäre das Erste, was ich machen würde, mir einen Kaffee zu machen. Die Notstromversorgung war tatsächlich zuerst für meine Kaffeemaschine ausgelegt – ohne Kaffee geht es nicht.

Milena Preradovic: Aber du hast dann schon Generatoren oder etwas Dieselbetriebenes, das dich mit Strom versorgt?

Stefan Spieglsperger: Ich habe Solaranlagen mit Powerbanks dahinter. Ich habe natürlich auch Stromgeneratoren. Und im Notfall würde ich mit meinem Camper, wenn es wirklich schlimm würde, nach Italien oder Spanien fahren. Ich bin also gut vorbereitet. Wer fragt: „Wie kann ich mich vorbereiten?“ – es gibt beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz eine Broschüre, die neu herausgekommen ist, mit einer Checkliste, was man zu Hause haben sollte. Vor allem Wasser, ganz klar. Denn wenn die Wasserversorgung ausfällt, ist es zu Hause sofort ein Problem. Da gibt es eine „Wundertaste“, die jeder von uns mehrfach am Tag benutzt: die Klospülung.

Milena Preradovic: Okay.

Stefan Spieglsperger: Das erste Mal ist kein Problem. Beim zweiten Mal wird es interessant. Und beim dritten Mal: Prost Mahlzeit. Dann stellt sich die Frage, wie man überhaupt noch auf die Toilette geht, wenn kein Wasser mehr kommt. An solche Dinge denkt man nicht. Und auch ganz simpel: Viele sind es nicht gewohnt, dass es wirklich dunkel ist. Ohne Innenbeleuchtung, ohne Straßenlaternen – das ist alles weg. Man braucht unbedingt Taschenlampen, und ich betone: Lampen, mehrere, falls eine ausfällt oder Batterien leer sind. Ich habe, glaube ich, um die 50 Stück – aber das ist ein anderes Thema. In jedem Raum liegt eine. Für Einsteiger gibt es diese Checkliste: für zehn Tage Vorsorge. Wer es genauer will: Auf meiner Seite gibt es kostenlos eine fortgeschrittene Checkliste. Ich empfehle mindestens drei Wochen.

Milena Preradovic: Ich habe gerade nachgedacht und festgestellt: Ich habe mehr Wein als Wasser zu Hause.

Stefan Spieglsperger: Dann wird es…

Milena Preradovic: …ein bisschen traurig, damit die Toilette zu spülen. Aber geht auch.

Stefan Spieglsperger: Flüssigkeit ist schon mal gut. Aber ein Punkt wird massiv unterschätzt: Viele haben vielleicht nur Wasser für einen Tag zu Hause. Kinder sterben nach 24 Stunden ohne Wasser. Das ist die größte Gefahr. Das Gefährliche am Blackout ist nicht nur der Blackout selbst, sondern dass Menschen unvorbereitet sind. Wenn du Familienvater bist und siehst, deine Kinder sind in Gefahr, weil du kein Wasser hast – was wirst du tun? Du wirst den Nachbarn freundlich fragen. Und wenn er sagt: „Nein, brauche ich selbst“, dann stehst du vielleicht zehn Minuten später mit der Axt vor der Tür. Genau diese unvorbereiteten Menschen machen mir beim Blackout am meisten Angst.

Milena Preradovic: Du hast ja den Chiemsee in der Nähe. Zur Not könnten wir an den Ossiacher See – da kann man dann noch hin, oder?

Stefan Spieglsperger: Ja, ich habe genug Wasserfilter, um Wasser aus der Natur trinkbar zu machen. Das ist ein wichtiger Punkt: Wasser filtern zu können. In der Stadt ist das schwierig. Auf dem Land ist es weniger problematisch – da wird Wasser nicht das größte Thema sein. Aber in der Stadt: Wenn du dort kein Wasser hast, dann hast du wirklich ein Problem.

Milena Preradovic: Das würde ich auch so sagen. Vielen Dank, Stefan, für deine pragmatische Expertise. Das ist ja ein rares Gut im besten Deutschland aller Zeiten.

Stefan Spieglsperger: Ich mache den ganzen Tag nichts anderes, als mich mit diesen Themen zu beschäftigen. Irgendwann lernt man es.

Milena Preradovic: Vielen Dank, dass du da warst. Jetzt sind wir schlauer – nicht unbedingt lustiger, aber schlauer.

Stefan Spieglsperger: Vielen Dank.

Milena Preradovic: Ciao. Tja, Leute: Energiewende bis zum Untergang – auf den Gedanken kann man schon kommen. Und wer auf einen Umschwung durch einen CDU-Kanzler gehofft hat, der weint heute im Keller oder lacht aus dem Ausland. Nicht einmal der versprochene Ausstieg aus Habecks Gasheizungsgesetz ist gekommen. Ich würde sagen: Wir zünden jetzt erst mal die zweite Kerze an – wärmt auch ein bisschen. Ich wünsche euch eine gute Zeit. Bis bald.

Interview with Stefan Spieglsperger (english)

Milena Preradovic: While German industry is fleeing abroad due to high energy prices and CO₂ taxes, the EU has now decided to completely ban Russian gas by the end of 2027. This will eliminate nearly 20 percent of gas supplies. Russian oil is also to be banned. This marks the end of 57 years of energy partnership with Moscow – 57 years in which Germany in particular has enjoyed an unprecedented rise thanks to cheap Russian energy. Now, in the midst of decline, comes the ban and the narrative: nothing will become more expensive. Even the fact that Germany’s gas storage facilities are currently pretty empty is not a problem. My guest is rather skeptical and says: We are racing full speed ahead into the abyss. Now on to Punkt Preradovic. Hello Stefan Spieglsperger, nice to have you here.

Stefan Spieglsperger: Hello, I’m glad to be here.

Milena Preradovic: It’s great to finally meet you. Let me introduce you briefly: You are an energy systems electronics technician and trade journalist. You have been dealing with the topics of energy, provision, power supply, and the energy transition for a long time and have a very successful YouTube channel called “Energy Chiemgau,” where you also provide information about possible blackouts and show how people can prepare for them. You are also a volunteer with the German Federal Agency for Technical Relief (THW). The EU has now decided to completely ban Russian gas from the end of 2027. At the same time, the CO₂ tax will increase next year, yet it is said that energy will not become more expensive. Does that make any sense to you?

Stefan Spieglsperger: Of course not. It’s always the case that if you reduce supply and demand remains the same—you learn that on the first day of business school—then logically the price goes up. We have no alternative sources that could supply us with gas in similar quantities and at similarly low prices. The CO₂ tax alone will cause the price of gas to rise massively in the coming years, as will gasoline, electricity, and everything else related to energy. That’s on top of everything else.

Milena Preradovic: Banning energy generally has relatively little to do with the market economy. Winter has come a little earlier this year than in recent years, and gas storage facilities in Germany are anything but full: just over 60 percent instead of around 90 percent. What does that mean if we have a cold winter?

Stefan Spieglsperger: We are currently at 67.4 percent. Last year at this time, we were at over 90 percent. So we are about 23 percent lower than last year. If you look at last year’s curve, you can see that very clearly. At that time, we ended up at about 28 percent at the lowest level. If you calculate the current 23 percent difference, we would end up at about five percent if the trend continues similarly. At around 20 percent, we are already talking about a gas shortage in Germany. If we have a really cold winter, the gas storage facilities could even be completely empty by the end of January or the end of February. That is a realistic scenario.

Milena Preradovic: Has that ever happened before?

Stefan Spieglsperger: No, that has never happened before, and I hope it doesn’t happen. But the danger is there. In my opinion, it would have a massive impact. When energy prices rise, everything becomes more expensive. We already experienced this two or three years ago when even staple foods such as butter suddenly became significantly more expensive. Something like this could happen again, possibly even worse. No one knows for sure. The Association of Gas Storage Operators, Ines, has calculated that if we have a cold winter, the storage facilities would be practically empty by the end of January. Without storage, we would not be able to maintain our energy supply. We use a lot of gas to generate electricity. All of that would then no longer be possible. There would be cutbacks, starting with industry, then swimming pools, ski lifts, and other areas, leading to extremely high gas and electricity prices. This would effectively force us to save gas.

Milena Preradovic: But why is that the case? Why aren’t the gas storage facilities 90 percent full as usual? What is the problem?

Stefan Spieglsperger: It’s relatively easy to explain and is due to market mechanisms. Normally, gas prices are low in summer and higher in winter. Companies buy cheaply in summer, store the gas, and sell it at a higher price in winter. That’s how the business has worked up to now. This year, it was the other way around: gas was more expensive in the summer than it is now. This means that gas that is currently being stored is being sold at a loss. Understandably, companies are not keen to do this. That’s why so little is being stored.

Milena Preradovic: I read a report on this that said gas storage is basically obsolete because Qatar and the US are expanding their capacities. Would gas then become cheaper due to higher supply? Is there any truth to the idea that we could simply buy gas from the US or Qatar in the short term?

Stefan Spieglsperger: The problem is that we don’t have WiFi gas. Gas has to be physically delivered to us. The number of LNG ships is extremely limited. We already saw this in 2023. At that time, Europe paid more than other countries, which led to blackouts in Pakistan, for example, because the gas-fired power plants there could no longer get gas. At the moment, we can still afford this. How long this will last, no one knows. Capacities are limited, and it will definitely not be possible to do without storage completely. Otherwise, there will be shutdowns.

Milena Preradovic: I have read other reports on purchasing. They say that Germany is putting itself in a bad negotiating position if it only has gas for a short time. Then it becomes vulnerable to blackmail. Added to this is the problem that Qatar and the US are threatening the EU with non-delivery of LNG gas – because of the supply chain law. Companies would have to prove down to the smallest detail how sustainably and humanely their products are manufactured. If the EU insists on this, will energy security really be at risk for Germany or for the EU as a whole?

Stefan Spieglsperger: You have to imagine this in concrete terms. Let’s assume that Qatar generates 50 billion euros in revenue from gas exports. Five billion of that goes to the EU, or ten percent. If Qatar does not comply with the Supply Chain Act – which is practically impossible – the company would have to pay a penalty of up to five percent of its global annual turnover, not just the European share. That amounts to two and a half billion euros. Naturally, one would ask: Why should I pay this penalty? It’s not worth it, so I’ll just stop supplying. That is precisely why the US Secretary of Energy and the Qatari Minister of Energy have joined forces and sent a very clear letter to the European Commission. This affects not only gas, but all industries in the future: cars, batteries, the solar industry. Everything is subject to this set of rules. Non-European companies can hardly comply with this and simply say: Our gas is going elsewhere, but not to Europe.

Milena Preradovic: Crazy. I often get the impression of this hubris, this feeling of overestimated importance. Germany is continuing to pursue its so-called energy transition. According to data from the International Energy Agency, electricity prices are highest in countries with a lot of solar and wind power. The more renewable energies are added, the higher the electricity prices become. In countries with less renewable energy, they are significantly lower, even in industrialized countries. Why is that?

Stefan Spieglsperger: There are several reasons for this. First, we are always told that solar energy is so cheap. Of course, I can be the cheapest if I know that I will get my money regardless of the market price. Let’s take an example: I am a tomato seller. Normally, a kilo of tomatoes costs ten euros. I sell them for three euros and boast that I am the cheapest because I know that the state will still pay me twelve euros per kilo – regardless of the price at which I sell. According to Philipp Zimmermann, State Secretary to Robert Habeck, this does not come out of the citizens‘ pockets, but rather relieves them. In fact, it is the taxpayer who pays. I have learned that I am not a citizen, I am a taxpayer. Last year, this cost us 18.3 billion euros, an average of around 460 euros per taxpayer in addition to their electricity bill, so that wind and solar power are supposedly cheap. Secondly, wind and solar power must be integrated into the grid. Rule number one applies to the power grid: the electricity we consume now—for lighting, screens, or other purposes—must be produced at exactly that moment. Not in five or ten seconds, and certainly not on an annual average. Conversely, the electricity that is produced must also be consumed at exactly that moment. When wind and solar power deliver a lot, we often have an oversupply that we don’t need. This has to be regulated. These are the so-called redispatch measures, which are becoming more and more common and cost us an additional €2.8 billion last year alone.

Milena Preradovic: That means, for example, that wind turbines are shut down.

Stefan Spieglsperger: Exactly. You may have seen this before: a wind farm with 15 wind turbines, the wind is blowing strongly, but only three are turning. This is known as negative redispatch. For example, we have too much wind in the north and therefore too much electricity. However, the electricity cannot be transported away or is not needed. That is why the turbines have to be curtailed.

Milena Preradovic: But the operators still get their money—from us citizens, i.e., from taxpayers.

Stefan Spieglsperger: Exactly. It’s not citizens, but taxpayers who continue to pay as normal. Newer plants are an exception: they receive nothing if the electricity price falls below zero. This will have a massive impact, which many people are not yet aware of. Otherwise, taxpayers will continue to pay. That’s what this negative redispatch is all about. Where was I?

Milena Preradovic: You said there were three reasons.

Stefan Spieglsperger: Exactly. The first point is this redispatch, because we are producing more electricity than we can consume. We can sell the surplus electricity abroad. That’s the next point. Due to the oversupply, the price of electricity in Germany sometimes falls to zero or even below zero. This means that we don’t get any money for the electricity we export; we don’t even give it away for free, we actually pay for it. We’re talking about several billion euros per year. Countries like Austria are happy about this because traders there openly say that Germany subsidizes Austria with about one to two cents per kilowatt hour. This makes electricity cheaper there because we pay for it with our exports. That’s another factor on top of everything else. So the integration costs are expensive, and government subsidies are expensive. That’s why electricity prices will rise in most countries that have more and more wind and solar power, because the integration costs are growing disproportionately. The same thing will happen here in the next few years.

Milena Preradovic: That’s crazy. And then the CO₂ tax is also increased every year. Great. I also saw that you mentioned earlier that there is a new record for gas-fired power generation in Germany. Does that mean that electricity consumption is rising?

Stefan Spieglsperger: No, electricity consumption is not rising. But we no longer have any nuclear power plants, for example. They used to supply electricity around the clock. We now have to replace that. When there is no wind and no sun, we have to compensate for this with gas-fired power plants. That’s why we’re using more and more gas to generate electricity. I took a closer look at this and did some calculations. I took May 25 as an example. It wasn’t even the highest value, but it was a typical day with no wind and no sun. Dark doldrums means little wind and hardly any sun. Our main energy producers then supply almost no electricity. On that day, onshore and offshore wind and solar together generated only 12.4 percent of the electricity. Gas accounted for almost 30 percent. That corresponds to around 393 gigawatt hours of electricity from gas. However, converting gas into electricity results in losses of 40 to 60 percent. This means that we converted around 787 gigawatt hours of gas into electricity on that day. People always say that LNG terminals will save us. But on that day, they only supplied about a third of that, around 250 gigawatt hours. So on that day, we converted three times as much gas into electricity as came in via the LNG terminals.

Milena Preradovic: That’s crazy. Gas is also considered bad and is supposed to disappear. Many cities want to aggressively dismantle their gas pipelines. It’s getting crazier and crazier. At the same time, everything is supposed to be converted to electricity: cars, heating. Habeck’s heating law has not been abolished, as promised. Of course, one wonders where all this electricity is supposed to come from. From even more wind turbines? A physicist once explained to me that at some point they will take the wind away from each other.

Stefan Spieglsperger: That’s already happening – on a massive scale. The Belgians are complaining to the Dutch that they are stealing their wind. Such effects are now evident in offshore wind farms, with yield losses of eight to twelve percent per year. With even more wind turbines, the problem will get worse. Physically, this is not scalable at will. If you ask me where the electricity is supposed to come from, no one has been able to give me an answer. I have asked many professors, including those who are very pro-energy transition. No one could tell me how this is supposed to work in 2030, i.e., in four to five years, during a dark doldrums. If everything were to be converted to electricity—which I doubt anyway—there would be brownouts. This means that people would have to be disconnected from the power grid at times because there is not enough electricity. Building new coal and gas power plants takes years, permits are lacking, and only twelve gigawatts have been planned so far.

Milena Preradovic: Exactly.

Stefan Spieglsperger: That corresponds to the output of about nine nuclear power plants. In fact, however, around 22 gigawatts would be needed, almost twice as much. Even that would not be enough. We already know that today, but no one seems to care.

Milena Preradovic: So brownouts are controlled blackouts, is that correct?

Stefan Spieglsperger: Yes. Brownouts mean that individual areas are deliberately disconnected from the grid. A blackout is widespread, affects millions of people, and often lasts several days, as was recently the case in Spain, when the whole of Spain and Portugal were without power for one to two days. That was a blackout. A brownout would be, for example, deliberately disconnecting a city like Hamburg from the power grid.

Milena Preradovic: I have the impression that the new climate law is heading in exactly that direction.

Stefan Spieglsperger: When it comes to saving electricity, I would think of Hamburg and Berlin first. The people of Hamburg seem to want that. The people of Berlin have decided against it, but Hamburg apparently has not.

Milena Preradovic: Crazy. Coal is to be phased out, nuclear power is gone, gas is supposed to serve as a backup for wind and solar, but it’s not really available either.

Stefan Spieglsperger: And you have to consider: I might need a gas-fired power plant until 2037, but according to current plans, it should be dismantled again by 2045. That means it’s not economically viable at all. Without billions in government subsidies, no one will build it.

Milena Preradovic: So here, too, there will be heavy subsidies, as with wind and solar.

Stefan Spieglsperger: SPD politicians have stated that these subsidies will cost around 60 billion euros. Of course, no one knows for sure yet.

Milena Preradovic: My goodness. What does all this mean for the stability of the power grids?

Stefan Spieglsperger: A fundamental distinction must be made here. The division into renewable and non-renewable makes no sense from an electrical engineering point of view. The decisive factor is whether power plants work with generators or not. Coal, nuclear, gas, hydro, and biomass power plants use rotating generators and generate electricity purely physically. Wind and solar plants, on the other hand, work with so-called inverters. These are electronic systems that adapt the generated electricity to the frequency and voltage of the grid. In their current design, these electronic power plants have significant disadvantages if their share in the grid becomes too large. We saw what happens then on April 28 in Spain. On that day, there was a blackout because there was more wind and solar power in the grid than ever before. At the same time, two of the five nuclear power plants were undergoing maintenance. There had already been several incidents since April 15 that almost led to a blackout. On April 28, it finally happened because these electronic power plants cannot adequately control what is known as reactive power. Put simply, reactive power is the voltage in the grid. I like to explain this using a wheat beer glass: the beer itself is the active power, i.e., what actually drives the devices. The foam on top is the reactive power. You still need it, even if it doesn’t “wet” anything. If the foam crown is too big, you have too much voltage; if it’s too small, you have too little voltage. Mechanical power plants are very good at regulating this balance. Electronic power plants have fixed parameters. If something gets out of control, they can no longer compensate for it. In Spain, this led to a sudden surge of 470,000 volts on a 400,000-volt line. To prevent damage, the grid had to be shut down over a large area. Otherwise, generators would have been destroyed by overvoltage. That is precisely the big problem: these electronic power plants cannot reliably control reactive power.

Milena Preradovic: Okay. Now the head of E.ON in Germany is also warning that the power grids are reaching their limits and that the expansion of renewable energies must be slowed down urgently. What will happen if they are not slowed down? Given how things are looking this year, will we soon have a blackout?

Stefan Spieglsperger: The probability is relatively high. We already had something similar once before, on August 19, 2024, at around 8:00 a.m. There was too little wind power in the grid, which caused oscillations – similar to those in Spain shortly before the blackout, which were also measured here, by the way. The risk of such an event “spilling over” to Germany was relatively high. The main reason it didn’t happen was because France, with its many nuclear power plants, lies in between. These generator power plants are very good at controlling reactive power. That’s why it didn’t affect us. If Germany were a direct neighbor of Spain, it would very likely have resulted in a Europe-wide blackout, because many countries no longer have as many such power plants in their grids as France still has.

Milena Preradovic: Please.

Stefan Spieglsperger: And the more of these electronic power plants we have in the grid, the bigger the problem becomes. On the one hand, we have phases in which we have far too much electricity – the so-called “hellbrise” (bright breeze), when the sun is shining and the wind is blowing at the same time. Then we have surpluses that cannot be transported away and, in some cases, cannot be regulated quickly enough. On the other hand, we have the “dunkelflaute” (dark doldrums), i.e., too little generation. The balance we used to have is no longer there. That’s why grid operators now have to intervene on a massive scale. In the past, there were perhaps 3,000 to 6,000 interventions per year. This year, we’ve already had over 17,600 emergency interventions – redispatch measures – to keep the grid stable.

Milena Preradovic: That’s a lot, of course. Coal-fired power plants are also being fired up at short notice, right?

Stefan Spieglsperger: Yes. One issue is the cost. But what’s much worse is what this does to grid stability. At some point, it’s just too much. And every new wind turbine and every new solar plant that goes online is currently exacerbating the situation massively.

Milena Preradovic: Germany is not alone in the European power grid. There are many interdependencies. Now the Scandinavians are complaining that Germany’s energy policy is also causing prices to rise in their countries. Why?

Stefan Spieglsperger: That’s right. When we have a dark doldrums and there is not enough electricity available here, we draw electricity from neighboring countries because the system has to balance itself out somewhere. Our main suppliers are Scandinavian countries – Norway and Sweden. I took a closer look at this during a dark doldrums period in November last year. Sweden has different electricity price zones: in central Sweden, the price was seven euros per megawatt hour, in southern Sweden it was 700 euros – a hundred times higher. Imagine you pay 0.30 euros per kilowatt hour and your neighbor suddenly pays 30 euros per kilowatt hour. The Swedish energy minister even said at the time that a shower – because many things there run on electricity – cost around five euros in electricity alone. That’s a lot, of course.

Milena Preradovic: That’s crazy.

Stefan Spieglsperger: And that’s why Sweden and Norway have now canceled new power lines that were planned from Germany to Norway. Originally, the idea was to send our surplus wind power there – which they don’t want at all – and in return to purchase electricity from their hydropower during periods of low wind and low sunlight. Both countries have said: We’re not doing that anymore. Norway is going even further: There is a power line that runs through Norway to Denmark and also indirectly supplies us. Two power lines that would have to be replaced next year after around 50 years will most likely not be replaced, but shut down. This means that they want to have less and less to do with us in terms of electricity. In an interview with the Financial Times, the Norwegian energy minister literally referred to it as a “shitty situation.” When you read something like that from a minister, you know how serious it is. And yes, their electricity prices are rising—because of our energy transition, to be clear.

Milena Preradovic: If the Scandinavians disconnect, does that mean that Germany will be able to “suck out” less during a dark doldrums?

Stefan Spieglsperger: Of course, we still have power lines, so that’s not entirely true. But we wanted to build up much more of this transport capacity so that we would have to curtail less wind power and could send it to Norway instead. Norway doesn’t want that because they say: We have our own power plants, which also have to run economically. They don’t have negative electricity prices on this scale. But when there is no wind here, they have to supply us again – and then they add these costs to their electricity price. In the end, the citizens there pay, and politicians draw conclusions.

Milena Preradovic: Fans of the energy transition always say: once we have functioning electricity storage facilities, everything will be fine. What is your view on this?

Stefan Spieglsperger: A calculator helps here. We currently have battery storage of around 19 gigawatt hours. However, we consume somewhere between 50 and 60 gigawatt hours per hour. So you can see that this won’t last long. The next point is that most of the storage is private, i.e., for personal consumption in the home. This is of little help to the grid. Perhaps three to four gigawatt hours are useful to the grid.

Milena Preradovic: So practically nothing.

Stefan Spieglsperger: And I recently attended the transmission system operators‘ electricity market forum. There, all four grid operators unanimously said that storage has become a huge problem – for one simple reason: a battery storage system can feed its output into the grid from zero to 100 within milliseconds. Other generators cannot do that. Wind turbines and many other plants need 15 to 30 minutes to respond in terms of output, while conventional power plants often need hours. Storage does this immediately. And because our current grid calculation and control processes are not designed for this, storage is currently exacerbating some of the grid problems instead of solving them.

Milena Preradovic: Does this affect private storage systems that simply feed into the grid?

Stefan Spieglsperger: It also affects large-scale storage systems. Private storage systems are often used for individual homes, but the large-scale storage systems that are supposed to “save” us are the real issue. They react too quickly. They would need to be programmed differently and integrated differently into the grid management system. Technically, this is possible—but it has not been implemented. One storage operator described it this way: he receives a request for electricity somewhere in Germany, and then he delivers it. The only problem is that we may need the electricity in the south, but the storage facility is in the north, and the lines are overloaded. So he feeds it in, but the electricity doesn’t get to where it’s needed. The bottleneck gets worse, and redispatch corrections take up to two hours. The storage facility reacts in milliseconds, but the grid needs hours to make the correction—that will be very difficult in the future.

Milena Preradovic: Oh my.

Stefan Spieglsperger: That’s exactly the reality, and it will get even more “interesting” if things continue like this.

Milena Preradovic: How much more stable would the grids be if the last three nuclear power plants that were shut down were still connected to the grid? Would that make a big difference?

Stefan Spieglsperger: Yes, of course. Let’s take Spain as an example again: of five power plants, only three were still connected to the grid, which meant there was a lack of instantaneous reserve and reactive power control. That wasn’t the only reason, but it was an important part of it. Three nuclear power plants that supply power during periods of low wind and low sunlight and have this large instantaneous reserve—i.e., flywheel mass—significantly stabilize the grid. At Isar 2, for example, we are talking about a flywheel mass of around 660 tons. When a frequency peak occurs, you have to slow down or accelerate this mass, which costs energy—and that is exactly how oscillations are dampened. Such generator systems reduce grid oscillations, stabilize the frequency, and control reactive power much better than electronic feeders. We now have to replace them, for example with so-called STATCOM systems. However, these are only just being built, are still in the testing phase in some cases, and are not yet available in the quantities we would need.

Milena Preradovic: What kind of systems do you mean?

Stefan Spieglsperger: These are special systems that can regulate reactive power and provide momentary reserve functions. Technically, a lot is possible, but it is not yet widely available. And that is our big problem: we needed this technology before we shut down nuclear power plants and before we shut down coal-fired power plants. But we took step two before step one. That is why we now have these major problems in the grid.

Milena Preradovic: And nuclear energy has now become really “taboo” in Germany. Our neighbors, on the other hand, are mobilizing: In Denmark, a nuclear alliance of companies, unions, foundations, and researchers has formed to support a technology-neutral approach to nuclear energy in Denmark and Europe. France has, I believe, 56 nuclear power plants and is building new ones. Poland wants to get involved. New nuclear power plants, new generations, are on the rise worldwide—construction and research are underway. What does that ultimately mean for Germany, the holdout, if everyone has nuclear power except Germany?

Stefan Spieglsperger: You have to look at this—I’ll call it—idiocy: we have shut down our own nuclear power plants. If you add up the individual items—anyone can check this at the Federal Network Agency, they even have their own slide for it—then what we currently import most in terms of electricity is nuclear power. We can’t do without it, so to speak. In addition, when we have too much wind and solar power in the grid, we “borrow” the instantaneous reserve and reactive power control from nuclear power plants in France and coal-fired power plants in Poland, for example, because we no longer have enough ourselves. Otherwise, we would experience a blackout like in Spain. The Spanish have the problem that they have few neighbors. We are fortunate to have many neighbors who make their momentary reserves available to us—to put it mildly.

Milena Preradovic: We were just talking about the Scandinavians, who are already pretty angry with Germany. What about the other neighbors, Poland and France? Do they like it? Do they earn good money from it—or do they also dislike Germany’s energy policy?

Stefan Spieglsperger: The Austrians are earning well from it. The problem, however, is that they are running their power plants very hard in order to make as much money as possible and stabilize the grid at the same time. At the Kaprun power plant, a new large storage facility was recently connected to the grid – and both generators broke down within two months: one in October, the other in November. That is, of course, a massive problem. These plants are now expected to be unavailable for the next two years. Without them, it will be even more difficult for us, because Austria has so far absorbed part of our surpluses – leaving aside the question of costs. We had a buyer there for the excess electricity we produced, and now part of that is gone.

Milena Preradovic: I see.

Stefan Spieglsperger: And we can’t really control these many small plants in Germany—over five million plants with a combined capacity of over 50 gigawatts of solar power. We can’t just switch them off. They deliver when the sun shines. That has become a huge problem. At the moment, “too much electricity” is often a bigger problem than “too little electricity.” That’s exactly what Birnbaum, the E.ON CEO, explained in his interview.

Milena Preradovic: Yes, and I think the man knows what he’s talking about. Unlike some others.

Stefan Spieglsperger: He now obviously feels confident enough to say so more clearly. Two years ago, he was one of the few who criticized the energy transition. But now, after working with Minister Reiche, he seems to be coming out of hiding for good.

Milena Preradovic: What would be the perfect energy supply for you?

Stefan Spieglsperger: The perfect energy supply would definitely be to have more power plants with generators in the grid again. I would say at least to the extent that Spain is now implementing. After the blackout, a maximum of 60 percent wind and solar power may be connected to the grid at any one time. They have learned from this. I think this limit makes sense. According to statements by the grid operators, it should be more like 70 percent. We sometimes have 85 percent wind and solar in the grid. This only works “well” because we borrow reactive power control and instantaneous reserve from our neighbors. But of course they don’t want to do that permanently. There are countries such as Poland and Czechia that have already installed grid switches so that they can disconnect from us in an emergency. When you think about it, you should really be running around screaming all day long, given what is currently happening in our power grid.

Milena Preradovic: When you hear all this, you think: a blackout could happen at any time. How prepared are you? That’s one of your big topics.

Stefan Spieglsperger: If there is a danger, you should prepare yourself. That’s exactly what I help my viewers with. Most of them are now quite well prepared. And honestly, if the blackout came now, the first thing I would do is make myself a coffee. The emergency power supply was actually designed for my coffee machine first – I can’t do without coffee.

Milena Preradovic: But you already have generators or something diesel-powered to supply you with electricity?

Stefan Spieglsperger: I have solar panels with power banks behind them. Of course, I also have power generators. And in an emergency, if things got really bad, I would drive to Italy or Spain in my camper. So I’m well prepared. For those who ask, “How can I prepare?” – the Federal Office for Civil Protection has a newly published brochure with a checklist of what you should have at home. Above all, water, of course. Because if the water supply fails, it immediately becomes a problem at home. There’s a “magic button” that each of us uses several times a day: the toilet flush.

Milena Preradovic: Okay.

Stefan Spieglsperger: The first time is no problem. The second time is when it gets interesting. And the third time: bon appétit. Then the question arises of how to go to the toilet at all when there is no more water. You don’t think about things like that. And also quite simply: many people are not used to it being really dark. Without interior lighting, without street lights – it’s all gone. You definitely need flashlights, and I emphasize: flashlights, several of them, in case one fails or the batteries run out. I think I have about 50 of them—but that’s another topic. There’s one in every room. For beginners, there’s this checklist: for ten days of preparedness. If you want more detail, there’s an advanced checklist available for free on my website. I recommend at least three weeks.

Milena Preradovic: I was just thinking and realized that I have more wine than water at home.

Stefan Spieglsperger: Then it will be…

Milena Preradovic: …a little sad to flush the toilet. But it’ll do.

Stefan Spieglsperger: Fluids are good. But one thing is massively underestimated: many people may only have enough water at home for one day. Children die after 24 hours without water. That’s the biggest danger. The dangerous thing about a blackout is not just the blackout itself, but that people are unprepared. If you’re a family man and you see that your children are in danger because you don’t have any water, what will you do? You’ll ask your neighbor nicely. And if they say, “No, I need it myself,” then maybe ten minutes later you’ll be standing at their door with an axe. It’s precisely these unprepared people who scare me the most during a blackout.

Milena Preradovic: You have Lake Chiemsee nearby. If necessary, we could go to Lake Ossiach – we can still get there, right?

Stefan Spieglsperger: Yes, I have enough water filters to make water from nature drinkable. That’s an important point: being able to filter water. It’s difficult in the city. It’s less of a problem in the countryside – water won’t be the biggest issue there. But in the city: if you don’t have water there, then you really have a problem.

Milena Preradovic: I would say the same. Thank you very much, Stefan, for your pragmatic expertise. That’s a rare commodity in the best Germany of all time.

Stefan Spieglsperger: I do nothing else all day but deal with these issues. Eventually, you learn.

Milena Preradovic: Thank you very much for being here. Now we’re smarter—not necessarily happier, but smarter.

Stefan Spieglsperger: Thank you very much.

Milena Preradovic: Ciao. Well, folks: Energy transition until the end of the world—it’s a thought that could cross your mind. And anyone who hoped for a turnaround under a CDU chancellor is now crying in their basement or laughing from abroad. Not even the promised repeal of Habeck’s gas heating law has come to pass. I would say: let’s light the second candle for now – it warms things up a bit. I wish you all the best. See you soon.

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2 Kommentare

  1. Gert Friederichs

    Mehr Wein als Wasser im Haus! Ist bei mir auch so! Dazu das „Balkonkraftwerk“, welches zumindest die Kühl-/Gefrierkombi und die Heizung am Leben hält. Der ziemlich naturnah belassene Fluß ist kaum 1 km weg. Eine große Zisterne hat stets genug Wasser für das Übrige. Und ich hoffe, dass 3 Gasflaschen für das Kochen reichen. Und das in Katalonien.

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  2. Dr. Rolf Lindner

    Aus „Windradblues“

    Ein Windrad, das sollte sich fast immer dreh’n.
    Doch kommt es bei Flaute und Sturm schnell zum steh’n.
    Die Stromproduktion, die kommt zum Erliegen,
    Nachbarn die mit Kohle gern teuer aufwiegen.

    Keine Rechnung sollen Sonne und Wind schicken.
    Fragt man sich: Wie blöde müssen Deutsche ticken?
    Lassen sich von den Altparteien verhöhnen,
    Höchstpreise für Strom und für Wärme sie löhnen.

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