ARD & ZDF: Fakenews zum Spitzenpreis – mit Peter Welchering

20. März 20261 Kommentar

ARD und ZDF fallen fast täglich mit Fakes und Fehlern auf – ein Beleg für journalistisches Totalversagen ist das neue Urteil gegen Correctiv in Sachen „Potsdamer Geheimtreffen“. Der teuerste ÖRR der Welt gönnt sich außerdem Gesinnungsjournalismus und Luxusgehälter. „Die Öffentlich-Rechtlichen müssen in dieser Form weg“, sagt der Journalist und Autor des Buchs „Geschlossene Anstalt – Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich selbst demontiert“, Peter Welchering.

Ein Gespräch auch über fürstlich bezahlte Propagandisten-Gesichter, den Abbau „zu kritischer“ Fachjournalisten, polithörige Technokraten an der Spitze der ÖRR und die Frage: Macht ein neuer ÖRR Sinn?

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Milena Preradovic

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Interview mit Peter Welchering (deutsch)

Milena Preradovic: ZDF-Intendant Himmler, gerade ohne Gegenkandidat wiedergewählt, bläst zum Angriff auf die freien Medien, die er als Feind bezeichnet, den es zu bekämpfen gilt, um guten Journalismus zu retten. Und das direkt nach dem großen Skandal im heute journal, das wissentlich künstlich erzeugte Bilder als echt verkauft hat. Gerade vor dem Berliner Landgericht ein weiterer Schlag gegen die Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen: das Urteil in Sachen Potsdamer Treffen und angeblicher Pläne zur Deportation deutscher Staatsbürger. Mein Gast sagt, ein Rücktritt des Intendanten Himmler wäre angemessen. Die Bürger haben schon entschieden: Nur noch 47 % halten ARD und ZDF für eine verlässliche Quelle. Wie lange kommt dieser zwangsfinanzierte sogenannte Staatsfunk noch mit Fake News, Gesinnungsjournalismus und Luxusgehältern davon? Jetzt in Punkt Preradovic. Hallo, Peter Welchering. Schön, Sie kennenzulernen.

Peter Welchering: Ja, hallo, Frau Preradovic.

Milena Preradovic: Ich stelle Sie kurz vor. Sie sind Journalist, zertifizierter Journalistentrainer und Buchautor. Sie haben Philosophie studiert und arbeiten seit 1983 für Radio, Fernsehen und Print, unter anderem für ZDF, ARD, Deutschlandradio und FAZ. Dort haben Sie als IT-Spezialist mehrere Datenskandale aufgedeckt. Außerdem haben Sie über Jahrzehnte Journalisten ausgebildet, zum Beispiel im Heise Verlag, an der Märzakademie oder an der Universität Göttingen. Zusammen mit Annkathrin Mücke und Alexander Teske betreiben Sie aktuell den Medienpodcast „Sachlich richtig“. Ihr neuestes Buch, das Sie gemeinsam mit Roland Schatz geschrieben haben, heißt „Geschlossene Anstalt. Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich selbst demontiert“. Fangen wir mit einem Urteil von dieser Woche an, ganz aktuell in Sachen Potsdamer Geheimtreffen, also vor dem Berliner Landgericht. Dieses Potsdamer Geheimtreffen hat 2023 für einen Aufschrei in den Medien und zu riesigen Demonstrationen gegen rechts geführt. Kernpunkt der Vorwürfe, die die Autoren von Correctiv erhoben haben: Die Anwesenden hätten einen Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund entworfen. Nach mehreren ähnlichen Urteilen ist nun auch diese Erzählung gefallen, und Sie halten deshalb den Rücktritt des ZDF-Intendanten Himmler für angemessen. Warum?

Peter Welchering: Das fand ich auch vorher schon angemessen und habe ihm das im Dezember 2024 geschrieben. Mir war klar, dass das, was unter anderem das ZDF, aber auch viele andere im Januar 2024 berichtet haben – das wurde am 10. Januar 2024 von Correctiv auf deren Webseite veröffentlicht –, ein dramatischer Text war. Und über diesen dramatischen Text hat unter anderem das ZDF berichtet, als würde es sich um einen Tatsachenbericht handeln.

Milena Preradovic: Es war eher ein Bühnenstück, so geschrieben wie eine Szene.

Peter Welchering: Genau so war es aufgebaut. Tatsächlich wollte Correctiv mir im vergangenen Sommer, also im August 2025, über ihren Rechtsanwalt verbieten lassen, das Stück als Drama zu bezeichnen. Wir haben dann mit meinem Medienanwalt Carsten Brennecke zurückgeschrieben, dass wir sogar Beweis dafür führen können, dass es sich hier um die Stilform Drama und nicht um einen Tatsachenbericht handelt. Immerhin habe ich das als Dozent für journalistische Stilformen 24 Jahre an der Journalistenakademie in Stuttgart so unterrichtet. Daraufhin war an dieser Front Ruhe. Was mich geärgert hat, waren mehrere Dinge. Zum einen, dass das ZDF wie viele andere dieses Drama einfach übernommen und darüber berichtet hat, als sei es ein Tatsachenbericht. Zum Zweiten, dass keinerlei eigene Recherchen angestellt wurden. Im Gegenteil: Vor Gericht haben die ZDF-Anwälte vorgetragen, im tagesaktuellen Geschäft sei in der Regel gar keine Zeit für eigene Recherchen. Da habe ich den Intendanten gefragt: Lieber Herr Himmler, was habe ich eigentlich über viele Jahre gemacht? Ich habe mir die Nächte um die Ohren geschlagen und Wochenenden durchgearbeitet, um genau solche Recherchen zu leisten. Und jetzt lassen Sie Ihre Anwälte sagen, das sei im Tagesgeschäft nicht möglich – was soll das? Erklärt hat er es mir nicht. Ein weiterer Punkt: In den Nachrichtensendungen des ZDF wurde nicht weiter nach Quellen oder Belegen gefragt. Marcus Bensmann wurde im heute journal update gefragt, wie es um die Belege steht, und antwortete: „Wir haben tolle Quellen.“ Das war alles. Es wurde nicht eingefordert, diese Quellen zu benennen. Stattdessen wurde der Eindruck erweckt, es sei offensichtlich, welche Quellen es gebe. Ich habe schon damals bezweifelt, dass es nachvollziehbare Quellen gibt. Denn wenn es sie gäbe, wäre das Ganze als Tatsachenbericht erschienen und die Quellen wären genannt worden.

Milena Preradovic: Es war ein bisschen ein Trick von Correctiv, auf den im Grunde alle hereingefallen sind. Aber es ist natürlich absurd zu sagen, man könne im tagesaktuellen Geschäft überhaupt keine Recherchen betreiben, vor allem weil sich diese Geschichte über Wochen hingezogen hat. Da hätte man durchaus recherchieren können, aber man wollte es offenbar nicht. Als bloßen Fehler kann man das kaum abtun.

Peter Welchering: Das Problem ist: Wenn Sie jemandem Vorsatz unterstellen, müssen Sie ihn nachweisen. Das kann ich nicht. Deshalb neige ich zu der einfacheren Annahme: Herr Himmler hat in seinem Volontariat beim ZDF vielleicht einmal etwas über Recherche gelernt, es aber später vergessen. Wenn es an der Spitze so anfängt, breitet sich das aus. Dann werden solche Recherchen insgesamt nicht mehr gemacht.

Milena Preradovic: Im Tagesgeschäft gibt es mindestens einen Chef vom Dienst, der die Sendung verantwortet. Tag für Tag wurden diese Inhalte ohne weitere Recherche gesendet. Sich allein auf Correctiv zu verlassen, kann kaum genügen. Ist es nicht wahrscheinlicher, dass es einfach sehr gut ins Konzept passte?

Peter Welchering: Das ist wahrscheinlich. Wir können das als Spekulation diskutieren, bewiesen ist es nicht. Aber ich gehe persönlich auch davon aus: Man hatte endlich etwas gefunden, das Narrativ war sehr attraktiv, fast zu gut, um nicht wahr zu sein. Also hat man angenommen, es müsse wahr sein, weil es so gut ins Bild passt.

Milena Preradovic: Sie schreiben in Ihrem Buch auch über Gesinnungsjournalismus. Welche Rolle spielt er inzwischen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Ich habe den Eindruck, eine tragende.

Peter Welchering: Der Gesinnungsjournalismus hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Er war allerdings nie ganz verschwunden. Man muss zurückgehen bis zu Emil Dovifat, der gewissermaßen als Vater dieses Ansatzes gilt, auch wenn die Wurzeln noch weiter zurückreichen, bis in Diskussionen ab etwa 1890. Damals entstand die sogenannte Geschäftspresse, die im Gegensatz zur Gesinnungspresse keine politischen Botschaften transportieren sollte, sondern wirtschaftliche und technische Entwicklungen so darstellte, dass Unternehmer fundierte Entscheidungen treffen konnten – ohne ideologischen Kontext. In der Weimarer Zeit dominierte dann wieder die Parteipresse, und der Gesinnungsjournalismus wurde weitergeführt. Dovifat hat das systematisch beschrieben und den Journalistenberuf als charakterlichen Beruf definiert. Charakterlich geeignet war, wer die „richtige“ Gesinnung mitbrachte und diese auch als Führungsmittel einsetzen konnte. Journalismus wurde damit faktisch zu einem Instrument politischer Führung.

Peter Welchering: Dovifat hat das zunächst für die Zentrumspartei vertreten, später – nach 1933 – auch im Kontext des Nationalsozialismus. Nach 1945 gab es eine Unterbrechung, und ab 1949 spielte das Konzept wieder eine Rolle, unter anderem im Umfeld der CDU. Das ZDF steht historisch auch in dieser Tradition, denn Konrad Adenauer wollte ursprünglich ein staatliches Fernsehen etablieren. Das Bundesverfassungsgericht hat das verhindert und stattdessen eine zweite öffentlich-rechtliche Anstalt zugelassen. In der Folge war das ZDF lange Zeit politisch geprägt, mit einer Balance zwischen verschiedenen politischen Lagern innerhalb der Führungsebenen. Solange diese Balance bestand, hielt sich das System einigermaßen im Gleichgewicht.

Milena Preradovic: Von großer Diversität bei den Öffentlich-Rechtlichen kann man inzwischen kaum noch sprechen. Und lustigerweise spielen auch die anderen, ich nenne sie gern die Altmedien, im Grunde ins gleiche Horn. Das heißt, wir haben nicht nur einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der zum Staatsfunk tendiert, sondern insgesamt eine Presse, die bei großen, wichtigen Fragen weitgehend gleichgerichtet ist.

Peter Welchering: Ob man das mit dem Begriff Gleichschaltung belegen kann, da bin ich mir nicht sicher. Wir haben aber tatsächlich eine sehr starke Tendenzausrichtung. Genau diese Tendenzausrichtung sollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk gerade nicht haben. Denn anders als private Medien, die diese Tendenz nach dem Betriebsverfassungsgesetz haben dürfen – Stichwort § 118 –, soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk umfassend und möglichst am Objektivitätsideal orientiert berichten. Dieses Ideal ist stark gefährdet, wenn auch in unterschiedlichem Maß in den einzelnen Anstalten. Ich kann auch heute noch, wenn auch nicht mehr im Umfang wie früher, durchaus umfassend und breit recherchiert berichten, etwa in der Sendung, die ich 30 Jahre mit aufgebaut habe, im Deutschlandfunk. Es ist schwieriger geworden, man muss stärker argumentieren, um einen breiten Ansatz durchzusetzen, aber in bestimmten Bereichen ist es noch möglich. Insgesamt kommt der öffentlich-rechtliche Rundfunk dieser Aufgabe jedoch zu großen Teilen nicht mehr nach. Deshalb habe ich gemeinsam mit Roland Schatz das Buch geschrieben, in dem wir einen Neustart vorschlagen. Unsere Idee ist: Den bisherigen Neun-Milliarden-Konzern, der seine öffentlich-rechtlichen Ursprünge weitgehend vergessen hat, zurückbauen und mit einer neuen, agilen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt – im Kern smartphone-orientiert – neu starten. Mit deutlich geringeren Mitteln, unter einer Milliarde, lässt sich das realisieren.

Milena Preradovic: Sie sprechen davon, was man nach 1945 eigentlich wollte, aber nie wirklich bekommen hat. Warum sind Sie so optimistisch, dass ein neuer, deutlich günstigerer öffentlich-rechtlicher Rundfunk nicht politisch beeinflusst wäre? Schließlich kommt das Geld weiterhin über die Beitragszahler, also letztlich staatlich organisiert.

Peter Welchering: Das hängt stark von der konkreten Finanzierungsstruktur ab. Eine Möglichkeit wäre weiterhin ein Beitragssystem. Man könnte sich beispielsweise direkt an die Wähler richten – etwa 60 Millionen Menschen. Dann läge man bei rund zwei Euro pro Monat und Wähler. Der Vorteil wäre: Dieser Wähler zahlt nicht nur den Beitrag, sondern könnte idealerweise – gekoppelt an die Bundestagswahl – auch den Rundfunkrat wählen. Der würde dann nicht mehr von gesellschaftlichen Gruppen entsandt.

Milena Preradovic: Die ja politisch gefärbt sind, muss man sagen.

Peter Welchering: Das war ursprünglich vom Verfassungsgericht gut gemeint, aber schlecht umgesetzt. Ziel war es, staatsferner zu werden und den Einfluss von Politik und Staat in den Gremien zu reduzieren. Deshalb sollten gesellschaftlich relevante Gruppen Vertreter entsenden. In der Praxis hat das aber dazu geführt, dass etwa Gewerkschaften ehemalige SPD-Politiker entsenden, Sozialverbände Personen aus dem Umfeld der CDU oder Wirtschaftsverbände frühere FDP-Abgeordnete. Das Ergebnis ist, dass politische Strukturen faktisch reproduziert werden. Ein Beispiel: Die Vorsitzende des Fernsehrats ist Gerda Hasselfeldt, früher CSU-Ministerin. Ihre Stellvertreterin, Katrin Krömer, wurde von einer Journalistengewerkschaft entsandt und arbeitete bis März 2025 für einen SPD-Bundestagsabgeordneten. Damit spiegelt sich die politische Konstellation – etwa eine schwarz-rote Struktur – direkt in der Gremienleitung wider. Das ist problematisch.

Milena Preradovic: Warum brauchen wir überhaupt einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Peter Welchering: Weil er die Chance bietet, ein Medienangebot zu schaffen, das frei von wirtschaftlichen Interessen ist, die private Anbieter zwangsläufig haben. Und – wenn richtig organisiert – auch frei von politischen Interessen. Ein solches System könnte sich am Objektivitätsideal orientieren, sauber recherchieren und ausreichend Ressourcen für gründliche journalistische Arbeit bereitstellen. Dafür braucht man gut ausgebildete, unabhängige Redakteure, die berichten, was tatsächlich ist.

Milena Preradovic: Wo sollen die herkommen? Das klingt in der heutigen Zeit fast utopisch.

Peter Welchering: Ich habe solche Journalisten in den letzten 40 Jahren ausgebildet.

Milena Preradovic: Die arbeiten heute bei ARD und ZDF?

Peter Welchering: Sie arbeiten in vielen verschiedenen Medien, weniger bei ARD und ZDF. Aber auch dort gibt es noch Kollegen, die sich am Objektivitätsideal orientieren, die umfassend arbeiten und gründlich recherchieren wollen. Allerdings können viele ihre Arbeit derzeit nicht so umsetzen, wie sie es eigentlich möchten.

Milena Preradovic: Das ist seit Jahren so. Denken wir nur an Corona. Ich habe selbst Kontakte in öffentlich-rechtliche Anstalten und habe gehört, dass schon moderate kritische Stimmen – etwa Ärzte, die nicht einmal extrem kritisch waren – kaum zugelassen wurden und schnell ausgegrenzt waren.

Peter Welchering: Dazu kann ich eine Gegenanekdote erzählen. Ein Kollege hat mich im Frühjahr 2020 auf die Datenspende-App des Robert Koch-Instituts aufmerksam gemacht. Wir haben festgestellt, dass sie Daten erhob, die sie eigentlich nicht hätte erfassen dürfen. Nach Rücksprache mit dem RKI, das Anpassungen zugesagt hat, habe ich das Thema in eine Redaktionskonferenz eingebracht. Dort wurde argumentiert, man könne ein solches Thema während der Pandemie nicht bringen, weil es das Vertrauen in Apps untergraben könnte. Es gab intensive Diskussionen, aber solche Beiträge sind dennoch gesendet worden.

Milena Preradovic: Wo genau?

Peter Welchering: Beispielsweise im Deutschlandfunk.

Milena Preradovic: Beim ZDF habe ich so etwas nicht gesehen.

Peter Welchering: Ich habe auch für heute.de entsprechende Beiträge gemacht, die dort veröffentlicht wurden.

Milena Preradovic: Dennoch wurden zentrale Narrative kaum hinterfragt: die Gefährlichkeit der Pandemie, die Schuldzuweisung an Ungeimpfte oder die fehlende Aufmerksamkeit für Impfgeschädigte. Heute wird weiterhin zum Impfen aufgerufen, während andere Aspekte wenig Beachtung finden. Ihre Beispiele wirken dagegen eher wie Ausnahmen.

Peter Welchering: Wenn man mit anekdotischer Evidenz argumentiert, muss man beide Seiten betrachten. Unbestritten ist jedoch, dass es eine starke Verengung des Meinungskorridors gab. Das kritisiere ich auch ausdrücklich. In unserem Buch wird das detailliert aufgearbeitet. Genau deshalb plädieren wir für einen Neustart mit neuen Kontrollmechanismen, die solche Entwicklungen künftig verhindern sollen.

Milena Preradovic: Was passiert dann mit den hohen Pensionsansprüchen? Die machen einen erheblichen Teil des Budgets aus.

Peter Welchering: Diese Altlasten würde ich auslagern, etwa in eine Art Bad Bank. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten verfügen über erhebliches Vermögen, etwa Immobilien in bester Lage oder andere Anlagewerte. Diese könnten in eine solche Struktur überführt werden, idealerweise verwaltet durch eine Institution wie die Deutsche Bundesbank. Aus diesen Mitteln würden die bestehenden Verpflichtungen bedient. Die Verträge müssen erfüllt werden, daran führt kein Weg vorbei. Aber die neue Anstalt wäre von diesen Altlasten entkoppelt und könnte mit einer deutlich schlankeren Struktur neu starten.

Milena Preradovic: Es stellt sich nur die Frage: Wie soll das alles geschehen? Es ist gut durchdacht, aber wie soll es umgesetzt werden? Die AfD ist ja die einzige Partei, die etwas Ähnliches fordert, nämlich die Auflösung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in seiner jetzigen Form. Die anderen Parteien sind sich weitgehend einig, dass der ÖRR eher unterstützt werden sollte und genau das nicht gewollt ist. Worauf setzen Sie also Ihre Hoffnung?

Peter Welchering: Das ist ein sehr komplexes Bild. Es gibt tatsächlich innerhalb der AfD Medienpolitiker, die einen solchen Neustart wollen. Mir wird auch häufig vorgeworfen, dass meine Position mit der AfD übereinstimme. Das stimmt so pauschal nicht, denn auch dort gibt es unterschiedliche Strömungen.

Milena Preradovic: Sie haben ja auch einen AfD-Politiker interviewt.

Peter Welchering: Ja, ich spreche mit allen. Das halte ich für selbstverständlich. Ich spreche genauso mit SPD-, FDP- oder Linken-Politikern wie mit Vertretern der AfD. Es gibt in der AfD auch Positionen, etwa zur Abschaffung des Euro, die verfassungsrechtlich problematisch sind. Ähnlich ist es beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Eine vollständige Abschaffung könnte verfassungsrechtliche Schwierigkeiten mit sich bringen. Zwar gibt es keine explizite „Ewigkeitsgarantie“ im Grundgesetz, aber die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht hat eine Finanzierungspflicht für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk etabliert.

Peter Welchering: Gleichzeitig habe ich auch mit Medienpolitikern der CDU gesprochen. Auch dort gibt es Stimmen, die einen Neustart befürworten. Allerdings trauen sich viele weniger als manche AfD-Vertreter, diese Position offen zu vertreten. Viele befinden sich in einer Art Sandwichposition: An der Basis gibt es starken Druck für Reformen oder sogar Abschaffung, während die Ministerpräsidenten – gerade aus der CDU – ein Interesse daran haben, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Kommunikationsinstrument der Staatskanzleien zu erhalten.

Milena Preradovic: Genau, die Parteispitzen setzen sich durch. Reformansätze gab es immer wieder, aber passiert ist nichts. Gleichzeitig werden Fehler oder auch Fälschungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer offensichtlicher. Beispiele sind ein verfälschter Tagesschau-Bericht über Angela Merkel, fehlerhafte Wahlgrafiken oder der jüngste KI-Skandal im heute journal, bei dem künstlich erzeugte Bilder als echt dargestellt wurden. Sie beschäftigen sich intensiv damit – finden Sie weitere Beispiele?

Peter Welchering: Ich suche nicht aktiv danach, es fällt mir eher auf, wenn ich Berichterstattung analysiere. Ich schaue privat selten Tagesschau oder heute, aber beruflich natürlich schon. In einem Seminar habe ich mir vorgenommen, innerhalb einer Woche etwa zwei Dutzend Fehler zu sammeln. Nach drei Tagen hatte ich genug Material. Zwei Jahre später war ich nach zwei Tagen fertig. Das zeigt, dass solche Fehler zunehmen. Manche sind banal, etwa wenn Istanbul zur Hauptstadt der Türkei erklärt wird. Andere haben mit politischem Aktivismus zu tun. Dabei muss man differenzieren: Die Ursachen sind unterschiedlich. Ein wesentlicher Faktor ist der Abbau des Fachjournalismus.

Milena Preradovic: Warum gibt es kaum noch Fachjournalisten? Gerade beim teuersten öffentlich-rechtlichen System der Welt müsste man das erwarten können.

Peter Welchering: Das konnte man erwarten. Ein Argument, das ich häufig gehört habe, ist, dass Fachjournalisten zu teuer seien. Ich habe selbst gut verdient, sowohl im öffentlich-rechtlichen als auch im privaten Bereich. Ein weiterer Grund ist, dass Fachjournalisten schwerer zu steuern sind. Sie stellen für Hierarchien ein Führungsproblem dar.

Milena Preradovic: Weil sie unabhängiger sind.

Peter Welchering: Genau. In den 1990er-Jahren waren Redaktionen oft wie konstitutionelle Monarchien organisiert. Es gab einen Redaktionsleiter, aber auch mehrere erfahrene Fachjournalisten, die große Freiräume hatten, weil man auf ihr Wissen angewiesen war. Wenn kurzfristig eine Sendung produziert werden musste, waren sie unverzichtbar. Dieses System hat sich etwa ab 2010 bis 2013 verändert. Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig geklärt, aber die Entwicklung ging klar in Richtung Abbau von Fachjournalisten und Ersatz durch Generalisten.

Milena Preradovic: Weil die leichter zu kontrollieren sind.

Peter Welchering: Sie sind leichter zu führen und oft in prekäreren Beschäftigungsverhältnissen. Früher hatte ich beispielsweise einen festen Vertrag, der nicht einfach kündbar war. Heute arbeiten viele mit befristeten Verträgen oder projektbezogen. Das erhöht die Abhängigkeit. Der Medienforscher Lutz Hachmeister hat in diesem Zusammenhang von „Technokraten der Macht“ gesprochen. Es entstehen oligarchische Strukturen innerhalb des Rundfunks.

Peter Welchering: Gleichzeitig hat sich die Organisation verändert: Neben dem „Maschinenraum“, in dem das Programm entsteht, gibt es immer mehr Führungsebenen – gewissermaßen „Sonnendecks“. Dort wird strategisch gearbeitet, Netzwerke gepflegt und Macht organisiert. Während im Maschinenraum zunehmend prekäre Arbeitsbedingungen herrschen, konzentrieren sich auf den oberen Ebenen hohe Gehälter und Einfluss.

Milena Preradovic: Und dort wird auch sehr gut verdient.

Peter Welchering: Ja, dort werden hohe sechsstellige Gehälter gezahlt. Diese Struktur trägt zur inhaltlichen Einseitigkeit bei.

Milena Preradovic: Und gespart wird vor allem unten.

Peter Welchering: Genau. Einsparungen betreffen meist den journalistischen Bereich, während die oberen Ebenen unangetastet bleiben oder sogar ausgebaut werden. Betrachtet man die Programmanforderungen, ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit rund neun Milliarden Euro Beitragsaufkommen eigentlich überfinanziert. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zur Kostensenkung.

Peter Welchering: Ein Beispiel ist die Auslagerung von Eigenproduktionen seit den 1990er- und verstärkt in den 2000er-Jahren. Viele ehemalige Mitarbeiter gründeten Produktionsfirmen und verkauften ihre Inhalte anschließend teurer an die Sender zurück. Dadurch sind die Programmkosten stark gestiegen. Gleichzeitig existieren Projekte, deren Nutzen unklar ist oder die ursprünglich zur Reichweitensteigerung gedacht waren. Das Format „Funk“ sehe ich inzwischen als gescheitert an – die erhoffte Reichweite wird damit nicht erzielt.

Milena Preradovic: Funk ist ein politisches Projekt, würde ich sagen. Oder?

Peter Welchering: Ja, und hat deshalb im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eigentlich nichts zu suchen.

Milena Preradovic: Ja, aber das war vermutlich der Sinn. Nicht den Statuten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu dienen, sondern im Grunde die Jugend auf Kurs zu bringen.

Peter Welchering: Verkauft wurde es ja als Jugendprogramm, und das ist zunächst einmal nichts Schlechtes. Aber dann kam tatsächlich diese volkserzieherische Tendenz hinein. Und die ist mit öffentlich-rechtlichen Prinzipien nicht vereinbar. Außerdem ist Funk sehr teuer geworden, weil sich dort Produktionsgesellschaften angedockt haben, die viel Geld abgeschöpft haben.

Milena Preradovic: Aber da gibt es ja noch ganz andere Dinge. Wenn man bestätigt hat, dass man über 18 ist, kann man dort Filme sehen, in denen etwa schwule Männer in Ketten und Leder, unter Drogen, Sex haben wollen und das detailliert erzählen. Also dieses Funk hat sich wirklich in seltsame Richtungen entwickelt.

Peter Welchering: Ja, deshalb sage ich auch: gescheitertes Experiment. Am besten möglichst rasch einstellen.

Milena Preradovic: Sie haben vorhin von inzestuösen Angestelltenverhältnissen gesprochen. Ich glaube, Intendant Himmler ist auch so ein Fall. Er kommt vom ZDF, das war, glaube ich, seine erste Anstellung, und hat sich dann bis an die Spitze hochgearbeitet. Und er geht ja gerade zum Angriff über: Er greift die freien Medien an und nennt sie den Feind. Das seien diese sogenannten Medien, die so einseitig berichten, dass das mit Journalismus nichts mehr zu tun habe. Wörtlich sagte er: Sie bekämpfen den kritischen, den professionellen Journalismus mit allen Mitteln. Bedeutet diese doch sehr harsche Attacke, dass die freien Medien inzwischen einen großen Einfluss auf die Meinungsbildung haben?

Peter Welchering: Das bedeutet vor allem, dass die freien Medien auch bei der Klientel der Öffentlich-Rechtlichen sehr viel bewirkt haben. Und dass die Öffentlich-Rechtlichen sich gegen diese freien Medien tatsächlich behaupten müssen. Das ist zunächst einmal eine gute Entwicklung, denn Konkurrenz belebt immer das Geschäft. Zu Herrn Himmler: Das mit dem inzestuösen Technokraten habe ich ja von Lutz Hachmeister übernommen, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Aber ich zitiere das sehr gern. Herrn Himmler sehe ich manches nach, weil er außerhalb des ZDF nie kennengelernt hat, was Journalismus bedeutet.

Milena Preradovic: Sie sehen ihm vieles nach? Also er erklärt Kollegen quasi zu Feinden.

Peter Welchering: Und das sollte man nicht tun. Aber im Prinzip war er da konsequent. Er hat gesehen: Wir müssen uns jetzt wappnen, weil unsere ursprünglich unangreifbar geglaubte Position ins Wanken gerät. Die Kritik von außen wird stärker, ebenso der Druck, Reformen vorzunehmen. Dagegen versucht er mit einer Wagenburgmentalität vorzugehen: Im Krisenfall sollen sich alle um die Flagge versammeln und nach außen verteidigen. Er hat diese Kriegserklärung, wenn man es so nennen will, in seiner Bewerbungsrede für die zweite Amtszeit abgegeben. Wenn man das einordnet, muss man aber sehen: Davor gab es diese offene Chefredakteursrunde, die Bettina Schausten einberufen hat, also eine Videokonferenz mit über 1.000 Teilnehmern.

Milena Preradovic: Nach dem Skandal?

Peter Welchering: Nach dem Skandal, genau. Dort wurde ziemlich deutlich, dass auch intern sehr heftige Kritik geäußert wurde. Das ist für Norbert Himmler eine völlig neue Entwicklung. Wobei man sagen muss: Diese Kritik gab es auch vorher schon. Dass sich die Nachrichtenchefin im heute journal hinstellen und um Entschuldigung bitten musste, hatte auch damit zu tun, dass nicht wenige Mitarbeiter zur Geschäftsleitung gegangen sind und gesagt haben: Freunde, so geht das nicht weiter, unsere journalistische Reputation geht verloren, unternehmt etwas. Das ist beim ZDF in dieser Form und in diesem Ausmaß zum ersten Mal passiert. Insofern ist das keine schlechte Entwicklung. Es müsste nur etwas schneller gehen. Und ich würde es begrüßen, wenn die Leute das nicht nur anonym täten. Einige äußern sich ja auch unter ihrem Namen, aber die sind dann schnell weg. Das hat man bei Andreas Halbach und anderen gesehen. Je mehr jedoch mitmachen und Kritik äußern, desto schwieriger werden Sanktionen. Das muss man den Kollegen immer wieder vermitteln.

Peter Welchering: Besinnt euch wieder auf genau diese journalistischen Standards. Dann können wir sie mit einer wirklichen Reform auch umsetzen. Sonst wird das nichts.

Milena Preradovic: Ja, aber diejenigen unten, die in prekären Verhältnissen leben, mit freien Verträgen, die schnell kündbar sind, haben natürlich Angst, sich zu äußern. Und die anderen machen es wahrscheinlich erst recht nicht, weil sie gut dotierte ZDF-Verträge haben. Also alles wie immer.

Peter Welchering: Ja, alles wie immer. Wobei es tatsächlich eine Entwicklung gibt, dass sich einige Kollegen – mehr als früher – ein zweites Standbein aufbauen. Das war auch der Grund, weshalb ich beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer eine relativ unangreifbare Position hatte. Zum einen durch die Lehre, zum anderen durch meine Arbeit in Entwicklungsfragen. Dadurch konnte ich immer sagen: Ich bin nicht vollständig auf euch angewiesen. Das ist eine sehr gute Verhandlungsposition. Und ich sehe, dass sich inzwischen mehr Kollegen genau so eine Position aufbauen. Wenn sich das auch im journalistischen Maschinenraum weiter verbreitet, könnte sich etwas verändern. Nicht in den nächsten Wochen und auch nicht in den nächsten Monaten, aber vielleicht in einem Zeitraum von zwei, drei oder vier Jahren. Dann könnte sich doch einiges tun.

Milena Preradovic: Ich bewundere Ihren Optimismus, muss ich sagen. Wenn ich auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schaue, sehe ich vor allem Frechheiten. Aber das hängt natürlich immer von der Perspektive ab, gerade wenn man sich die finanziellen Dinge ansieht.

Peter Welchering: Frechheiten sehe ich auch, aber die muss man wegstecken.

Milena Preradovic: Nichts wegstecken, aber gut.

Peter Welchering: Ich stecke sie weg. Wenn Himmler gegenüber Landtagsabgeordneten erklärt: Ach, der Welchering ist doch irrelevant, dann soll er das eben sagen.

Milena Preradovic: Das ist fast schon ein Adelstitel.

Peter Welchering: Soll er machen.

Milena Preradovic: Kommen wir zum Finanziellen. Im letzten Jahr hat der ÖRR rund zehn Milliarden Euro eingenommen, sogar etwas mehr. Er ist der teuerste öffentlich-rechtliche Rundfunk der Welt. Auch vorher lagen die Einnahmen schon bei rund neun Komma irgendwas Milliarden. Und trotzdem werden jede Menge Schulden gemacht. In Ihrem Buch haben Sie den SWR als Beispiel genannt. Der SWR legte für 2024 einen Fehlbetrag von gut 33 Millionen Euro vor und hält das offenbar für in Ordnung. Sie schreiben, dass Hans-Albert Stechl, der mächtige Vorsitzende des Verwaltungsrats, gesagt habe: Dieses Defizit ist Teil eines langfristig angelegten strategischen Transformationsprozesses. Was für ein Transformationsprozess?

Peter Welchering: Das habe ich ihn auch gefragt. Das können sie im Moment nicht beantworten. Sie müssten ja klären, wohin sie überhaupt transformieren wollen. Die Vorstellungen sind sehr unklar. Einige sagen, man müsse „irgendetwas mit dem Netz“ machen. Aber dieses Zeitfenster ist längst geschlossen. Über viele Jahre hat man Plattformen wie Google, YouTube oder Facebook gestärkt und dort viel Geld investiert, obwohl es die Möglichkeit gegeben hätte, auf Open-Source-Basis, etwa im Fediverse, eigene tragfähige Strukturen aufzubauen. Das ist auch ein Problem der Hierarchie, weil dort oft das technische Verständnis fehlt. Die Transformation, die ich meine, ist ein echter Neustart: der Aufbau eines unabhängigen, wirklich öffentlich-rechtlichen, also tendenzfreien Systems.

Milena Preradovic: Damit stoßen Sie bei den Öffentlich-Rechtlichen selbst kaum auf Zustimmung. Dort heißt es eher: Wir haben viel Geld, machen zwar Schulden, aber das ist in Ordnung. Gleichzeitig sind die Moderatorengehälter sehr hoch – Lanz mit 1,9 Millionen, Lichter mit 1,7, Welke über eine Million, Böhmermann etwa 700.000.

Peter Welchering: Bei Böhmermann kommt noch seine Produktionsfirma hinzu, die ebenfalls Einnahmen generiert.

Milena Preradovic: Dann ist er auch bei rund einer Million. Wenn es ein privatwirtschaftliches Unternehmen wäre, könnte man sagen: Wenn euch das so viel wert ist. Aber hier zahlt der Bürger. Und diese Zahlen sollten eigentlich gar nicht öffentlich werden, sie sind 2024 geleakt worden. Ist das nicht teilweise auch Geld für politische Einflussnahme, gerade bei Formaten wie denen von Böhmermann oder Lanz?

Peter Welchering: Bei Böhmermann ist es so, dass er beim Intendanten eine starke Position hat, weil man sich von ihm Reichweite bei jüngeren Zielgruppen verspricht.

Milena Preradovic: Aber das, was er macht, ist doch häufig Denunziation. Menschen werden öffentlich vorgeführt, teilweise ohne belastbare Belege. Denken wir an den Fall von Arne Schönbohm.

Peter Welchering: Genau, der damalige Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik.

Milena Preradovic: Er wurde in der Sendung kritisiert und anschließend von Nancy Faeser entlassen. Es gab auch Kontakte zwischen Redaktion und Innenministerium. Das wirkt so, als würde hier aktiv Politik betrieben.

Peter Welchering: Ich halte Böhmermann für einen Politaktivisten. Solche Rollen haben in einem öffentlich-rechtlichen System eigentlich keinen Platz.

Milena Preradovic: Und er gehört zu den Favoriten des Intendanten.

Peter Welchering: Was die neue Struktur betrifft, sage ich klar: Auch die Gehälter müssen sich ändern. Orientierung sollte der öffentliche Dienst sein. Ein Redakteur wäre gut bezahlt auf dem Niveau eines Studienrats. Ein Intendant könnte sich an einem Brigadegeneral der Bundeswehr orientieren – auch das wäre noch eine sehr gute Bezahlung bei hoher Verantwortung.

Milena Preradovic: Wir haben viel über Fehlentwicklungen und mögliche Reformen gesprochen. Aber ist das Problem nicht auch auf der Seite der Zuschauer zu suchen? Solange Menschen Medien unkritisch vertrauen und sich nicht selbst umfassend informieren, bleiben sie manipulierbar. Liegt die Lösung nicht eher beim Bürger?

Peter Welchering: Medienbildung ist entscheidend, da stimme ich zu. Deshalb habe ich mich früh auch in der Journalistenausbildung engagiert. Wichtig ist die kritische Begleitung durch die Nutzer. Bürger sollten in der Lage sein, Inhalte zu hinterfragen, etwa auch technische Hinweise wie Wasserzeichen in KI-generierten Beiträgen zu erkennen und einzuordnen.

Milena Preradovic: Das ist in der Praxis oft schwierig. Auf einem kleinen Bildschirm erkennt man solche Details kaum. Ich sage hier immer: Informiert euch aus verschiedenen Quellen und glaubt keiner einzelnen Seite. Eine fundierte Meinung entsteht nur aus Vielfalt an Informationen.

Peter Welchering: Skepsis ist eine gute journalistische Grundhaltung – auch auf Seiten der Nutzer. Und ich sehe durchaus positive Entwicklungen. Es wird oft behauptet, gerade junge Menschen seien passiv und würden nur noch kurze Videos konsumieren. In meinen Seminaren erlebe ich häufig das Gegenteil: Viele junge Leute haben hohe Ansprüche und wollen diese auch umsetzen. Allerdings zeigt sich auch, dass nach einigen Jahren im System viel von diesem Elan verloren geht.

Milena Preradovic: Sie werden angepasst, um weiterzukommen und sich Vorteile zu sichern. Und gleichzeitig schauen junge Menschen ohnehin kaum noch lineares Fernsehen.

Peter Welchering: Das stimmt, sie nutzen überwiegend Mediatheken und andere digitale Angebote.

Milena Preradovic: Und ARD und ZDF spielen bei jungen Zielgruppen eher eine geringe Rolle. Vielleicht ist das langfristig die entscheidende Entwicklung: dass dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Zuschauer wegsterben.

Peter Welchering: Wenn das dazu beiträgt, dass dieser Neun-Milliarden-Konzern in seiner jetzigen Form beendet und durch eine neue Struktur ersetzt wird, hätte ich damit kein Problem.

Milena Preradovic: Ein klares Schlusswort. Vielen Dank, Peter Welchering, für das Gespräch und Ihren Optimismus.

Peter Welchering: Bleiben wir optimistisch und zuversichtlich.

Milena Preradovic: Bleiben wir optimistisch – und kritisch. Fehler und Fakes sind kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das aus dem Ruder gelaufen ist. Laut Umfragen wollen 35 % die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Wenn diese Stimmen stärker werden, könnte sich etwas verändern. Es liegt, wie so oft, an uns. Ich wünsche euch eine gute Zeit. Bis bald.

Interview with Peter Welchering (english)

Milena Preradovic: ZDF Director General Himmler, who has just been re-elected unopposed, is sounding the charge against the independent media, which he describes as an enemy that must be fought in order to save good journalism. And this comes right on the heels of the major scandal at *heute journal*, which knowingly passed off artificially generated images as genuine. Just now at the Berlin Regional Court, another blow to the credibility of public broadcasting: the ruling in the case of the Potsdam meeting and alleged plans to deport German citizens. My guest says that Director General Himmler’s resignation would be appropriate. The public has already decided: only 47% still consider ARD and ZDF to be a reliable source. How much longer can this state-funded so-called public broadcasting get away with fake news, partisan journalism, and lavish salaries? Now on “Punkt Preradovic.” Hello, Peter Welchering. Nice to meet you.

Peter Welchering: Yes, hello, Ms. Preradovic.

Milena Preradovic: Let me briefly introduce you. You are a journalist, certified journalism trainer, and author. You studied philosophy and have been working in radio, television, and print since 1983, including for ZDF, ARD, Deutschlandradio, and FAZ. There, as an IT specialist, you uncovered several data scandals. In addition, you have trained journalists for decades, for example at Heise Verlag, the Märzakademie, or the University of Göttingen. Together with Annkathrin Mücke and Alexander Teske, you currently host the media podcast “Sachlich richtig.” Your latest book, which you co-authored with Roland Schatz, is titled “Geschlossene Anstalt: How Public Broadcasting Is Dismantling Itself.” Let’s start with a ruling from this week, very timely regarding the Potsdam secret meeting, namely before the Berlin Regional Court. This Potsdam secret meeting led to an outcry in the media and massive demonstrations against the right in 2023. The core of the allegations raised by the authors at Correctiv: Those present had allegedly drafted a master plan for the expulsion of German citizens with a migrant background. Following several similar rulings, this narrative has now also been dismissed, and you therefore consider the resignation of ZDF Director General Himmler to be appropriate. Why?

Peter Welchering: I already considered that appropriate beforehand and wrote to him about it in December 2024. It was clear to me that what ZDF, among others, but also many others reported in January 2024—which was published by Correctiv on their website on January 10, 2024—was a dramatic text. And ZDF, among others, reported on this dramatic text as if it were a factual report.

Milena Preradovic: It was more like a stage play, written like a scene.

Peter Welchering: That’s exactly how it was structured. In fact, last summer—in August 2025—Correctiv tried to have me legally prohibited, through their attorney, from referring to the piece as a drama. We then wrote back with my media attorney, Carsten Brennecke, stating that we could even provide evidence that this was written in the dramatic style and not as a factual report. After all, as a lecturer on journalistic styles, I taught it that way for 24 years at the Journalism Academy in Stuttgart. After that, things quieted down on that front. What annoyed me were several things. First, that ZDF, like many others, simply took this drama and reported on it as if it were a factual report. Second, that no independent research was conducted whatsoever. On the contrary: In court, the ZDF lawyers argued that in day-to-day operations, there is generally no time for independent research. So I asked the director: Dear Mr. Himmler, what exactly have I been doing for many years? I’ve burned the midnight oil and worked through weekends to conduct precisely this kind of research. And now you have your lawyers say that this isn’t possible in day-to-day operations—what’s that supposed to mean? He didn’t explain it to me. Another point: In ZDF’s news programs, no further questions were asked about sources or evidence. Marcus Bensmann was asked on *heute journal update* about the evidence and replied, “We have great sources.” That was all. There was no demand to name these sources. Instead, the impression was given that it was obvious which sources existed. I already doubted back then that there were verifiable sources. Because if there were, the whole thing would have been published as a factual report and the sources would have been named.

Milena Preradovic: It was a bit of a trick by Correctiv that basically everyone fell for. But of course it’s absurd to say that you can’t do any research at all in day-to-day news reporting, especially since this story dragged on for weeks. They could certainly have done some research, but they apparently didn’t want to. You can hardly dismiss this as a mere mistake.

Peter Welchering: The problem is: If you accuse someone of intent, you have to prove it. I can’t do that. That’s why I lean toward the simpler assumption: Mr. Himmler may have learned something about research during his internship at ZDF, but he later forgot it. When it starts at the top like that, it spreads. Then such research simply isn’t done anymore.

Milena Preradovic: In day-to-day operations, there is at least one editor-in-charge who is responsible for the broadcast. Day after day, this content was aired without further research. Relying solely on Correctiv can hardly be enough. Isn’t it more likely that it simply fit the concept very well?

Peter Welchering: That’s likely. We can discuss this as speculation; it hasn’t been proven. But I personally also assume this: They had finally found something; the narrative was very appealing, almost too good to be true. So they assumed it must be true because it fit the picture so well.

Milena Preradovic: In your book, you also write about opinion-driven journalism. What role does it now play in public broadcasting? I get the impression it’s a major one.

Peter Welchering: Opinion-driven journalism has gained significantly in importance in recent years. It never completely disappeared, though. You have to go back to Emil Dovifat, who is considered, in a sense, the father of this approach, even if its roots go back even further, to discussions dating from around 1890. That was when the so-called business press emerged, which, unlike the opinion-based press, was not intended to convey political messages, but rather to present economic and technical developments in such a way that entrepreneurs could make informed decisions—without an ideological context. During the Weimar era, the party press then dominated again, and opinion-based journalism continued. Dovifat systematically described this and defined the profession of journalism as a character-based profession. Those who possessed the “right” convictions and could also use them as a means of leadership were considered suitable in character. Journalism thus effectively became an instrument of political leadership.

Peter Welchering: Dovifat initially advocated this for the Center Party, and later—after 1933—also in the context of National Socialism. After 1945, there was an interruption, and from 1949 onward, the concept played a role again, including within the CDU. Historically, ZDF also stands in this tradition, as Konrad Adenauer originally wanted to establish state-run television. The Federal Constitutional Court prevented that and instead authorized a second public broadcaster. As a result, ZDF was politically shaped for a long time, with a balance between different political camps within the leadership. As long as this balance existed, the system remained reasonably stable.

Milena Preradovic: One can hardly speak of great diversity among public broadcasters anymore. And, funnily enough, the others—I like to call them the “old media”—are basically singing from the same hymn sheet. That means we don’t just have public broadcasting that tends toward state broadcasting, but a press as a whole that is largely aligned on major, important issues.

Peter Welchering: I’m not sure if you can really apply the term “Gleichschaltung” to this. But we do indeed have a very strong bias. It is precisely this bias that public broadcasting should not have. Because unlike private media, which are permitted to have this bias under the Works Constitution Act—keyword: Section 118—public broadcasting is supposed to report comprehensively and, as far as possible, guided by the ideal of objectivity. This ideal is seriously threatened, albeit to varying degrees across the individual broadcasters. Even today, though not to the same extent as before, I can still report comprehensively and based on broad research, for example on the program I helped build over 30 years at Deutschlandfunk. It has become more difficult; one must argue more forcefully to achieve a broad approach, but in certain areas it is still possible. Overall, however, public broadcasting is largely failing to fulfill this task. That is why I wrote the book together with Roland Schatz, in which we propose a fresh start. Our idea is this: to dismantle the current nine-billion-euro conglomerate, which has largely forgotten its public service origins, and to restart with a new, agile public broadcaster—essentially smartphone-oriented. This can be achieved with significantly fewer resources, under one billion.

Milena Preradovic: You’re talking about what people actually wanted after 1945 but never really got. Why are you so optimistic that a new, significantly cheaper public broadcaster wouldn’t be politically influenced? After all, the money still comes from license fee payers, so it’s ultimately state-organized.

Peter Welchering: That depends heavily on the specific funding structure. One option would be to continue with a subscription system. For example, one could target voters directly—about 60 million people. That would amount to roughly two euros per month per voter. The advantage would be: This voter would not only pay the fee but could ideally—linked to the federal election—also vote for the Broadcasting Council. That council would then no longer be appointed by social groups.

Milena Preradovic: Which, it must be said, are politically biased.

Peter Welchering: That was originally well-intentioned by the Constitutional Court, but poorly implemented. The goal was to become more independent of the state and reduce the influence of politics and the state in these bodies. That is why socially relevant groups were supposed to send representatives. In practice, however, this has led to, for example, trade unions sending former SPD politicians, social welfare organizations sending people from the CDU’s circle, or business associations sending former FDP members of parliament. The result is that political structures are effectively reproduced. An example: The chair of the Television Council is Gerda Hasselfeldt, a former CSU minister. Her deputy, Katrin Krömer, was sent by a journalists’ union and worked for an SPD member of the Bundestag until March 2025. Thus, the political constellation—such as a black-red structure—is directly reflected in the council’s leadership. That is problematic.

Milena Preradovic: Why do we even need public broadcasting?

Peter Welchering: Because it offers the opportunity to create a media service that is free from the economic interests that private providers inevitably have. And—if properly organized—also free from political interests. Such a system could be guided by the ideal of objectivity, conduct thorough research, and provide sufficient resources for in-depth journalistic work. This requires well-trained, independent editors who report what actually is.

Milena Preradovic: Where are they supposed to come from? That sounds almost utopian in today’s world.

Peter Welchering: I have trained such journalists over the past 40 years.

Milena Preradovic: Are they working at ARD and ZDF today?

Peter Welchering: They work in many different media outlets, fewer at ARD and ZDF. But even there, there are still colleagues who are guided by the ideal of objectivity, who want to work comprehensively and conduct thorough research. However, many are currently unable to do their work the way they would actually like to.

Milena Preradovic: It’s been like that for years. Just think of the pandemic. I have contacts at public broadcasters myself and have heard that even moderately critical voices—such as doctors who weren’t even extremely critical—were barely allowed and were quickly marginalized.

Peter Welchering: I can share a counter-anecdote on this. A colleague drew my attention to the Robert Koch Institute’s data donation app in the spring of 2020. We discovered that it was collecting data it shouldn’t have been collecting. After consulting with the RKI, which promised to make adjustments, I brought the issue up at an editorial meeting. There, it was argued that such a topic couldn’t be covered during the pandemic because it could undermine trust in apps. There were intense discussions, but such reports were broadcast nonetheless.

Milena Preradovic: Where exactly?

Peter Welchering: For example, on Deutschlandfunk.

Milena Preradovic: I didn’t see anything like that on ZDF.

Peter Welchering: I also wrote similar pieces for heute.de, which were published there.

Milena Preradovic: Nevertheless, key narratives were hardly ever questioned: the danger of the pandemic, the blame placed on the unvaccinated, or the lack of attention for vaccine-injured individuals. Today, calls to get vaccinated continue, while other aspects receive little attention. Your examples, by contrast, seem more like exceptions.

Peter Welchering: When arguing with anecdotal evidence, you have to look at both sides. It is undisputed, however, that there was a significant narrowing of the range of opinions. I also explicitly criticize that. Our book examines this in detail. That is precisely why we advocate for a fresh start with new control mechanisms designed to prevent such developments in the future.

Milena Preradovic: What happens then to the high pension entitlements? They account for a significant portion of the budget.

Peter Welchering: I would transfer these legacy liabilities to a separate entity, such as a “bad bank.” Public broadcasters hold substantial assets, such as real estate in prime locations or other investment assets. These could be transferred into such a structure, ideally managed by an institution like the Deutsche Bundesbank. Existing obligations would be met using these funds. The contracts must be fulfilled; there’s no way around that. But the new institution would be decoupled from these legacy liabilities and could start anew with a significantly leaner structure.

Milena Preradovic: The only question is: How is all of this supposed to happen? It’s well thought out, but how is it to be implemented? The AfD is, after all, the only party calling for something similar—namely, the dissolution of public broadcasting in its current form. The other parties largely agree that public broadcasting should be supported, and that is precisely what is not wanted. So where do you place your hopes?

Peter Welchering: It’s a very complex picture. There are indeed media policymakers within the AfD who want such a fresh start. I’m also frequently accused of having a position that aligns with the AfD’s. That’s not true in such broad terms, because there are different factions there as well.

Milena Preradovic: You’ve also interviewed an AfD politician.

Peter Welchering: Yes, I speak with everyone. I consider that a matter of course. I speak just as much with SPD, FDP, or Left Party politicians as I do with representatives of the AfD. There are also positions within the AfD—such as on the abolition of the euro—that are constitutionally problematic. The situation is similar with public broadcasting: a complete abolition could entail constitutional difficulties. While there is no explicit “perpetuity guarantee” in the Basic Law, the case law of the Federal Constitutional Court has established a funding obligation for public broadcasting.

Peter Welchering: At the same time, I also spoke with media policymakers from the CDU. There, too, there are voices advocating for a fresh start. However, many are less willing than some AfD representatives to openly advocate this position. Many find themselves in a sort of sandwich position: at the grassroots level, there is strong pressure for reforms or even abolition, while the state premiers—especially those from the CDU—have an interest in maintaining public broadcasting as a communication tool for the state chancelleries.

Milena Preradovic: Exactly, the party leadership prevails. There have been repeated attempts at reform, but nothing has happened. At the same time, errors or even fabrications in public broadcasting are becoming increasingly obvious. Examples include a falsified Tagesschau report on Angela Merkel, flawed election graphics, or the recent AI scandal in heute journal, where artificially generated images were presented as real. You’re looking into this closely—do you find other examples?

Peter Welchering: I don’t actively look for them; I tend to notice them when I analyze news coverage. I rarely watch Tagesschau or heute in my personal time, but professionally, of course, I do. In a seminar, I set out to collect about two dozen errors within a week. After three days, I had enough material. Two years later, I was done after two days. This shows that such errors are on the rise. Some are trivial, such as when Istanbul is declared the capital of Turkey. Others have to do with political activism. Here, one must differentiate: the causes vary. A key factor is the decline of specialized journalism.

Milena Preradovic: Why are there hardly any specialized journalists left? One would expect to find them, especially in the world’s most expensive public broadcasting system.

Peter Welchering: You would expect that. An argument I’ve heard frequently is that specialized journalists are too expensive. I myself earned a good living, both in public broadcasting and in the private sector. Another reason is that specialized journalists are harder to control. They pose a management problem for hierarchies.

Milena Preradovic: Because they’re more independent.

Peter Welchering: Exactly. In the 1990s, newsrooms were often organized like constitutional monarchies. There was an editor-in-chief, but also several experienced specialist journalists who had a great deal of autonomy because their expertise was indispensable. When a program had to be produced on short notice, they were indispensable. This system changed between about 2010 and 2013. The reasons for this are not yet fully understood, but the trend clearly moved toward reducing the number of specialist journalists and replacing them with generalists.

Milena Preradovic: Because they’re easier to control.

Peter Welchering: They are easier to manage and often in more precarious employment situations. For example, I used to have a permanent contract that couldn’t be easily terminated. Today, many work on fixed-term contracts or on a project basis. That increases dependency. Media researcher Lutz Hachmeister has spoken in this context of “technocrats of power.” Oligarchic structures are emerging within broadcasting.

Peter Welchering: At the same time, the organization has changed: alongside the “engine room” where the programming is created, there are increasingly more management levels—so to speak, “sun decks.” That’s where strategic work takes place, networks are cultivated, and power is organized. While increasingly precarious working conditions prevail in the engine room, high salaries and influence are concentrated at the upper levels.

Milena Preradovic: And people earn very well there.

Peter Welchering: Yes, high six-figure salaries are paid there. This structure contributes to the one-sidedness of the content.

Milena Preradovic: And savings are made primarily at the bottom.

Peter Welchering: Exactly. Cost-cutting usually affects the journalistic sector, while the upper levels remain untouched or are even expanded. Considering the programming requirements, public broadcasting is actually overfunded with around nine billion euros in license fees. There are numerous opportunities for cost reduction.

Peter Welchering: One example is the outsourcing of in-house productions since the 1990s and increasingly in the 2000s. Many former employees founded production companies and subsequently sold their content back to the broadcasters at a higher price. This has caused programming costs to rise sharply. At the same time, there are projects whose benefits are unclear or that were originally intended to increase reach. I now consider the “Funk” format a failure—it does not achieve the hoped-for reach.

Milena Preradovic: Funk is a political project, I would say. Right?

Peter Welchering: Yes, and that’s why it really has no place in public broadcasting.

Milena Preradovic: Yes, but that was probably the point. Not to serve the statutes of public broadcasting, but basically to set young people on the right path.

Peter Welchering: It was marketed as a youth program, and that’s not a bad thing in itself. But then this tendency toward public education actually crept in. And that’s incompatible with public broadcasting principles. Besides, Funk has become very expensive because production companies have attached themselves to it and skimmed off a lot of money.

Milena Preradovic: But there are other issues as well. Once you’ve confirmed you’re over 18, you can watch films there where, for example, gay men in chains and leather, under the influence of drugs, want to have sex and describe it in detail. So this Funk has really taken a strange turn.

Peter Welchering: Yes, that’s why I say: a failed experiment. It should be shut down as soon as possible.

Milena Preradovic: You mentioned incestuous employment relationships earlier. I think Director Himmler is another such case. He comes from ZDF—I believe that was his first job—and then worked his way up to the top. And he’s currently going on the offensive: he’s attacking the independent media and calling them the enemy. He claims these so-called media outlets report so one-sidedly that it has nothing to do with journalism anymore. He said, verbatim: “They are fighting critical, professional journalism with every means at their disposal.” Does this very harsh attack mean that the independent media now have a major influence on public opinion?

Peter Welchering: Above all, it means that the independent media have had a significant impact even on the audience of public broadcasters. And that public broadcasters actually have to hold their own against these independent media. That is, first and foremost, a positive development, because competition always stimulates business. Regarding Mr. Himmler: I actually borrowed the “incestuous technocrat” description from Lutz Hachmeister; it wasn’t my own idea. But I’m happy to quote it. I’m willing to overlook a lot with Mr. Himmler because he never learned what journalism means outside of ZDF.

Milena Preradovic: You’re willing to overlook a lot with him? I mean, he basically declares colleagues to be enemies.

Peter Welchering: And one shouldn’t do that. But in principle, he was consistent in that regard. He realized: We must brace ourselves now, because our position—which we originally believed to be unassailable—is beginning to waver. External criticism is growing stronger, as is the pressure to implement reforms. He’s trying to counter this with a “wagenburg” mentality: In a crisis, everyone should rally around the flag and defend it against the outside world. He issued this declaration of war, if you will, in his campaign speech for his second term. But when you put that into context, you have to see that prior to that, there was this open meeting of editors-in-chief that Bettina Schausten had convened—a video conference with over 1,000 participants.

Milena Preradovic: After the scandal?

Peter Welchering: After the scandal, exactly. It became quite clear there that very harsh criticism was also being voiced internally. This is a completely new development for Norbert Himmler. Although it must be said: this criticism existed even before. The fact that the news director had to stand up on *heute journal* and apologize also had to do with the fact that quite a few employees went to management and said: “Guys, this can’t go on; we’re losing our journalistic reputation—do something.” This is the first time something like this has happened at ZDF on this scale. In that sense, it’s not a bad development. It just needs to happen a bit faster. And I’d welcome it if people didn’t just do this anonymously. Some do speak out under their own names, but they’re quickly gone. We saw that with Andreas Halbach and others. However, the more people participate and voice criticism, the harder it becomes to impose sanctions. We have to keep conveying that to our colleagues.

Peter Welchering: Refocus on precisely these journalistic standards. Then we can actually implement them through real reform. Otherwise, nothing will come of it.

Milena Preradovic: Yes, but those at the bottom, living in precarious conditions with freelance contracts that can be terminated quickly, are naturally afraid to speak out. And the others probably won’t do it at all, because they have well-paid ZDF contracts. So, business as usual.

Peter Welchering: Yes, business as usual. Although there is actually a trend where some colleagues—more so than in the past—are building a second source of income. That was also the reason why I always had a relatively unassailable position at public broadcasting. On the one hand because of my apprenticeship, on the other because of my work on development issues. That meant I could always say: I’m not completely dependent on you. That’s a very good negotiating position. And I see that more colleagues are now building exactly that kind of position for themselves. If that spreads further into the journalistic engine room, things could change. Not in the coming weeks, nor in the coming months, but perhaps over a period of two, three, or four years. Then things might really start to happen.

Milena Preradovic: I admire your optimism, I must say. When I look at public broadcasting, I see mostly audacity. But of course, that always depends on your perspective, especially when you look at the financial side of things.

Peter Welchering: I see the insolence too, but you have to put up with it.

Milena Preradovic: Don’t put up with anything, but okay.

Peter Welchering: I put up with it. When Himmler tells state parliament members, “Oh, Welchering is irrelevant anyway,” then let him say that.

Milena Preradovic: That’s almost like a title of nobility.

Peter Welchering: Let him do it.

Milena Preradovic: Let’s turn to the financial side of things. Last year, public broadcasting took in around ten billion euros—actually a bit more. It’s the most expensive public broadcaster in the world. Even before that, revenues were already around nine-point-something billion. And yet, they’re racking up massive debts. In your book, you cited SWR as an example. The SWR presented a deficit of over 33 million euros for 2024 and apparently thinks that’s fine. You write that Hans-Albert Stechl, the powerful chairman of the board of directors, said: This deficit is part of a long-term strategic transformation process. What kind of transformation process?

Peter Welchering: I asked him that, too. They can’t answer that right now. They would have to clarify where they actually want to transform to. The ideas are very unclear. Some say we have to “do something with the internet.” But that window of opportunity has long since closed. For many years, platforms like Google, YouTube, or Facebook were strengthened and a lot of money was invested there, even though there would have been the opportunity to build our own viable structures on an open-source basis, for example in the Fediverse. This is also a problem of hierarchy, because there is often a lack of technical understanding there. The transformation I’m referring to is a genuine fresh start: the establishment of an independent, truly public-service—that is, unbiased—system.

Milena Preradovic: You’ll hardly find any support for that among the public broadcasters themselves. Their attitude is more like: We have a lot of money; we’re running up debt, but that’s okay. At the same time, the presenters’ salaries are very high—Lanz at 1.9 million, Lichter at 1.7, Welke over a million, Böhmermann around 700,000.

Peter Welchering: In Böhmermann’s case, there’s also his production company, which generates revenue as well.

Milena Preradovic: Then he’s also at around a million. If it were a private-sector company, you could say: If that’s what it’s worth to you. But here, the taxpayer is footing the bill. And these figures weren’t even supposed to be made public; they were leaked in 2024. Isn’t some of that money also used for political influence, especially with formats like those of Böhmermann or Lanz?

Peter Welchering: With Böhmermann, the situation is that he holds a strong position with the director because they expect him to reach younger target audiences.

Milena Preradovic: But what he does is often denunciation. People are publicly humiliated, sometimes without solid evidence. Let’s think of the case of Arne Schönbohm.

Peter Welchering: Exactly, the former president of the Federal Office for Information Security.

Milena Preradovic: He was criticized on the show and subsequently dismissed by Nancy Faeser. There were also contacts between the editorial team and the Ministry of the Interior. It looks as though politics is being actively pursued here.

Peter Welchering: I consider Böhmermann a political activist. Such roles actually have no place in a public broadcasting system.

Milena Preradovic: And he’s one of the director’s favorites.

Peter Welchering: As for the new structure, I’ll say this clearly: Salaries must change as well. The public service should serve as a benchmark. An editor would be well-paid at the level of a high school teacher. A director could be paid on par with a brigadier general in the Bundeswehr—that, too, would still be very good pay for a high level of responsibility.

Milena Preradovic: We’ve talked a lot about undesirable developments and possible reforms. But isn’t the problem also to be found on the viewers’ side? As long as people trust the media uncritically and don’t inform themselves comprehensively, they remain susceptible to manipulation. Doesn’t the solution lie more with the citizens?

Peter Welchering: Media literacy is crucial; I agree with that. That’s why I got involved in journalism education early on. Critical engagement by users is important. Citizens should be able to question content, including recognizing and interpreting technical indicators such as watermarks in AI-generated posts.

Milena Preradovic: That’s often difficult in practice. You can barely make out such details on a small screen. I always say: Get your information from various sources and don’t believe a single site. A well-founded opinion arises only from a diversity of information.

Peter Welchering: Skepticism is a good basic journalistic attitude—even on the part of users. And I definitely see positive developments. It’s often claimed that young people in particular are passive and only consume short videos. In my seminars, I frequently experience the opposite: Many young people have high standards and want to put them into practice. However, it’s also clear that after a few years in the system, much of this enthusiasm is lost.

Milena Preradovic: They adapt in order to get ahead and secure advantages. And at the same time, young people hardly watch linear television anymore anyway.

Peter Welchering: That’s true; they predominantly use media libraries and other digital offerings.

Milena Preradovic: And ARD and ZDF play a rather minor role among young target groups. Perhaps that is the decisive development in the long term: that public broadcasting is losing its audience.

Peter Welchering: If that helps bring an end to this nine-billion-euro corporation in its current form and replace it with a new structure, I wouldn’t have a problem with that.

Milena Preradovic: A clear closing statement. Thank you very much, Peter Welchering, for the conversation and your optimism.

Peter Welchering: Let’s remain optimistic and confident.

Milena Preradovic: Let’s stay optimistic—and critical. Mistakes and fake news aren’t coincidences, but rather the expression of a system that has gotten out of hand. According to polls, 35% want to abolish public broadcasting. If these voices grow louder, things could change. As is so often the case, it’s up to us. I wish you all the best. See you soon.

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1 Kommentar

  1. Beweis

    Die benannten Gründe, den ÖRR zu reformieren, sind allesamt zweifelhaft. Seit das Internet sehr niederschwellig praktisch jedem Bürger Publishing ermöglicht und das auch praktiziert wird, ist der Aspekt Vielfalt im Programmauftrag passé.
    Und seit im neuen Jahrtausend der ehemals zur Unabhängigkeit aufgeforderte Journalismus in Haltungsjournalismus umgeformt wurde, gibt es auch keine qualitativen Gründe mehr für einen ÖRR. Der gebärdet sich inzwischen vielmehr als Vorfeld der Herrschenden denn als Vierte Gewalt.

    Falls die Bevölkerung trotzdem weiter Interesse hat an diesen Sendern, sollten die Menschen das freiwillig abonnieren können. So, wie sie auch freie Medien pekunär unterstützen können.

    Weder Vielfalt noch Qualität halten heute noch als Legitimation für den Milliarden-Molloch stand. Man muss ihn gar nicht abschaffen – aber die „Propaganda-Zwangsabgabe“ muss beendet werden. Den Rest macht dann ggf. der Markt.

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